Strategien gegen den Online-Boom: Amberger Sportgeschäfte gehen neue Wege

Von Gerhard Spies · 6. Dezember 2024 um 05:00

In Ambergs Altstadt tummelten sich vor Jahren mindestens sechs Sportartikel-Händler. Heute sind es gerade noch drei, rechnet man die Sportabteilung von Wöhrl hinzu. Das Internet hat die Landschaft der Einzelhändler verändert. Wer hier überleben will, muss seine Strategie ändern. Das zeigen zwei Beispiele von Amberger Sportgeschäften. Am vergangenen Montag feierte Sport Nanka in Amberg seine Neueröffnung. Über dem Eingang des Sportgeschäfts an der Dörflerstraße steht jetzt der Schriftzug Teamshop89. Sport Nanka ist jetzt einer von 35 Teamshop89-Partnern der Marke Jako europaweit. Mit dieser Marke fokussiert sich Nanka auf die Kooperation mit Sportvereinen und vermehrt auch auf den Business-Bereich.

Lange durchgehalten

Zur feierlichen Eröffnung am Montagabend schaute auch Jako-Vorsitzender Tobias Röschl vorbei. „Seit vielen Jahren ist Sport Nanka ein starker Partner von uns – die beste Voraussetzung also für diesen Schritt und eine erfolgreiche langfristige Zusammenarbeit“, betonte er.

Röschl erinnerte auch an die Geburtsstunde des Unternehmens, die vor 35 Jahren in einer Garage im Kreis Hohenlohe in Baden-Württemberg begann, dort wo die kleinen Flüsse Jagst und Kocher unweit voneinander in den Neckar fließen. Sie gaben jeweils mit ihren beiden ersten Buchstaben der Marke den Namen.

Sport Nanka, der neue Partner von Jako, hat schon eine bewegte Geschichte hinter sich. „Ich bin einer der wenigen, der überlebte“, erklärt Roy Nanka beim Blick zurück. Bevor er mit seinem Sportgeschäft 2016 in die Dörflerstraße zog, hatte er in der Marienstraße eigentlich einen Premium-Standort am Rand der Innenstadt. Doch die hohen Mietkosten und die immer wachsende Internet-Konkurrenz zwangen ihn, seine Kosten zu reduzieren.

„Viele Kunden ließen sich von uns beraten, bestellten dann aber im Internet“, beschreibt Nanka das Dilemma von damals. Zudem hätten die Sportartikel-Hersteller für die „kleinen“ Einzelhändler die Ordermengen in die Höhe geschraubt. „Wir hatten Warenbestände von mehreren Hunderttausend Euro“, erzählt er.

Mit dem Umzug vor acht Jahren veränderte Nanka auch sein Geschäftskonzept. Er reduzierte seinen Warenbestand auf ein Minimum, setzt jetzt vermehrt auf den Teamsport. Die Sportvereine wurden seine wichtigsten Geschäftspartner. Inzwischen ist er der offizielle Ausrüster des Bayerischen Turnverbands und des Bayerischen Volleyballverbands. Mit vielen Vereinen, zum Beispiel den Volleyball-Bundesligavereinen ASV Dachau und SV Schwaig unterhält er Kooperationsverträge.

„Wir wollen mit besonderen Dienstleistungen und über den persönlichen Kontakt punkten“, nennt Nanka ein weiteres Plus in seiner Geschäfts-Strategie. Schwerpunkt sei dabei der Textildruck. Zudem zähle er immer mehr Firmen aus dem Business-Bereich zu seinen Kunden. „Der Anteil ist innerhalb von zwei Jahren auf 30 Prozent gestiegen“, sagt er.

Im Herzen der Amberger Innenstadt, direkt am Marktplatz neben dem Rathaus, gibt es schon seit fast 20 Jahren Intersport Lange. Im Mai 2025 feiert Armin Steger, der Inhaber, das 30. Geschäftsjubiläum. 1995 hatte er den Laden von Dieter Lange, damals noch in der Lederergasse, übernommen und ist zunächst an den Malteserplatz gewechselt. Zehn Jahre später zog er dann in die Räumlichkeiten des ehemaligen Bekleidungsgeschäfts Schricker in 1a-Lage am Marktplatz um. Inzwischen ist auch Dominik Steger, sein älterer Sohn, ins Geschäft eingestiegen.

Auch Intersport Lange hat mit dem Internet-Handel zu kämpfen. „Durch das Internet ist die Preistransparenz größer geworden. Ein paar Klicks im Netz und schon kann man vergleichen“, sagt Steger.

Vor zwölf Jahren habe sich zudem ein neuer Konkurrent in Sachen Sportartikel in Amberg niedergelassen, im Gewerbegebiet an den Franzosenäckern. Der Fachmarkt eines österreichischen Großhändlers punktet vor allem mit preisgünstigen Sportartikeln.

Qualität und Beratung

„Wir haben uns damals geschäftsintern zusammengesetzt und entschieden, uns neu auszurichten“, erzählt Steger. Seitdem setzt Intersport Lange vor allem auf ein hochwertigeres Warenangebot aus der mittleren Oberklasse und auf verbesserten Service.

„Wir haben Billigmarken aus dem Sortiment genommen und unsere Mitarbeiter auf Verkaufsschulungen geschickt“, erinnert sich Steger. „Der Österreicher verkauft über den Preis, wir über den Service“, nennt Steger die unterschiedliche Strategie. Intersport Lange verpasste sich außerdem eine optische Auffrischung. „Wir wollen vom Kunden als modernes Geschäft mit kompetentem Personal wahrgenommen werden“, sagt Steger.

Besonders wichtig ist aber sowohl für Steger Senior als auch für Junior die Philosophie des Sports, die sie auf die Kunden übertragen wollen. Beide, Vater und Sohn, kommen aus dem Leistungssport. Vater Armin war Bundesliga-Tennisspieler beim TC am Schanzl, Sohn Dominik ist Sportökonom und im Volleyball aktiv unterwegs.

„Der Sport ist ja positiv behaftet mit Themen wie Gesundheit oder Fitness. Diese positive Emotion bekommst Du nicht beim Kauf im Internet. Aber genau diese wollen wir auf den Kunden übertragen“.

Geschäftsstrategie geändert: Senior-Chef Armin Steger (r.) und sein Sohn Dominik verabschieden sich vom unteren Preissegment.