Umstrittener Solarfeld Rittershof nimmt nächste Hürde: So geht es jetzt weiter

Von Petra Schlierf · 10. Dezember 2024 um 19:00

Seit Jahren kämpfen Bürger von Rittershof gegen ein geplantes Solargebiet vor ihrer Haustür im Norden ihres Dorfs. Eine Bürgerinitiative, viele Gespräche und eine Unterschriftensammlung hat es schon gegeben. Alles vergeblich? Jetzt hat das Solar-Großprojekt im Bausenat des Stadtrats die nächste Hürde genommen.

Es ging um die Abstimmung des Bebauungsplans und des Flächennutzungsplans für das Areal, das bisher als landwirtschaftliche Fläche genutzt ist, konkret als Äcker und Grünland. Das Planungsgebiet misst etwa 7,5 Hektar, wobei nur auf knapp vier Hektar davon tatsächlich PV-Module stehen sollen. Der Rest sind landwirtschaftliche Flächen, Hecken und Wirtschaftsflächen. Hinter dem Projekt stehen die Stadtwerke Neumarkt und die Nürnberger Firma Bürgersolar Greenovative.

Gutachten bescheinigt: PV-Module blenden nicht

Im Frühjahr hatten nicht nur Behörden und Träger öffentlicher Belange Gelegenheit, ihre Meinung zum Projekt abzugeben, sondern auch die Bürger. Stellungnahmen von der Anhörung im März flossen ebenfalls in die Abwägung mit ein.

Yvonne Hammes vom Planungsbüro Raum + Zeit erläuterte, was in den Plänen im Vergleich zum Vorentwurf noch geändert wurde. Ein großer Kritikpunkt, insbesondere häufig von den Anwohnern geäußert, war die Nähe des Solargebiets zu Rittershof. Nachdem es für die ursprüngliche Planung reichlich Kritik gegeben hatte, kauften die Stadtwerke die beiden nördlichen Grundstücke dazu und erreichte so bereits mehr Abstand zur Bebauung: von der Straße Schönblick etwa 340 statt 112 Meter.

Sieben Meter breite Hecke und Bäume sollen Sichtschutz bieten

Optisch sollen die Module hinter Grün verschwinden. „Wir haben eine sieben Meter breite Hecke, die durchsetzt ist mit Bäumen“, beschrieb Hammes den geplanten Sichtschutz zum Ort hin. Noch dazu liege die Eingrünung auf einer Kuppe, sodass sie noch massiver Wirken werde.

Außerdem gebe es inzwischen Details zur befürchteten Blendwirkung der PV-Module. Deren Beschaffenheit, Lage und Ausrichtung stehe inzwischen fest. Es werde keine Blendung geben, zitierte die Planerin ein Gutachten. Das gelte demnach auch für eine Erweiterung des Wohngebiets südöstlich des Solarfelds.

Bedenken hinsichtlich des Lärmschutzes hatte das Landratsamt angemeldet. Nun sollen die Wechselrichter und die Transformatoren schalloptimiert und in möglichst großer Entfernung von den Wohnhäusern Platz finden.

Zugeständnisse bei der Modulplanung an Tierwelt

Ein Gutachten gibt es inzwischen auch über den nötigen Natur- und Artenschutz. „Alle Ausgleichsflächen liegen vor und sind schon vertraglich gesichert“, betonte Hammes. Es gebe mehrere externe Ausgleichsflächen, davon eine bei Möning zum Ausgleich für eine der besonders geschützten Parzellen. Für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein gefährdeter Schmetterling, der auf dem geplanten Solargebiet lebt, bleibe im Norden und Nordwesten ein Streifen unbebaut. Außerdem waren Ersatzflächen für zehn Feldlärchenpaare nötig.

Dass auch das Landschaftsbild leide, kritisierten ebenfalls einige Stellen und Bürger. Doch da sei die Gegend bereits durch weitere Anlagen in unmittelbarer Nähe vorbelastet, entgegnete Hammes. Gleichzeitig tue man mit der starken Eingrünung viel dafür, die optische Beeinträchtigung möglichst gering zu halten.

Bürger können sich jetzt erneut äußern

Im Bausenat gingen die aktuellen Versionen von Bebauungsplans und des Flächennutzungsplans am Montag ohne Gegenstimme durch. Jetzt werden die geänderten Pläne erneut öffentlich ausgelegt. Bürger haben dann noch einmal die Chance, ihre Einwände einzubringen.

Seit Juni besteht bereits Baurecht für die beiden Flurstücke innerhalb des Sondergebiets, die an der Bahnlinie Neumarkt – Postbauer-Heng liegen, denn diese liegen nach einer Gesetzesänderung in einem privilegierten Korridor 200 Meter entlang von Bahntrassen. Deswegen ging es hier ganz schnell mit dem Bauantrag. Diese Flächen sind auch am weitesten von Rittershof entfernt.