Polizei nimmt den Bahnhof ins Visier – Am Freitag fand in Schwandorf eine Kontrollaktion statt

Von Philipp Breu · 24. November 2024 um 19:00

Der örtliche Bahnhof ist kein Ort zum Wohlfühlen. Das bekommt die Polizei regelmäßig von Schwandorfern zu hören. Aus diesem Grund fand am Freitag ein Kontrolltag rund um das Areal statt. Unterstützung gab es dabei auch von der Bundespolizei.

Halb neun Uhr morgens, Lagebesprechung in der Dienststelle der Polizeiinspektion Schwandorf. In einem Konferenzraum sitzen Polizei-Vizechef Florian Meier und vier uniformierte Beamte an einem Tisch. Sie klären letzte Details. Ihr Einsatzschwerpunkt liegt heute am Schwandorfer Bahnhof. Dieser sei mit Blick auf die Kriminalitätsstatistik zwar kein ausgemachter Brennpunkt. Dennoch hätte es laut Meier in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Rufe nach mehr Polizeipräsenz rund um das Areal gegeben.

In Gruppen aufgeteilt

„Wir wollen das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger stärken“, erklärt Schwandorfs Polizeivize die Kontrollaktion. Über mehrere Stunden sollen die Polizeiobermeister Wexler, Schuster und Fischer sowie Polizeimeisterin Wild am Bahnhof nach dem Rechten sehen. Auch die Bundespolizei hat sich für die Mittagsstunden angekündigt.

Die Uhr auf Gleis eins hat gerade neun geschlagen. Zwei silber-grüne Streifenwagen parken neben dem Bahnsteig und ziehen die Blicke der Fahrgäste auf sich. Dick eingepackt steigen die vier Beamten aus und gehen den Bahnsteig entlang. Sie teilen sich in Zweier-Gruppen auf. Während ein Duo die Gleisunterführung unter die Lupe nimmt, sieht das andere Team am benachbarten Busbahnhof nach. Dann geht es weiter Richtung Bahnhofsvorplatz und Wartehalle.

Fünf Joints sind zu wenig

Immer wieder sprechen die Polizisten Passanten an, die gerade auf Züge warten oder frisch ausgestiegen sind. Sie fragen nach Ausweisen, kontrollieren Jackentaschen und Rucksäcke. Der erste Treffer lässt nicht lange auf sich warten. Ein junger, hagerer Mann mit Drei-Tage-Bart und Mütze macht gleich zu Beginn der Kontrolle auf Nachfrage keinen Hehl daraus, dass er erst am Vortag Betäubungsmittel konsumiert hatte – Marihuana. Er trägt fünf Joints und Equipment für den Cannabiskonsum mit sich.

Zu befürchten hat er aber nichts. Denn seit 1. April dieses Jahres ist der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis im öffentlichen Raum per Gesetz straffrei. Da reichen die fünf Joints nicht aus, noch dazu, weil sie allesamt mit Tabak gestreckt sind. „So ist das neue Gesetz“, sagt eine der Beamtinnen. Der Mann darf gehen.

Immer wieder stoßen die Polizisten im weiteren Verlauf auf Fahrgäste, die gegenwärtig oder in der Vergangenheit mit Drogen zu tun hatten. Die Bandbreite reicht von Cannabis bis Crystal Meth. Das habe laut der Uniformierten auch mit der Praxis für Suchtmedizin zu tun, die Ende vergangenen Jahres im direkten Bahnhofsumfeld eröffnete. Erhöhte Gefahr gehe von den Abhängigen aber nicht aus. Auch bei der Kontrollaktion am Freitag zeigt sich der Großteil kooperativ. Verbotene Substanzen finden die Beamten nicht.

Eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gibt es aber dann dennoch. Ein junger Mann mit grauer Jogginghose und olivgrüner Winterjacke läuft am Bahnhofsvorplatz bei rot über die Ampel. Die Polizisten belassen es zunächst bei einer Verwarnung. Weil der Personalausweis des Mannes aber seit mehr als einem Jahr abgelaufen ist, muss er nun doch mit einem Bußgeld rechnen.

Gegen Mittag stoßen dann Beamte der Bundespolizeiinspektion Waldmünchen dazu. Auch sie kontrollieren Ausweise und Taschen. Verbotene Substanzen bleiben weiterhin Fehlanzeige. Generell ist an diesem Freitag an und um den Bahnhof nicht viel los. Wahrscheinlich auch, weil das Wetter nicht gerade mitspielt.

Die Polizisten ziehen am Ende dennoch ein positives Fazit, ehe sie gegen 15 Uhr in ihre Dienststellen zurückkehren. Schließlich gehe es bei Kontrollaktionen wie dieser nicht darum, möglichst viele Delikte aufzudecken. Vielmehr will die Polizei Präsenz zeigen – und so auch den Schwandorfer Bahnhof wieder zu einem Ort machen, an dem Fahrgäste mit einem guten Gefühl aus- und einsteigen können.

Entwicklung der Straftaten am Bahnhof

Körperverletzung: 10 (2022), 14 (2023), 12 (2024)

Gefährliche Körperverletzung: 1 (2022), 3 (2023), 2 (2024)‚

Sexuelle Belästigung: 1 (2022), 0 (2023), 0 (2024)

Sexueller Übergriff: 1 (2022), 0 (2023), 0 (2024)

Delikte bezüglich Betäubungsmittel: 14 (2022), 27 (2023), 9 (2024)

Raub: 1 (2022), 0 (2023), 1 (2024)

Diebstahl: 5 (2022), 15 (2023), 14 (2024)

Taschenkontrolle am Bahnsteig Foto: Philipp Breu
Dieser Mann hatte fünf Joints dabei. Foto: Philipp Breu
Bei der Durchsuchung trugen die Polizisten Handschuhe. Foto: Philipp Breu
Viel Gepäck – aber nichts Verbotenes findet sich hier. Foto: Philipp Breu
Energydrinks sind erlaubt. Foto: Philipp Breu
Der silber-grüne Streifenwagen zog die Blicke auf sich. Foto: Philipp Breu