Landgericht Nürnberg-Fürth: Dealerin aus Neumarkt nutzte Wohnwagen als Drogenbunker

Sie hatte im großen Stil mit Drogen gehandelt und war schließlich zusammen mit einigen Kunden aufgeflogen. Jetzt musste sich eine Vermögensberaterin aus Neumarkter wegen ihrer illegalen Geschäfte vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Am Ende stand eine lange Haftstrafe, aber auch Hilfe für die suchtkranke Frau.
Im Strickmantel und mit Fußfesseln erschien eine 42-jährige Neumarkterin zum Prozessauftakt am Freitag vor dem Landgericht in Nürnberg. Die Staatsanwaltschaft warf der Vermögensberaterin vor, Drogen im großen Stil verkauft zu haben.
Nicht nur daheim in der Oberpfalz soll sie mit dem Rauschgift gehandelt haben, sondern auch in Erlangen. Die Anklage geht davon aus, dass sie spätestens im April vergangenen Jahres mit den illegalen Geschäften begonnen hat. Neben Amphetamin und Cannabis soll die Dealerin auch starke Medikamente mit hohem Suchtpotenzial wie Oxycodon im Angebot gehabt haben. Fast 200 Pillen des semisynthetischen Opioids soll die Frau im Küchenschrank eines Wohnwagens gelagert haben.
400 Gramm Metamphetamin bei einem einzigen Geschäft
Gleich daneben in einem weiteren Hängeschrank neben der Campingküche war ein Elektroschocker deponiert, um die begehrte Ware offensichtlich bei Bedarf vor aufdringlichen Kunden zu schützen.
Das Geschäft lief offenbar gut: Mal verkaufte sie in dem Wohnanhänger knapp 15 Gramm Metamphetamin an einen Kunden, ein anderes Mal gleich 400 Gramm Metamphetamin für mindestens 4000 Euro an eine Frau.
Als im Mai plötzlich die Polizei vorfuhr, fanden die Beamten auch bei den Eltern im benachbarten Wohnhaus knapp 500 Gramm Marihuana. Im Wohnwagen haben die Beamten neben 35 Gramm Metamphetamin 775 Gramm Haschisch entdeckt. Neben dem Elektroschocker stellten die Drogenfahnder auch die starken Schmerzmittel sicher.
Elektroschocker verschärft Strafe
Abzüglich eines Eigenkonsumanteils in Höhe von maximal zehn Prozent seien die Drogen laut Staatsanwaltschaft für den gewinnbringenden Weiterverkauf bestimmt gewesen. Die Anklage lautet daher auf bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.
Zu den Vorwürfen hat sich die Vermögensberaterin zunächst nicht persönlich äußern wollen. Stattdessen hat Verteidigerin Nicole Obert ein Verständigungsgespräch vorgeschlagen. Weil die Angeklagte über ihre Anwältin den Drogenhandel eingeräumt hat, sollte der Strafrahmen „nur“ zwischen fünfeinhalb und sechseinhalb Jahren liegen. Der Anklage war zuvor eine Strafe nicht unter acht Jahren vorgeschwebt.
Anderer Dealer führte auf die Spur der Frau
Nach der grundsätzlichen Einigung zwischen Anklage, Gericht und Verteidigung bestätigten Polizisten im Zeugenstand lediglich den Sachverhalt. Ein Kripobeamter aus Erlangen erklärte, dass die Angeklagte über einen anderen Drogendealer ins Visier der Behörden geraten sei. Auf einem sichergestellten Mobiltelefon seien Textnachrichten der Neumarkterin aufgetaucht. Auf den Drogentüten fanden sich zusätzlich DNA-Spuren der 42-Jährigen.
Tatsächlich sei ihre Mandantin sehr stark drogenabhängig, erklärte ihre Verteidigerin am Rande des Prozesses. Wie die zahlreichen auf den Zuschauerbänken versammelten Verwandten und Bekannten hofft die Anwältin nun, möglichst schnell einen Therapieplatz zur Drogenentziehung für die Frau zu finden.
Am Ende ist die Neumarkterin am Freitagnachmittag zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von sechs Jahren verurteilt worden. Zudem wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt und ein Vorwegvollzug in Höhe von zweieinhalb Jahren vom Landgericht angeordnet. Das heißt, dass sie zuerst die Drogentherapie antreten kann, ehe die Strafe vollzogen wird.