Amerika wählt und Regensburg schaut zu: Eine Nacht zwischen Angst und Hoffnung

Nervenkitzel an der Universität Regensburg: Etwa 1500 Studenten und Interessierte aus Regensburg sind gekommen, um gemeinsam das Duell zwischen Kamala Harris und Donald Trump zu verfolgen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das die Nerven im Saal zum Zerreißen spannt.
Spannung liegt in der Luft, als sich am Abend der Wahlparty das Audimax der Universität Regensburg füllt. Es ist ein beeindruckendes Bild: Scheinwerfer strahlen die Wände in rot und blau an – die Farben der beiden großen amerikanischen Parteien. Von den Rängen hängt eine große Flagge der Vereinigten Staaten. Während die letzten Bürger ihre Stimme in den USA abgeben, ist die Atmosphäre in Regensburg um 20 Uhr aufgeladen.
Trump gegen Harris: Lesen Sie den ganzen Wahlabend nochmal in unserem Liveticker nach
Grünen-Politiker Hofreiter meldet sich live
Etwa zur gleichen Zeit, nur einige Kilometer entfernt, sitzt Frank Mosher mit Freunden vor einem Großbildschirm. Der „Burgermeister“ von Regensburg, dem einige McDonalds-Restaurants gehören, ist gebürtiger Amerikaner – und verfolgt die Wahl gespannt.
Die allermeisten im Audimax durften nicht wählen, dennoch verfolgen sie die Wahl gebannt, immerhin wirkt sie sich auch auf Deutschland aus. 20.15 Uhr. Primetime – zumindest im Audimax. Dramatische Musik erklingt, ein kurzer Film stimmt das Publikum auf das große Rennen zwischen Trump und Harris ein. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch völlig offen. Stephan Bierling betritt die Bühne. Er ist Professor für Internationale Politik und Moderator des Abends.
Bierling diskutiert mit seinem Podium über die Wahl und ihre Auswirkungen – als ein Überraschungsgast über die Leinwand flimmert: Grünen-Politiker Anton Hofreiter schaltet sich zu. Tuscheln im Saal, einige lachen. Hofreiter spricht über die weitreichenden Konsequenzen, die ein Sieg Trumps für Europa und die Welt haben könnte. Hofreiter appelliert an Deutschland und Europa. Man solle sicherheitspolitisch „endlich erwachsen werden“. Dafür erntet Hofreiter Applaus. Beverly Harris-Schenz wird zugeschaltet. Die amerikanische Professorin lebt in Pennsylvania, einem der viel zitierten Swingstates, in denen sich die Wahl entscheiden wird. Sie schildert eine Mischung aus Hoffnung und Angst, die sie in ihrem Umfeld wahrnimmt. „Hier herrschen gegensätzliche Wahrheiten“, sagt sie. Die Gesellschaft sei gespalten.
Es ist 1 Uhr, als die ersten Prognosen kommen. Mit Spannung verfolgen die Gäste, wer im Rennen vorne liegt. Sie essen Hotdogs und Sandwiches, während sie über amerikanische Politik diskutieren. Die Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten tröpfeln ein, bei jeder neuen Zahl geht ein Raunen durch den Raum. Auch Trump-Fans sitzen im Audimax. Nach jedem Sieg für Trump gibt es vereinzelte Jubelrufe. Zwar leise, aber dennoch hörbar. Die Harris-Fans wiederum zeigen verhaltenen Optimismus, wenn die Demokraten in einem Staat die Nase vorne haben. Als trauten sie sich nicht, zu früh zu jubeln. Zurecht, wie sich am Morgen herausstellte.
Es ist spät geworden im Audimax. Stephan Bierling steht um halb drei an einem der Stände und beißt in ein Sandwich. Sichtlich müde zieht der Professor ein erstes Fazit und lobt erst mal sein Team für die „fantastische“ Organisation. „Heute Abend wurde eine neue Qualität der akademischen Wahlparty erreicht – nicht nur hier in Regensburg, sondern bestimmt in ganz Europa“, sagt Bierling. Die derzeitigen Wahlergebnissen seien genau wie erwartet, sagt er in der Nacht. Trotzdem sei es sehr spannend. „Die endgültigen Ergebnisse werden wir allerdings erst morgen erfahren.“
Unsicher in die Nacht
Gegen 3 Uhr leert sich der Saal allmählich. Es ist schließlich immer noch ein normaler Wochentag. Den Übriggebliebenen steht die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben – da hilft kein Kaffee der Welt mehr.
Unipräsident und Amerikanist Udo Hebel ließ es sich nicht nehmen, bei der Wahlparty vorbeizuschauen. Im Uni-Pullover steht er auf der Bühne – und probiert es mit Poesie. „Wenn morgen der Himmel blau scheint, dann denke ich, das ist im Sinne aller.“ Blau steht für die Demokraten und damit für Harris. Der Morgen bringt allerdings nur Nebel und die mit jeder Stunde fortschreitende Erkenntnis: Trump wird diese Wahl gewinnen.
„Burgermeister“ Frank Mosher wirkt ausgeschlafen, als ihn die MZ am späten Nachmittag anruft. Bei der ersten Wahl von Trump habe er sich gefreut. Über die Jahre hat er das Vertrauen allerdings verloren. „Er ist nicht Europa, das sind wir“, sagt Mosher. Man dürfe nichts dem Zufall überlassen und alle müssten an einem Strang ziehen. „Es wird alles gut.“
