Redner bei Jubiläumsfeier einig: Sozialverband VdK ist im Kreis Kelheim eine Institution

Von Lorenz Erl · 10. November 2024 um 15:00

Die Abkürzung VdK stand einst für den „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“. Die Ursachen für soziale Notlagen haben sich zwar seit den Nachkriegsjahren verändert, Aufgaben und Bedeutung sind aber gleich groß geblieben, wie sich bei der Jubiläumsfeier des Kreisverbands Kelheim zeigte.

Bereits 1947 gründete sich der der VdK-Kreisverband Kelheim als Selbsthilfegruppe, um deren Interessen gegenüber der Verwaltung zu vertreten. Am Samstag feierten seine Mitglieder in Saal ihr 77-jähriges Jubiläum – mitgliederstark wie noch nie in seiner Geschichte.

Welch geachtete Stellung die Organisation seither hat, die sich 1990 bundesweit in Sozialverband VdK umbenannte, zeigte schon die Liste der Ehrengäste, zuoberst mit der Bundesvorsitzenden des VdK, Verena Bentele. Neben Landrat Martin Neumeyer und Bürgermeistern aus dem Landkreis waren Bundestagsabgeordneter Florian Oßner, Landtagsabgeordnete Petra Högl und Kreisrätin Hannelore Langwieser (alle CSU) gekommen.

„Ich freue mich sehr, mit ihnen dieses tolle Fest heute feiern zu können“, sagte Kreisvorsitzender Andreas Tremmel in seiner Begrüßung. Für die musikalische Begleitung sorgte der Cabrinichor aus Offenstetten unter Leitung von Doris Gamurar. „I bin da und du bist da“, sangen sie in einem ihrer dynamischen Mitmach-Lieder. Die Chorleiterin hatte sogar ein Lied auf dieses Jubiläum gereimt. „Niemals bist du mehr allein, dafür sorgt schon der Verein“, lautete eine der Zeilen.

„Eine tragende Säule“

Die Zwillinge Janina und Kristina Weisser gaben ebenfalls Unterhaltungseinlagen. Der Teamgeist des VdK zog sich auch durch die Grußworte der Ehrengäste. „Der VdK ist eine der tragenden Säulen des sozialen Miteinanders in unserem Land, mit einer großen Vorbildfunktion“, sagte Florian Oßner und dankte für die viele ehrenamtliche Arbeit.

Auch Petra Högl dankte diesen engagierten Menschen für „die großartige Arbeit in all den Jahren“. „Als politisch Verantwortliche sind wir gefordert, mehr Wertschätzung und Honorierung für ihre Arbeit auf den Weg zu bringen. Wir brauchen diese Menschlichkeit und Vertrautheit“, schloss sie.

Hannelore Langwieser bezeichnete die VdK-Aktiven als Kümmerer vor Ort, die Menschen helfen, die wirklich in Not sind und das lösen, was den Alltag so schwierig macht. Landrat Martin Neumeyer bekundete Hochachtung für alle, die ein Ehrenamt ausüben. Er überreichte dem Vorsitzenden eine Gratulationsurkunde zum Schnapszahl-Jubiläum.

Marion Huber-Schallner, 3. Bürgermeisterin von Abensberg, beglückwünschte alle, die sich für Herzlichkeit, menschliches Miteinander und Barrierefreiheit einsetzen. In gleicher Funktion für die Stadt Kelheim dankte Johanna Frischeisen allen, die den VdK-Kreisverband zu dem gemacht haben, was er heute ist. „Zukunft braucht Menschlichkeit“, unterstrich sie. Als Bürgermeister von Saal, Hausherr und Ortsvorsitzender im VdK mahnte Christian Nerb die Bürgermeisterkollegen, sich auch in ihren Gemeinden um die Menschen mit Handicap zu kümmern.

Die 14 Ortsverbände im Kreisverband Kelheim haben aktuell 9230 Mitglieder, für die im laufenden Jahr 1416 Anträge gestellt, 353 Widersprüche erhoben und 970.000 Euro Nachzahlungen erreicht wurden. Dies teilte Geschäftsführerin Martina Mayer in ihrem Überblick mit.

Bundesvorsitzende Verena Bentele ging in ihrer Festansprache auf das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder ein. „Da kann das Land den großen Städten noch was vormachen, wie engagiert hier auch im VdK die Menschen sind“, freute sich die blinde Ex-Spitzensportlerin. Sie ging schonungslos auf die aktuellen sozialen Herausforderungen in der aktuellen Umbruchzeit ein – und bat dafür um Verständnis. „Ich bin vielleicht jetzt der Partykiller, weil ich so schwierige Themen anspreche. Aber nach mir kommt das Schnitzel“, gab sie sich humorvoll.

Brennende Themen

Das Treffen in Saal sah sie im Beisein von Bundes- und Landespolitiker als gute Gelegenheit, die brennenden Themen wie soziale Teilhabe für Behinderte, Altersarmut, Lohngerechtigkeit, Pflege und vieles mehr anzusprechen – „damit die Welt ein bisschen heller und gerechter wird“.

Wie gut sie damit den Nerv der Zuhörer traf, belegten die stehenden Ovationen und der lange Applaus am Ende ihrer Rede. Mit einem anschließenden historischen Rückblick auf die Entwicklung des Kreisverbandes durch Andreas Tremmel ging das Treffen in den geselligen Teil über.

„Für Bildung und gegen Armut kämpfen“

Am Rand der Feier blieb Zeit für ein Interview mit der VdK- Bundesvorsitzenden. Verena Bentele war als von Geburt an blinde deutsche Biathletin und Skilangläuferin viermal Weltmeisterin und zwölfmal Paralympics-Siegerin. Biathlon verbindet sie auch mit Kelheim.

Frau Bentele, kennen Sie die Region Kelheim?

Verena Bentele: Richtig gut tatsächlich nicht. Früher habe ich mal mit den Judosportlern in Abensberg trainiert – und ich weiß, dass Biathlet Fritz Fischer aus Kelheim stammt.

Was hält einen Sozialverband wie den VdK mehr als 70 Jahre lang zusammen?

Bentele: Die Ehrenamtlichen, die sich seither engagiert einsetzen! Ein ganz wichtiger Pfeiler ist auch die Rechtsberatung: Wir helfen, eine Erwerbsminderung oder einen Pflegegrad zu beantragen. Unsere politische Arbeit ist der dritte Pfeiler. Wir überzeugen partei-unabhängig die Politiker von den Interessen unserer Mitglieder.

Wir erleben Ereignisse, die das Land und die Welt verändern. Was sehen Sie auf Menschen zukommen, die nicht die stärksten in unserer Gesellschaft sind?

Bentele: Wichtig ist, dass unser Staat ein starker Sozialstaat bleibt und dass man nicht versucht, durch Kürzungen Stimmen zu fangen. Wir werden uns wehren, sollte die Rente nicht weiter stabilisiert, die Strukturen in der Pflege nicht verbessert werden.

Die Ursachen für soziale Probleme haben sich seit VdK-Gründung stark verändert. Wofür stehen Sie ganz persönlich?

Bentele: Ich stehe dafür, dass jeder Mensch in Deutschland gute Möglichkeiten haben soll, sich zu entwickeln, würdig zu leben und auch mit Behinderung am sozialen Leben teilhaben zu können. Das heißt auch, dass Armut politisch bekämpft werden muss und die Leute gute Bildungschancen haben. Dass sich auch die heute jungen Menschen auf das Rentensystem verlassen können und bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist – in einem doch eigentlich recht reichen Land.

Sie waren als Spitzensportlerin mit Handicap erfolgreich. Was raten Sie Menschen, die plötzlich ein Handicap erleiden?

Bentele: Wichtig ist Unterstützung bei Fragen, worauf man Anspruch hat. Und, sich Rat von anderen Menschen mit Behinderung zu holen. Eine so schwierige Situation muss man nicht alleine bewältigen – beispielsweise findet man im VdK Partner.

VdK-Bundesvorsitzende Verena Bentele mit dem Kelheimer Kreisvorsitzenden Andreas Tremmel. Foto: Erl