Seine Musik bleibt „bachfest“ in allen Bearbeitungen

Von Gerhard Dietel · 9. Dezember 2024 um 11:00

Beim Bachfest im Neuhaussaal: Dramaturgin Marie Julius und Dirigent Stefan Veselka moderierten das Konzert. Foto: altrofoto.de

Die Regensburger Philharmoniker feiern im Neuhaussaal die Musik von Bach in unterschiedlichsten Facetten.

„Bachfest“ ist das Sonderkonzert des „Philharmonischen Orchesters“ im Neuhaussaal übertitelt, und das mag man auf zwei Jubiläen im bald beginnenden Jahr 2025 beziehen. Dann lässt sich der 275. Todestag Bachs feiern und auch, nun ja, dessen mehr krummer als runder 340. Geburtstag. Aber in der Überschrift schwingt noch eine andere Bedeutung mit: Es gibt keinen Komponisten, dessen Musik sich so „fest“ erweist, wenn sie allen möglichen und auch unmöglichen Bearbeitungen unterworfen wird. Sie ist eben „bachfest“, wie sich an diesem Abend erweist, den Konzertdramaturgin Marie Julius und Generalmusikdirektor Stefan Veselka als Gesprächskonzert moderieren.

Einmal ist Bach auch im Original vertreten, wenn Stefan Veselka kurz vom Dirigentenpult zum Cembalo wechselt und auch am Tasteninstrument beste Figur macht: bei einer nicht mechanisch, sondern mit leichten agogischen Freiheiten lebendig musizierten „Allemande“ und einer mit Verzierungen reich kolorierten „Sarabande“ aus der „Französischen Suite“ Nr. 5. Faszinierend ist im Vergleich dazu, aus welch unterschiedlichen Blickwinkeln sich Bachs Komponisten-Nachfolger dessen Oeuvre näherten und es für ihre Gegenwart aufbereiteten. Am modernsten, aber zugleich am meisten im Geiste des Altmeisters, so sieht es Stefan Veselka, verfuhr Anton Webern. Dessen eher analytische, in Motivsplitter zerlegte Instrumentierung des „Ricercars“ aus dem „Musikalischen Opfer“ wirkt bei der Interpretation durch das Philharmonische Orchester trotz optisch großer Besetzung auf dem Podium eher wie filigrane Kammermusik, deren Klang sich nur an wenigen Stellen orchestral verdichtet.

Lesen Sie mehr: Weihnachten und Domspatzen: Das gehört in Regensburg zusammen

Von heutiger Originalklang-Bewegung war noch nichts zu spüren, als Gustav Mahler dem Publikum in New York 1910 Bach nahezubringen versuchte: mit einer durch eigene dynamische Anweisungen und Phrasierungen ergänzten Kompilation von „Hits“ aus dessen zweiter und dritter Orchestersuite. Breiter und behäbiger als in heutigen Wiedergaben wirkt da die „Ouvertüre“ und betont weihevoll die berühmte „Air“ (das „Adagio“ aus Mahlers vierter Sinfonie grüßt herüber). Spritzig bleibt die „Badinerie“, deren Flöten-Solopart Gabriella Damkier quirlig und hochvirtuos musiziert.

Noch dicker aufgetragen und schwelgerisch im Ton wirken die im spätromantischen Geist entstandenen Orchestrierungen aus den Händen Ottorino Respighis und Leopold Stokowskis. Mit viel Vibrato und breit gezogenen Tönen erklingt Respighis Streicher-Bearbeitung von Bachs Choralvorspiel „Nun komm der Heiden Heiland“ BWV 659, die in ein riesiges Ritardando mündet.

Lesen Sie mehr: Salut Salon kommt ins Audimax

Die volle Orchesterpalette nutzte dagegen der Dirigent Leopold Stokowski, als er „Jesus bleibet meine Freude“ und die „kleine“ g-Moll-Fuge BWV 578 aufs Konzertpodium hievte. Ganz harmlos, mit spitzen Tönen der Oboen allein lässt er seine Bearbeitung dieser Fuge beginnen, um den Klang am Schluss zu dem einer Riesenorgel zu steigern. Ob man das nun goutiert oder die Nase rümpft: „bachfest“ bleibt der Notentext allemal.