Sorgt die neue Busspur in Regensburg-Kumpfmühl für Chaos?

Die neue Verkehrsführung in Regensburg-Kumpfmühl ärgert und irritiert Autofahrer. Sie haben weniger Platz. Radfahrer dagegen hoffen auf mehr Sicherheit.
Die neue Verkehrsführung in Kumpfmühl bringt recht viele Markierungen auf eher wenig Platz mit sich. Eine Busspur in der Augsburger Straße wird gefolgt von einer Rechtsabbiegespur, die Radler geradeaus nutzen dürfen, darauf folgen in der Kumpfmühler Straße eine Busspur rechts, die für Radfahrer freigegeben ist, und eine Autospur links. Auf Höhe des Kumpfmühler Markts müssen sich dann alle Verkehrsteilnehmer die hier einspurige Straße teilen. Bei den Betroffenen sorgt die neue Regelung für Ärger, Fragen – und Hoffnungen auf mehr Sicherheit für Radler.
Die Markierungsarbeiten waren am Dienstag auf der Zielgeraden. Die Stadt teilte dazu mit, die Busspuren in der Augsburger Straße – ab der Kreuzung mit der Nibelungenstraße – und der Kumpfmühler Straße sollten „mehr Sicherheit für Rad und Bus“ bringen. Die Autos sollen auf der linken Spur bleiben – oder das Viertel auf der Autobahn umfahren.
Was bedeuten die durchgezogenen Linien?
Einige fürchten allerdings, dass die neue Regelung den Verkehr in Kumpfmühl ins Stocken bringt. Maria Wittmann (49), Verkäuferin im Gemüseladen gegenüber des Markts, bestätigt: „Die Leute schimpfen gescheit. Und ich glaube auch, dass das ein rechtes Chaos wird.“ Thomas Hahn (66) sagt: „Ich bin recht skeptisch, weil der Autoverkehr doch eine Spur verliert.“ Der Kumpfmühler glaubt, dass er dadurch schlechter fließe. Muharrem Demirci-Schnell (51), der ebenfalls im Viertel wohnt, ist sich sicher: „Der Verkehr sammelt sich noch mehr.“ Seine Frau habe beinahe einen Unfall gehabt, als sie abgebogen sei und ein Taxifahrer geradeaus auf der Busspur gefahren sei. „Was soll das – ein Streifen nur für Busse?“, fragt er. Manche Markierungen verstehe er gar nicht, so etwa die durchgezogenen Linien vor den Parkplätzen. In der Augsburger Straße sorgt eine durchgezogene Linie in der Mitte der Straße für Verunsicherung. Autofahrer fragen auch hier, ob sie die Markierung auf dem Weg zu den Stellplätzen überfahren dürfen. Diese Frage beantwortet die Polizei für beide Fälle mit einem klaren Ja: „Das ist ja zwangsläufig notwendig“, sagt Verkehrssicherheitsbeauftragter Wolfgang Schuhmann.
Positiver nehmen Regensburger, die viel mit dem Rad unterwegs sind, die Neuerung auf. So sagt Heike Manssen (62), man müsse abwarten, wie sich die Verkehrslage entwickle. Sie finde aber gut, „dass überhaupt etwas gemacht wird“. „Vielleicht gewinnt man dadurch ein bisschen mehr Sicherheit. Wenn die Autos zweispurig fahren, lassen sie einem manchmal als Fahrradfahrer wenig Platz.“ Bernhard Beck (66) hatte am Dienstag auf seinem Fahrrad die Tücken der neu aufgeteilten Kumpfmühler Straße bereits kennengelernt. „Da hätte mich heute fast ein Autofahrer zusammengefahren“, erzählt er, ergänzt aber: „Ich finde schon, dass es mehr Sicherheit bringen kann.“ Nur müssten die Autofahrer mehr aufpassen, weil sie zum Einparken Bus- und Radspur überbrücken müssen.
Radfahrerin Evelyn Spektor (24) sagt dagegen, einen großen Unterschied mache die neue Markierung bisher für sie nicht. Wohl fühle sie sich als Radlerin ohnehin nicht in einer gemeinsamen Spur mit den Bussen. „Das macht nicht so viel Sinn“, findet sie. Bisher fand sie es „super gefährlich“, in einer Spur mit Autos und vor allem Bussen bergab zu radeln.
Polizei: Bus- und Radspur ist bewährte Lösung
Die Polizei sieht das anders. Verkehrsexperte Schuhmann sagt, problematische Stellen gebe es im gesamten Abschnitt, auf dem die neuen Regeln gelten, bisher „eigentlich keine“. Auch künftig rechnet er mit wenig Konflikten. „Die Lösung hat sich bewährt, dass man Bus- und Radspur zusammenlegt.“ Das gelte vor allem bei Tempo 30 wie in Kumpfmühl. Die neue Verkehrsführung sei „wirklich die beste Lösung im Moment“, um den Busverkehr zu beschleunigen und Radler auf diesem Abschnitt des Hauptradroutennetzes, auf dem sie bergab oft selbst 30 fahren, zu bevorzugen. Die Kumpfmühler Straße habe eine höhere Verkehrsbelastung als viele andere Straßen, zähle aber nicht zu den wichtigsten Hauptverkehrsadern.
