Baywa will sich gesundschrumpfen – Bau- und Gartenmärkte nicht betroffen

Von Thomas Winter · 11. Dezember 2024 um 17:00

Auf dem mehr als 100 Jahre alten Münchner Traditionsunternehmen Baywa lasten mittlerweile Schulden in Milliardenhöhe. Verantwortlich dafür ist laut Deutscher Presseagentur aber nicht das Höfesterben, sondern eine falsche Firmenpolitik.

Bis 2023 wurde das ehedem auf den Agrarhandel beschränkte Unternehmen in einen Mischkonzern verwandelt. Auf Pump expandierte man rund um den Globus und baute vor allem das Geschäft mit erneuerbaren Energien als zweites Standbein des Konzerns auf.

Überwiegend Agrarstandorte werden dicht gemacht

Im Sommer dieses Jahres stand Deutschlands größter Agrarkonzern dann „kurz vor dem Gau“, wie aus dem Unternehmen zu hören war. Banken und Eigentümer mussten einspringen, um die Firma zu retten. Sie stellten eine Milliarde Euro frisches Kapital zur Verfügung. Nun geht es darum, das Unternehmen gesundzuschrumpfen auf einen früheren Zustand. Man will sich wieder auf die Kernfelder konzentrieren: Agrar, Baustoffe, Energie und Technik.

In einem ersten Schritt hat der Konzern angekündigt, 1300 Stellen streichen zu wollen. Wie eine Baywa-Sprecherin auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern mitteilte, wurde zudem „im Rahmen der Erstellung des Transformationskonzepts das Standortnetz auf Nachfrage und Profitabilität überprüft“. Das Ergebnis: 26 der gut 400 Standorte haben sich als unrentabel erwiesen. Sie werden bis Ende 2027 schließen.

Welche Standorte dies sein werden, will die Sprecherin nicht sagen. Zu genauen Schließungsplänen wolle man sich aktuell nicht äußern. Nur so viel: Es geht um 20 Agrar- und sechs Baustoffstandorte. Auf Nachfrage bei verschiedenen Standorten in der Region, wie Kunden auf die Krisennachrichten der vergangenen Monate reagiert haben, wie die Stimmung vor Ort ist, wer aus ihrer Sicht Schuld hat an der finanziellen Misere, gab es immer wieder die gleiche Antwort: „Tut uns leid, aber wir wurden von der Zentrale angehalten, nichts zu sagen. Wenden Sie sich bitte an München.“

Für Kunden der Gartenmärkte ändert sich nichts

Für viele Verbraucher, die die Baywa kennen, weil sie in den Bau- und Gartenmärkten einkaufen, ändert sich derweil nichts. Die 53 Bau- und Gartenmärkte, die im süddeutschen Raum unter der Marke BayWa Bau & Garten firmieren, werden bereits seit Anfang 2012 vom Dortmunder Familienunternehmen Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH & Co. KG gesteuert.

Die 53 Fachmärkte beschäftigen aktuell rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und rund 100 Auszubildende. Diese sind laut Baywa-Sprecherin von der Krise nicht betroffen. Ebenso wenig die Tankstellen, bei denen es sich um Automaten-Tankstellen handelt.

40 Prozent der 1000 Stellen in der Verwaltung fallen weg

Von den 8000 Vollzeitstellen in der Muttergesellschaft Baywa AG sollen 6700 erhalten bleiben. Rechnerisch bedeutet dies, dass das Unternehmen über 16 Prozent der Belegschaft abbauen will. Faktisch läuft das Sanierungsprogramm darauf hinaus, dass die aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangene Baywa die Expansion weitgehend rückabwickeln wird, die der langjährige Vorstandschef Klaus Josef Lutz orchestriert hatte.

Mit dem Betriebsrat wurden bereits Gespräche geführt, bis Ende März soll eine Einigung erfolgen (siehe Kasten). Da die Verwaltung in den letzten Jahren personell aufgebläht wurde, sollen die meisten Stellen dort gestrichen werden. Ein Großteil der Verwaltung, sagte die Sprecherin gegenüber unserer Zeitung, sitze in der Firmenzentrale in München, ein weiterer Teil in Moosburg, Augsburg und Fürth. Insgesamt handle es sich um rund 1000 Verwaltungseinheiten, was aufgrund von Teilzeitbeschäftigungen, faktisch mehr Arbeitsplätzen entspricht. Die Traditionsfirma kündigte an, rund 40 Prozent dieser Stellen streichen zu wollen. Das bedeutet, in der Baywa-Firmenzentrale im Arabellapark im Nordosten der Landeshauptstadt wird auf absehbare Zeit sehr viel Platz frei.