Vorsicht: Der Sensenmann aus Cham kann jetzt auch dengeln und wetzen

Von Johannes Schiedermeier · 31. Oktober 2024 um 11:00

Hier kriegt auch der Sensenmann was aufs Ohr: Gemeinsames Dengeln ist angesagt in der Scheune des Landesbundes für Vogelschutz in Nößwartling. Nachdem in einem ersten Kurs eine Wiese neben dem Zentrum als Übungsfläche herhalten musste, sind nun alle scharf auf den neuen Kurs: Dengeln und Wetzen.

Klangklangklang, bangbang, dengdengdeng… Da muss sogar Sensenlehrer Volker Seebauer kurz einmal eine Auszeit nehmen, nachdem er geduldig eine Stunde lang den acht Kursteilnehmern in der Scheune Tipps gegeben und Tricks gezeigt hatte, wie man seine Sense richtig scharf bekommt. Der Eifer der Dengler während des folgenden Praxisteils war ohrenbetäubend. Mittendrin: der Sensenmann vom Bayerwald-Echo, der diesen Beinamen nach dem ersten Kurs von seinen Kollegen verpasst bekommen hatte.

Warum Dengeln sein muss

Schnell stellte sich heraus, dass fast alle die Frequenz des Themas unterschätzt hatten: „Das Dengeln gehört dazu wie das Wetzen. Nach dem Sensen ist vor dem Dengeln“, schärft Seebauer seinen Kursteilnehmern ein. Denn irgendwann, so die Argumentation, ist es mit dem Wetzen allein nicht mehr hinzukriegen. Dann wird das Mähen zu einer stumpfen Beschäftigung.

Die Teilnehmer waren bis aus Thüringen gekommen. Mancher hat Pferde zuhause, oder anderes Getier, das gerne mit gesenster Vegetation versorgt wird. Auch der Besitzer einer Streuobstwiese ist gekommen. Er hat es sich bisher leicht gemacht und seine Sense immer für fünf Euro dengeln lassen. Andere waren aus reiner Nostalgie da. Sie hatten die Sense vom Opa geerbt, mit dem sie noch das Gras im Leiterwagerl nach Hause gezogen hatten.

Eine Sense, die nicht gleitet...

Da hat Seebauer sofort ein Thema: Pflege und Inschusshalten der alten (und der neuen) Sense. Was auf dem Gras gleiten soll, darf keinen Rost haben. Also erst einmal mit einem Schleifschwamm gründlich säubern und dann mit Ballistol leicht einölen. So eine scharfe Sense ist schließlich auch eine Waffe. Und so bringt man sie dann rostfrei über die Winterpause.

Seebauer bedauert, dass das Können der Alten oft mit ihnen ausgestorben ist. Der kleine Schlagamboss scheidet für die meisten von vorneherein aus. Selbst wenn man Seebauers Trick beherzigt und links und rechts eine Schraube als Anhalt in den Hackstock dreht: Es bleibt eine komplizierte Sache, das Sensenblatt immer genau im Winkel zu halten, so dass sie plan aufliegt.

Und das ist nur die halbe Miete. Denn hier muss man mit dem Dengelhammer ran, und der hat nur eine dünne Finne. Mit der muss man nicht nur treffen, sondern auch extrem gleichmäßig schlagen, damit sich eine Schneide bildet, keine Wellen entstehen und keine Ausbuchtungen, wenn man zu oft oder zu hart an einer Stelle zugeschlagen hat. Dafür eignet sich der flache Amboss recht gut zum Ausbessern.

Trotzdem nicht für Doofe

Für die meisten Kursteilnehmer praktikabler: der Schlagdengel-Apparat. „Damit kann es jeder“, sagt der Sensenlehrer. Damit meint er aber nicht, dass das was für Doofe ist. Denn auch hier muss man wissen, wie man anhalten muss. „Rund auf Rund“ hatte Seebauer den Teilnehmern des ersten Sensenkurses mit auf den Heimweg gegeben. Beim ersten Alleinversuch konnte man dann zu Hause feststellen, wo so eine Sense überall rund ist, und war sich wieder nicht sicher.

Diesmal haben alle besser aufgepasst. Jeder durfte sich aussuchen, welchen Apparat er benutzen wollte. Ich habe den genommen mit den beiden Schlaghülsen in Silber und Messing. Erst kommt die silberne Hülse auf den Amboss, das Sensenblatt wird plan aufgelegt, und die Schneide dengelt sich dann wie von selbst – wenn man sie richtig rum auflegt und genau darauf achtet, dass man gleichmäßig das Blatt weiterschiebt und nicht zu oft auf eine Stelle dengelt. Sonst ist es eben nichts für Doofe…

Wann ist Dengeln fertig?

Das konnte man bei den ersten Tests auf Aluminium schnell erkennen. Das ist weich und verzeiht nichts. Vor allem keine zwei Schläge auf dieselbe Stelle. Zack! Ausgefranst. Da wage ich mich lieber an mein altes Sensenblatt. Damit ich weiß, wo ich schon hingehauen habe, beherzige ich den Tipp des Sensenlehrers und markiere die Schneide mit dem schwarzen Permanentmarker. Wo es hell glänzt, war ich schon. Zweimal mit silberner Hülse und dem 500-Gramm-Hammer, dann mit Messing und dem kleinen Hammer.

Seebauer lässt das Gedengel einstellen: „Wann weiß man, dass man fertig ist?“ – Schweigen – „Wenn es scharf ist?“, versucht es einer. Nicht ganz. Denn es ist ja noch nicht gewetzt. Seebauer nimmt den Daumennagel und drückt vorne flach gegen die Schneide: „Wenn es sich leicht eindrücken lässt und dann wieder rausgeht, ist es richtig. Wenn die Delle drinbleibt, war es zu viel!“

Der Hammerstiel-Test

Und was dann? „Das wetzt sich auf die Dauer raus“, sagt der Sensenlehrer. Das mit dem Daumennagel hinterlässt manche skeptisch, weil sich dahinter halt naturgemäß der Daumen befindet. Und wenn die Schneide richtig scharf ist, dann kann man das mit demselben Daumen im Ernstfall nur einmal feststellen. „Man kann das auch mit dem Hammerstiel machen“, sagt Seebauer. – Viel besser.

Der Hammerstiel-Test ergibt, dass mein Sensenblatt hinten genug hat und in der Mitte so lala ist. An der Spitze fehlt es weiter. Also nachdengeln. Irgendwann biegt es sich überall. Und die Delle geht wieder raus. Erleichterung.

Nach dem Dengeln ist vor dem Wetzen

„Nach dem Dengeln ist vor dem Wetzen“, sagt Seebauer. Er zeigt, wie man die Sense sicher hält. Auch hier gilt: Daumen schön hinter den Wetzstein. Grobe Richtung: Wo das Sensenblatt flach ist, flach anlegen, wo es rund ist, diese Neigung nachvollziehen. Erst mit dem groben Wetzstein einen etwaigen Dengelgrat entfernen. Dann unbedingt auf einen feinen Wetzstein wechseln, weil sonst der Dengel ganz schnell wieder weg ist.

Das Ergebnis wird im Gras vor der Scheune gleich ausprobiert. Das Ergebnis ist ein sauberer Scheitel. „Wenn das mal nach längerem Üben sitzt, dann fallen die Brennnesseln schon um, wenn man ausholt“, verspricht Seebauer. Meine Brennnesseln haben hartnäckig gewartet. Aber dann…

Scharte ausgewetzt

Jetzt gibt es nur noch ein Problem: Meine Sense ist zu kurz. Diese Scharte kann man nur durch den Kauf einer neuen auswetzen – der aufmerksame Leser bemerkt es: Der Sensenmann befleißigt sich inzwischen auch der bilderreichen Fachsprache. Die neue Sense ist laut Seebauer „mähfertig vorgedengelt“. Wer immer das gemacht hat, er hat es gekonnt. Die Brennnesseln daheim waren der Ohnmacht zumindest nahe.

Nun hat sich der Kursteilnehmer seinen Spitznamen endgültig verdient: Passende Sense, Schleifsteine rau und fein, ein Dengelbock mit einem Schlagdengelapparat, Hülsen und passenden Hämmern – alles daheim. Wenn ich das erste Mal aushole und die Wiese sich bei diesem Anblick komplett niederlegt, dann gebe ich Bescheid. Vorläufig bin ich damit zufrieden, dass die Maulwürfe die weiße Fahne nicht mehr aus den Löchern halten, wenn sie mich wetzen sehen. Deswegen habe ich die beiden Kurse beim Landesbund für Vogelschutz nämlich besucht.

Sensenlehrer Volker Seebauer zeigt das richtige Wetzen.
Der Sensenmann weiß jetzt: Sense am Rücken geht gar nicht – Sicherheitsbestimmung.
Die große Kunst: Amboss und Dengelhammer
Hammer mittig, Daumen drauf, und schön gleichmäßig...