Landkreis Cham plant mit Bögl 20 Windkraftwerke für die nächsten 15 Jahre

Jahrelang herrschte zu diesem Thema Windstille. Nun hat Chams Landrat Franz Löffler gemeinsam mit seinen Regionalwerken die Firma Max Bögl als Partner für zunächst drei Windparks mit insgesamt acht Kraftwerken präsentiert. Drei weitere Windräder sind kurz vor der Projektreife. Insgesamt will der Landkreis 20 bauen.
In drei Windparks in den Gemeinden Pemfling/Löwendorf (drei Anlagen), Schorndorf/Michelsneukirchen (drei) und südlich von Rötz (zwei) soll möglichst bis 2029 der Anfang gemacht werden. Ein weiterer Windpark mit drei Anlagen ist nahe an der Projektreife. Insgesamt sollen in 15 Jahren 20 Anlagen mit einer Nabenhöhe von bis zu 180 Metern für 140 Megawatt Strom sorgen.
Strom für die Region
Landrat Franz Löffler präsentierte als Partner für dieses Vorhaben Johann Bögl von der Firma Max Bögl in Neumarkt. Dieser sei nach der europaweiten Ausschreibung ein Haupttreffer, so Löffler. Nicht nur, weil er planen, projektieren und bauen könne, sondern weil er die regionale Idee dahinter voll mittrage. Diese Idee hinter den Regionalwerken, die eine 100-prozentige Tochter des Landkreises sind, sei regionale und nachhaltige Energie zu guten Preisen für Bürger und Unternehmen in der Region.
Der Landkreis und seine Kommunen seien über die Regionalwerke zu 51 Prozent beteiligt, eine weitere Beteiligung an den jeweiligen Projekten erhalte die Firma Bögl. Der dritte Anteil sei für Bevölkerung und Unternehmen vorgesehen. Löffler versprach, dass es trotz der Privilegierung der Windkraft und der Nutzung der Vorranggebiete eine transparente Projektierung geben werde. Die Bevölkerung werde mit einbezogen, auch wenn kein Bauantrag gestellt werden müsse.
Kosten: 50 Millionen Euro
Mit der Firma Bögl habe sich der Landkreis auswärtige Erfahrung ins Boot geholt: „Wir können weder planen, noch projektieren oder bauen und betreiben“, begründete der Landrat. Genau das, so Dr. Klaus Amberger, Vorstand der Regionalwerke, sei die Stärke der Partnerschaft: Bögl biete alles aus einer Hand, und es brauche nur drei Partner, um die Projekte durchzuziehen: den Landkreis mit seinen Kommunen (Regionalwerke), die Firma Bögl sowie die Bürger und Unternehmer.
Der Landrat stellte die Ziele vor: 20 Windräder für rund 50 Millionen Euro innerhalb der nächsten 15 Jahre. Das sei machbar. Ziel sei eine preiswerte Energie für die Region, ihre Bürger und die Unternehmen. „Dafür stehen wir mit unseren 51 Prozent Beteiligung. Niemand wird über diese Projekte seinen Haushalt sanieren, und unter dem Strich wird für alle Beteiligten ein wenig mehr herauskommen, als die Banken anbieten“, versprach Löffler. Die Kosten würden im ersten Moment hoch vorkommen. Sie seien aber praktisch schon finnanziert durch die Tatsache, dass das Erneuerbare Energien-gesetz (EEG) für die ersten 20 Jahre einen festen Erlös für die Stromerträge festschreibe. So könne man die Investitionen jederzeit gegenüber den Banken gut absichern und preiswerte Angebote erzielen. „Das alles trauen wir uns und unseren Partnern zu“, so Löffler.
Nabenhöhe 180 Meter
Johann Bögl, einer der drei Hauptgesellschafter im Neumarkter Familienunternehmen, schilderte dessen Schlagkraft: 2024 habe der Jahresumsatz bei 2,7 Milliarden Euro gelegen. In den drei Sparten Hochbau, Infrastruktur und Erneuerbare Energien beschäftige die Firma Max Bögl (MB) rund 7000 Mitarbeiter. 75 Prozent der deutschen Windkraftwerke seien in Neumarkt gebaut worden. Dort habe man auch Verfahren entwickelt, um weniger Platz für Aufstellung und Instandhaltung zu verbrauchen.
Bögl habe vor 15 Jahren mit Windkraftwerken vor der eigenen Haustüre erste Erfahrungen gesammelt und sei heute in Kombination mit schwimmenden Photovoltaikanlagen und Biomasse im gesamten Gewerbepark energieautark. „Das ist ein großer Standortvorteil in diesen Zeiten“, so Bögl.
Der Landkreis Cham sei nicht gerade ein Windlandkreis. Deshalb werde man auch die Nabenhöhe von 180 Metern brauchen, um an die notwendige Strömung zu können. Die ausgewählten Gebiete seien aber gut. Jetzt gelte es, die Menschen dort mit ins Boot zu holen. Nur so könne das Projekt erfolgreich sein, so Bögl.
Der Anfang eines Weges
Martin Ritt, ebenfalls Vorstand in den Regionalwerken, bezeichnete die Situation als Beginn eines Weges. Nun müsse man bis zu 30 Einzelgutachten vorlegen. Damit werde man im Januar beginnen. Dazu gehöre zum Beispiel auch der Naturschutz mit den Vogelzug-Routen in Richtung Rötelseeweiher. Man habe die vorgelegten Standorte gewählt, weil sie vor Ort direkt ans Netz gehen könnten, es Speichermöglichkeiten gebe und man dort auch Grundstücke für Photovoltaik kombinieren könne.
Viel Lob gab es von den Bürgermeistern Max Schmaderer (Schorndorf) und Christian Raab (Michelsneukirchen). Sie hoffen, ihre Bürger überzeugen zu können und zu beweisen, dass „der Wind aus Richtung Landkreis Cham weht“.
