Schwäbischer Albtraum: Stuttgarter „Tatort“-Kommissare ermitteln in der Provinz

Auf die Schwaben ist in puncto Verbrechen Verlass. Die Zahl der schwachen Fälle der Stuttgarter „Tatort“-Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz, die inzwischen seit fast 17 Jahren gemeinsam die Bösen jagen, lässt sich an einer Hand abzählen.
Die Drehbücher gehören summa summarum zu den besten der Reihe. Auch die neue Folge „Lass sie gehen“ bietet gehobene Krimi-Unterhaltung. Nicht besonders spektakulär, aber sehr intensiv.
Die Ausgangslage haben wir so oder ähnlich schon mehrmals gesehen: Zwei Stadt-Kriminalisten müssen raus aus ihren gewohnten Gefilden und in der Provinz ermitteln. Anlass für die Dienstreise ist der gewaltsame Tod der jungen Hanna Riedle. Erst wenige Monate zuvor hatte sie ihr ödes, miefiges Heimatkaff in der Schwäbischen Alb verlassen, um in Stuttgart eine Ausbildung als Tischlerin zu beginnen. Und um sich ein bisschen ins Nachtleben der Neckar-Metropole (gibt’s dort sowas überhaupt?) zu stürzen.
Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller) überbringen den Eltern, die mit Hilfe ihrer zweiten Tochter das Dorfwirtshaus betreiben und auf die abtrünnige Hanna ziemlich sauer waren, die Todesnachricht. Lannert quartiert sich dort ein, um den Landeiern auf den Zahn zu fühlen. Bootz fährt zurück und lotet das Stuttgarter Umfeld des Mordopfers aus. Ein paar Verdächtige kristallisieren sich heraus, so etwa Hannas nicht nur im geografischen Sinn zurückgebliebener Ex-Verlobter sowie ein weiterer Verehrer, der linkisch um das Mädel gebuhlt hat. Doch richtig voran kommen die Ermittlungen nicht.
Geredet wird nicht mehr als nötig
Was einen wesentlichen, besonders dramatischen Handlungsstrang betrifft, wissen die TV-Zuschauer bis zum Ende des Films und sogar darüber hinaus mehr als die Kommissare. Überhaupt ist in diesem nur vermeintlich konventionellen Dorf- und Familiendrama einiges gegens Strichle gebürschtet. Geredet wird nicht mehr als nötig, und wenn man schwätzt, dann oft in starkem Dialekt. Regisseur Andreas Kleinert vermittelt tiefe Emotionen, Wut, Schmerz, Trauer, Angst, lieber durch düstere, bedeutungsschwere Bilder sowie Großaufnahmen der vom Schicksal zerfurchten Gesichter. Schauspielerische Verdienste erwerben vor allem Julika Jenkins als strenge, religiös-bigotte Mutter der Ermordeten und Moritz Führmann als Hannas verzweifelter Vater.
Zwischen all der Finsternis blinzelt ab und zu schalkhafter Humor hervor, zum Beispiel, wenn Fitness und Reaktionsvermögen der Kumpels Lannert und Bootz bei zwei sehr unterschiedlichen Verfolgungsjagden auf die Probe gestellt werden. Schwäbischer Albtraum, garniert mit einer Portion Späßle – das ergibt ein durchaus gehaltvolles Sonntagskrimi-Dinner.
Sonntag, 17. November, ARD, 20.15 Uhr