2026 kommt das Recht auf Ganztagesbetreuung – Das planen die Neumarkter Grundschulen

Von Peter Romir · 23. November 2024 um 05:00

Im September 2026 geht es los: Kinder, die in die erste Klasse eingeschult werden, haben dann ein Recht auf Ganztagesbetreuung von acht Stunden pro Tag – inklusive pädagogischer Angebote und der Möglichkeit für ein warmes Mittagessen. Schaffen die Schulen das? So ist die Lage in Stadt und Landkreis Neumarkt.

„Die Gemeinden ächzen schon, weil sie dann für 80 Prozent der Schüler Plätze bereitstellen sollen – und das ist oft mit Neubauten verbunden“, sagt Claudia Bauer. Als Leiterin des Staatlichen Schulamts ist sie für 30 Grundschulen in Stadt und Landkreis Neumarkt zuständig.

„Dabei merkt man aber schon, dass unsere Gegend ländlich geprägt ist“, sagt sie. Gerade in den kleineren Gemeinden sei die Nachfrage nach Ganztagsangeboten bisher recht überschaubar gewesen: „Da gibt es viele Familien, bei denen ab Mittag noch Mutter, Oma oder Nachbarn für die Kinder da sind.“ Nur in der Stadt Neumarkt selbst sei der Bedarf schon jetzt groß.

Ganztag als Pflicht

Doch auch die Schulen auf dem Land kommen um das Ganztagsangebot nicht herum. 2021 trat das Gesetz zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter (kurz: GaFöG) in Kraft. Damit haben Eltern einen Anspruch auf täglich acht Stunden Betreuung pro Werktag für Kinder der Klassen eins bis vier. Eingeführt wird das Gesetz schrittweise: 2026 für die erste, 2027 für die zweite Klasse, bis schließlich 2029 alle Grundschulklassen erfasst sind.

Das Gesetz soll berufstätige Eltern entlasten und für gleiche Bildungschancen sorgen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartet durch das Angebot auch höhere Steuereinnahmen, da Mütter dann verstärkt Erwerbsarbeit nachgehen können. Damit es gerecht zugeht, soll das Ganztagsangebot für die Eltern kostenlos sein (abgesehen von nötigen Materialien und den Kosten für das warme Mittagessen).

Milliarden vom Bund für Ganztagsschule

Der Bund hat dafür laut Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Gelder in Höhe von 3,5 Milliarden bereitgestellt und will sich auch an den laufenden Kosten beteiligen.Wichtig sei laut Schulamt, dass die Kinder auch am Nachmittag sinnvoll beschäftigt werden: „Wir arbeiten mit diversen Kooperationspartnern, wie etwa Sportvereinen, die ein pädagogisch wertvolles Angebot machen“, sagt Bauer.

Offene und Gebundene Ganztagsschule

Grundsätzlich können die Schulen bei der Ganztagsbetreuung zwischen zwei Modellen wählen: Der gebundenen Ganztagsschule, bei der jeden Nachmittag Fachunterricht stattfindet oder der offenen, bei der an unterschiedlichen Tagen Stunden gebucht werden können. Dabei sei laut Bauer im Landkreis vor allem das offene Modell gefragt. „Die Eltern scheinen mehr Wert auf Flexibilität zu legen“, sagt sie. Das offene Modell hat den Vorteil, dass es in vielen Gemeinden schon erprobt ist. So wechselte man in Berg 2022 von der gebundenen auf die offene Ganztagsschule.

Landkreis Neumarkt: Hausaufgaben gemacht

„Wir haben hier schon lange unsere Hausaufgaben gemacht und können eine umfassende Betreuung ab 2026 ohne Probleme umsetzen“, sagt Bergs Bürgermeister Peter Bergler. Auch in Berching gibt es seit vielen Jahren ein Betreuungsangebot, das aktuell von 73 Kindern genutzt wird, wie Veronika Platzek von der Stadt Berching erklärt. „Da wir 2026 aber über hundert Erstklässler erwarten, wird die Umsetzung dennoch eine Herausforderung – vor allem in Bezug auf das Personal.“

Markus Koller, der in Dietfurt für die Schulen zuständig ist, glaubt, dass sich nicht viel ändern wird: „Wir haben ein Ganztagesangebot, das aktuell von etwa 50 Kindern pro Tag genutzt wird.“ Mit einem starken Anstieg der Zahl rechnet er nicht: „Wir brauchen also keine zusätzlichen Räumlichkeiten und werden nur die Zeiten den neuen Regelungen anpassen.“

Auch Josef Haußner, Sachgebietsleiter für Schulen in Freystadt ist entspannt: Die Martini-Schule sei aufgrund der Baumaßnahmen der letzten Jahre bereits gut aufgestellt. Bei der zweiten Grundschule in Burggriesbach sei die Stadt dagegen noch auf der Suche nach Räumen, in denen die die Ganztagesbetreuung mit dem warmen Mittagessen angeboten werden könne.