Mittelschul-Neubau in Wenzenbach: Das finale Ja aus Bernhardswald ist da

Tagesordnungspunkt 15 der Bernhardswalder Gemeinderatssitzung klang im typischen Beamtensprech dröge, barg aber einiges an Spannung: „Beratung und Beschluss über den Schlichtungsvorschlag des Landratsamts für die Kostenaufteilung und Kostenobergrenze für den Neubau der Mittelschule Wenzenbach“ lautete die Überschrift.
Über die konkrete Kostenaufteilung des geplanten Neubaus streiten die beiden Gemeindespitzen seit Monaten, über die grundsätzliche Instandhaltung der Mittelschule seit vielen Jahren. Nun können – endlich – die finale Einigung und der Maßnahmenbeginn verkündet werden.
„Jetzt kommt der heiß ersehnte Tagesordnungspunkt, nicht nur von Herrn Koch, sondern auch von der Kommunalaufsicht“, leitete Bernhardswalds Bürgermeister Florian Obermeier mit Blick auf seinen Wenzenbacher Kollegen Sebastian Koch ein. Die aufgebaute Spannung konnte der Bernhardswalder Gemeinderat nicht ganz erfüllen. Ohne lange Diskussion wurde dem nachverhandelten Schlichtungsvorschlag einstimmig zugestimmt.
Ergebnis langer Debatten
Diskutiert worden sei in den zurückliegenden Monaten genug. Die fiktive Kostenschätzung der Wenzenbacher Verwaltung für den Mittelschul-Neubau als Teil des geplanten Schulzentrums war auf rund 28 Millionen Euro angewachsen. In dieser fiktiven Rechnung sind etwa Anteile des Verwaltungsgebäudes und der Turnhalle enthalten. Bei diesem Betrag rebellierte im Frühjahr der Bernhardswalder Gemeinderat und lehnte die Wenzenbacher Vorstellungen ab. In Bernhardswald orientierte man sich an der Größenordnung von acht Millionen Euro, die im Auflösungsvertrag des Schulverbands 2020 als Kostengrenze festgelegt worden war, bis zu der Wenzenbach ohne Zustimmung in die Mittelschul-Sanierung investieren kann.
Entgegenkommen von Wenzenbach
Da weiterhin Bernhardswalder Kinder die Mittelschule in der Nachbargemeinde besuchen, werden die Kosten anteilig der Schülerzahlen geteilt. Die Acht-Millionen-Marke wird klar überschritten, daher brauchte Wenzenbach das Bernhardswalder Ja für die Neubaupläne. Da die Schule auf Wenzenbacher Grund steht und als Teil des neuen Schulzentrums mit Grundschule, Dreifach-Turnhalle und Verwaltungstrakt gewollt ist, war Koch zu einigen Zugeständnissen bereit.
„Haben Zuckerl obendrauf bekommen“
So wurde die Kostenaufteilung zwischen den verschiedenen Bauabschnitten günstig für die Mittelschule und somit für Bernhardswald gerechnet. Auch das Risiko für weitere Kostensteigerungen im Planungs- und Bauprozess wird nur bis zu einer gewissen Grenze gemeinsam getragen. Ab 12,5 Prozent Kostenzuwachs über dem Baupreisindex muss Bernhardswald diesen nicht mehr mitbezahlen. Dies ist einer der drei Punkte, die in der letzten Verhandlungsrunde nachjustiert wurden. Auch die Kosten für Altlasten werden ab einem Betrag von 50 000 Euro von Wenzenbach alleine getragen. Und der Gemeinderat Bernhardswald darf bei jeder Schlussrechnung entscheiden, ob der Bauabschnitt auf 33 Jahre abgeschrieben oder die Summe als Einmalzahlung abgerechnet wird. „Und wir haben noch ein Zuckerl obendrauf bekommen“, freute sich Obermeier nach den Gesprächen mit der Kommunalaufsicht. Der Vorraum der Turnhalle sei aus der Mittelschul-Berechnung gestrichen worden. Bernhardswalds Anteil an den fiktiven Gesamtkosten wird in der Größenordnung um neun Millionen Euro angesiedelt. Den Kompromiss begrüßte das Bernhardswalder Gremium einstimmig.
Wenzenbach wird mit der geklärten Kostenaufteilung nun den Bauantrag stellen, die Werkplanung startet im Winter. Erste Ausschreibungen erfolgen voraussichtlich im Februar oder März und damit rund neun Monate später als angedacht. Abrissarbeiten starten im Idealfall um Pfingsten. Die Verzögerung werde sich aufgrund enger Taktung der Bauabschnitte auch auf den Turnhallen-, Grundschul- und Verwaltungsbau durchschlagen.
Viel Harmonie und eine Spitze
Das Ende der Verhandlungen kommentierten beide Rathauschefs zufrieden. Koch trat den Heimweg nach Wenzenbach glücklich darüber an, „dass es jetzt losgehen kann“. Überrascht habe ihn das Votum dank „sehr vertrauensvoller“ Verhandlungen aber nicht. „Wir hatten beide Verständnis für die jeweils andere Seite“, begründete Koch den positiven Ausgang. „Das ist ein ganz schönes Zeichen, wie Politik funktionieren kann.“
Obermeier sagte nach Zustimmung der Räte: „So haben wir, glaube ich, das Beste rausgeholt, ohne dass wir uns bis aufs Messer verfeindet haben.“ Eine kleine Spitze Richtung Koch konnte er sich dann trotz aller Harmonie nicht verkneifen. „Aber ich bin einstimmig.“ In Wenzenbach war die Zustimmung zum nachjustierten Kompromiss bereits vor einem Monat mit einer Gegenstimme beschlossen worden.
In der Turnhalle tropft’s
Noch im Oktober hatte Bürgermeister Sebastian Koch zur Eile gedrängt, endlich mit dem Mega-Projekt Schulzentrum zu beginnen. Der Sanierungsstau mache sich, etwa beim Turnhallendach, zunehmend bemerkbar. Für provisorische Lösungen viel Geld zu investieren, obwohl bereits konkrete Pläne für den Abbruch und Neubau vorliegen, sei den Steuerzahlern der beiden beteiligten Gemeinden nicht vermittelbar.
Doch genau so kommt es nun. Der Zustand des Schulturnhallendachs lässt keinen weiteren Betrieb zu, ohne tätig zu werden. Vor allem im Sanitär- und Umkleidebereich der Turnhalle trete massiv Wasser ein. Durch den beschädigten Boden sowie nasse stromführende Bauteile bestehe zunehmend Verletzungsgefahr. Nun sollen der Kies vom undichten Flachdach entfernt, die Folie und Isolierung entfernt und Lichtkuppeln zurückgebaut werden. Diese werden trittsicher verschlossen und das Dach mittels Schweißbahnen vollflächig abgedichtet. Die Gesamtkosten für die Maßnahme belaufen sich voraussichtlich auf 96 000 Euro und werden anteilig nach Schülerzahl zwischen Wenzenbach (58 Prozent) und Bernhardswald (42 Prozent) aufgeteilt. Der Bernhardswalder Gemeinderat stimmte der Wenzenbacher Maßnahmenplanung einstimmig zu.
