Auch der Markt Bruck ist ausgestiegen: Wird das Nikolausbockerl zum Auslaufmodell?

Von Cornelia Lorenz · 5. Dezember 2024 um 11:00

Vor fünf Jahren hat sich das Sulzbachtaler Nikolausbockerl zum ersten Mal auf den Weg gemacht und seinen Fahrgästen ermöglicht, zwischen den Weihnachtsmärkten in Nittenau, Bruck und Bodenwöhr zu pendeln. Doch nun stockt es. Nach Nittenau ist nun auch noch Bruck aus dem interkommunalen Projekt ausgestiegen.

Im Jahr 2019 waren die historischen roten Waggons der Passauer Eisenbahnfreund zum ersten Mal im Sulzbachtal zum Einsatz gekommen: An jenem Dezembersonntagnachmittag verkehrte es im Zweistundentakt zwischen dem Bahnhof Blechhammer, dem Haltepunkt am ehemaligen Bahnhof in Bruck sowie dem Schönek-Gelände an der Gemeindegrenze zwischen Bruck und Nittenau. Das Interesse war riesig: Die 100 Sitzplätze reichten bei der Premiere kaum aus.

Kein Stopp mehr in Bruck

Wegen der Coronapandemie fielen die Weihnachtsmärkte in Bruck, Bodenwöhr und Nittenau 2020 und 2021 ins Wasser – weshalb auch das Nikolausbockerl eine Zwangspause einlegen musste. 2022 wurde es wieder als Pendelmöglichkeit zwischen den Weihnachtsmärkten reaktiviert − allerdings ohne die Stadt Nittenau. Heuer nun wird das Bockerl erstmals auch keinen Stopp in Bruck mehr einlegen. Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) äußerte sich auf Nachfrage der Mittelbayerischen zu der Entscheidung. Ein wesentlicher Grund sei die Tatsache, dass das Lagerhaus im Bereich des alten Bahnhofs abgerissen worden und das Gelände eingezäunt sei. Hier eine vernünftige neue Haltestelle für das Bockerl einzurichten, sei schwierig, sagte Faltermeier.

Aufwand für die Gemeinde

Darüber hinaus müssten Bauhofmitarbeiter für die Bockerl-Fahrgäste eigens Einstiegshilfen bauen, was zeitlich sehr aufwendig sei. Außerdem müsse die Gemeinde während der Fahrzeiten einen Mitarbeiter einsetzen, der beim Einstieg für Sicherheit sorge, so die Rathauschefin weiter.

Abgesehen von diesen Problemen war laut Faltermeier die Resonanz der Brucker Bürger auf das Nikolausbockerl nicht so groß wie erwartet – zumal das Bockerl bei seiner Ankunft in Bruck mit Bodenwöhrer Bürgern schon gut gefüllt gewesen sei. „Am Ende war es für uns eine Abwägungssache“, sagte Faltermeier und verweist zudem auf die Kosten von rund 2000 Euro, die der Gemeinde durch das Nikolausbockerl entstanden seien. Manchmal, so findet die Brucker Bürgermeisterin, sei es gut, eine eingeführte Sache pausieren zu lassen, um dadurch ihre Attraktivität wieder zu steigern.

Zu wenig Platz für die Nittenauer

Ähnliche Argumente wie der Markt Bruck führt auch die Stadt Nittenau für ihren bereits im Jahr 2022 erfolgten Rückzug vom Nikolausbockerl ins Feld. „Leider hat sich gezeigt, dass das Nikolausbockerl nicht als Shuttlemöglichkeit zwischen den drei Weihnachtsmärkten genutzt wird, sondern als Tagesfahrt für den ein oder anderen Besucher“, kommentierte Rathaussprecherin Alexandra Oppitz auf Nachfrage der Mittelbayerischen. So sei beispielsweise das Problem entstanden, dass zwar Bodenwöhrer Fahrgäste in den Zug ein-, aber in Nittenau nicht ausgestiegen seien. „Dadurch gab es keinen Platz mehr im Zug, weshalb viele Nittenauerinnen und Nittenauer das Angebot nicht nutzen konnten“, so Oppitz.

Teurer Busshuttle wurde wenig genutzt

Das wiederum sei sehr schade, weil das Nikolausbockerl einen „enormen Kosten- und Zeitaufwand“ für die Stadt Nittenau bedeutet habe: Für den nötigen Busshuttle für die rund 3,5 Kilometer lange Strecke zwischen dem Schönek-Gelände und dem Nittenauer Weihnachtsmarkt habe die Stadt einen dreistelligen Betrag aufgewendet. Darüber hinaus habe auch städtisches Personal eine Menge Zusatzarbeit leisten müssen. „Da wir in Nittenau keinen eigenen Bahnhof mit Bahnsteig haben, musste unser Bauhof mit einem enormen Aufwand einen Holzbahnsteig zimmern, diesen aufbauen und natürlich wieder abbauen“, erläuterte Oppitz.

Im Nachgang habe man Gespräche mit dem Busfahrer geführt, der eine „mäßige Nutzung“ des Shuttles bestätigt habe. Somit habe die Stadt Nittenau 2022 beschlossen, sich nicht mehr zu beteiligen.

Resonanz prüfen

Die Tatsache, dass die beiden Nachbargemeinden nicht mehr mit im Boot sind, findet Bodenwöhrs Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) schade. Das Nikolausbockerl war aus seiner Sicht eine gute Möglichkeit, die Verbindung zwischen den drei Orten mit Leben zu erfüllen. Allerdings müsse derzeit wohl jede Kommune sparen und entscheiden, wo sie damit anfange.

Hoffmann will nun heuer die Resonanz auf den Ticketverkauf für das Nikolausbockerl abwarten. Sollte die Nachfrage sehr gering sein, müsse sich auch die Gemeinde Bodenwöhr überlegen, wie sie künftig mit dem Thema umgeht.

Tipps für die Fahrt mit dem Nikolausbockerl

Das Nikolausbockerl verkehrt am Sonntag, 8. Dezember, ab 14 Uhr zwischen Bodenwöhr-Blechhammer und Nittenau. Abfahrt am Bahnhof Blechhammer ist um 12, 14, 16 und 18 Uhr. Beim Haltepunkt Bodenwöhr Hütte kann man jeweils zehn Minuten später zusteigen. In Bruck macht das Bockerl heuer keinen Zwischenstopp. Ankunft in Nittenau am Schönek-Gelände ist jeweils um 12.30, 14.30, 16.30 und 18.30 Uhr. Jeweils zehn Minuten später fährt das Bockerl wieder zurück Richtung Blechhammer.

Am Haltepunkt am Schönek-Gelände steht eine Zweigstelle des Christkindlpostamts bereit. Weihnachtsengel nehmen Briefe der Kinder entgegen und haben auch eine kleine Überraschung vorbereitet. Von hier aus gibt es keinen Shuttle zum Nittenauer Weihnachtsmarkt.

Zugtickets von Blechhammer zum Schönek-Gelände und zurück kosten drei Euro. Kinder fahren gratis mit. Tickets gibt es im Bodenwöhrer Tourismusbüro oder beim Einsteigen ins Nikolausbockerl.