Staatliche Realschule Riedenburg bekommt kurzfristig Mieträume und langfristig Zuwachs

Erfolg und Fehler der Vergangenheit holen derzeit die Staatliche Realschule Riedenburg ein: Sie platzt aus allen Nähten und wird spätestens nächstes Schuljahr endgültig zu klein sein. Deshalb soll das Raumangebot in mehreren Stufen erweitert werden. Der Kreisausschuss hat dies gebilligt, fordert aber auch Verhandlungen mit der schulischen Nachbarschaft.
Fach- und Gruppenräume als Klassenzimmer, Umbauten und Trennwände – die (Raum-)Not an der Johann-Simon-Mayr-Realschule (JSM) machte erfinderisch in den vergangenen Jahren. Aber das sei jetzt ausgereizt, informierte Kreiskämmerer Reinhard Schmidbauer den Kreisausschuss am Montag: Wenn nächsten Herbst erneut sechs Klassen nötig sind für die neuen Fünftklässler, dann könne das „nachvollziehbar nicht mehr im bestehenden Schulgebäude bewerkstelligt werden“. Darauf hatte auch Realschuldirektor Thomas Dachs in einem Brandbrief hingewiesen. Nun stellte Kämmerer Schmidbauer einen Drei-Stufen-Plan vor, um Abhilfe zu schaffen.
• Miete: Als Akut-Lösung schon ab nächstem Herbst mietet sich der Landkreis – er ist Träger der Realschule – in der nahe gelegenen städtischen Drei-Burgen-Halle ein. Wieder mal, sozusagen. Das Gebäude, einst selbst Schule, war schon in der JSM-Neubauphase Ausweichquartier.
• Container: Falls sich bis Mai 2025 wieder so viele Fünftklässler für die JSM anmelden, dass für sie sechs Klassen nötig sind, wird Stufe zwei „gezündet“: die Errichtung einer ebenerdigen Containeranlage mit drei Klassenzimmern. Damit man von dort schnell die Toiletten der Schulschwimmhalle erreicht, soll die Containeranlage auf den Parkplatz zwischen Halle und Schulstraße kommen.
Mit rund 950.000 Euro sei der Kauf der Anlage, die ja mehrere Jahre genutzt werde, wirtschaftlicher als Miete, erklärte Kämmerer Schmidbauer. Die Miete müsste außerdem aus dem Verwaltungshaushalt bezahlt werden, was unmittelbar die Kreisumlage nach oben treiben würde; der Kauf lässt sich per Kredit finanzieren. Im Idealfall wäre die Container-Anlage ab Anfang 2026 nutzbar; notfalls ließe sie sich später auch noch aufdoppeln.
• Erweiterungsbau: Weil die JSM voraussichtlich dauerhaft sechszügig bleibt, will der Landkreis mit der Regierung von Niederbayern über eine dauerhafte Antwort darauf verhandeln: einen Erweiterungsbau auf der südlichen Freifläche zwischen Schul- und Staatsstraße, mit zwölf Klassenzimmern und rund 1200 Quadratmetern Gesamtnutzfläche. Er würde, grob geschätzt, 11 bis 12 Millionen Euro kosten (davon ca. 4 Mio. als staatliche Förderung). Wäre aber frühestens in etwa fünf Jahren realisiert; deshalb führe bei stetig steigenden Schülerzahlen kein Weg an der Interimslösung Container vorbei, antwortete der Kämmerer auf die Frage von Kreisrat Simon Steber (JL). Bei stagnierenden Zahlen könne man vielleicht auf die Container verzichten.
• Alternativen: Einen sarkastischen „schönen Dank“ richtete Kreisrat Thomas Memmel (CSU) an den Landkreis Regensburg: Statt eigene Schul-Neubaupläne weiterzuverfolgen, „schicken sie uns ihre Schüler“, kritisierte der Neustädter Bürgermeister mit Blick auf den 40-prozentigen Gastschüler-Anteil der JSM. Und regte an, dem Nachbar-Landkreis eine Finanz-Beteiligung an den geplanten Kelheimer JSM-Investitionen abzuhandeln: notfalls mit der Drohung, andernfalls Regensburger Gastschüler nicht mehr aufzunehmen. „Ingolstadt zum Beispiel nimmt meine Schüler aus Schwaig auch nicht auf.“
Kämmerer Schmidbauer warnte indes vor einem großangelegten Umlenken von Schülerströmen und sagte, ein Schulneubau z.B. in Hemau wäre noch vor wenigen Jahren als Bedrohung für die JSM Riedenburg aufgefasst worden. Man könne mit dem Kreis Regensburg schon reden, aber er könne sich aktuell einen Neubau kaum leisten, vermutete gab Landrat Martin Neumeyer.
Auch Eichstätt plane derzeit keine neue Schule, so die Auskunft zu Christian Nerbs (FW) Frage. Peter-Michael Schmalz (ÖDP) schlug vor, der kirchlichen Mädchenrealschule St. Anna die Öffnung für Buben nahezulegen, um die benachbarte JSM zu entlasten. „Diese Anregung stammt von mir“, erwiderte der Landrat. Man könne die Kirche schon fragen, so Kreisrat Willi Dürr (SPD), aber eine Öffnung „erleben wir alle miteinander nicht mehr…“
• Beschluss: Einstimmig beauftragte der Ausschuss die Kreisverwaltung, die Räume in der Drei-Burgen-Halle anzumieten und herzurichten sowie ein Konzept für den Erweiterungsbau zu erarbeiten. Und auch, die drei Containerklassräume zu beschaffen – vorausgesetzt, die Anmeldezahlen 2025 erfordern dies. Außerdem sollen die Nachbar-Landkreise und die Mädchenrealschule St. Anna kontaktiert werden.
Schülerprognosen und Schülerzahlen
Für Vierzügigkeit (vier Klassen pro Jahrgang) ist die Johann-Simon-Mayr-Realschule genehmigt und ihr Teil-Neubau Ende der 2000er Jahre darauf ausgelegt worden. Doch der 2012 bezogene Neubau sei von Anfang an zu klein gewesen, blendete Kreiskämmerer Reinhard Schmidbauer zurück.
„Mit der Prognose der Schülerzahlen hat man sich leider verzockt“. Nach Jahren des Rückgangs stiegen sie ab 2010 stetig, bis zum Höchststand 906 vor zehn Jahren. Seither sanken sie zwar wieder, auf aktuell 764. Das Institut „Sags“ prognostiziert aber bis zum Jahr 2035 einen Anstieg auf über 1000.