Elektronische Patientenakte am Start – Ingolstädter Arzt findet ePA „an sich sehr gut“

In vielen Ingolstädter Briefkästen landet in diesen Tagen Post von der Audi-BKK. Oder von anderen Krankenkassen. In den Schreiben geht es um die neue elektronische Patientenakte (ePA), die Versicherte mit Ärzten, Apotheken und Krankenhäusern vernetzt.
Jeder gesetzlich Krankenversicherte soll sie ab 15. Januar 2025 erhalten, um ihm einen Überblick über Medikamente, Arztbefunde, Laborergebnisse oder auch Abrechnungen zu verschaffen. Es sei denn, er widerspricht der ePA innerhalb von sechs Wochen.
Mit dieser Regelung will der Gesetzgeber erreichen, dass die ePA künftig breit genutzt wird. Denn bislang haben nur etwa ein Prozent aller gesetzlich Krankenversicherten eine digitale Akte bei ihrer Krankenkasse beantragt. Künftig wird die ePA automatisch angelegt. Das Bundesministerium für Gesundheit will am 15. Februar 2025 den bundesweiten Rollout starten.
Die Akte lässt sich jederzeit löschen
Die Audi-BKK ist mit einem Anteil von rund 50 Prozent der Versicherten in Ingolstadt nach eigenen Angaben der Marktführer. „Wir sind mitten im Versendungsprozess. Den möchten wir bis Ende Oktober abgeschlossen haben“, erklärt Selina Förstl von der Leitung Telematik. Mit dem aktuellen Schreiben erhält der gesetzlich Versicherte einen QR-Code. Den kann er scannen oder den Onlineservice aufrufen: Dann kann man sich mit seinem Vorgangskennwort und seiner Versichertennummer anmelden. Die ePA ist freiwillig, man kann sie jederzeit löschen lassen.
In Ruhe daheim alles nachlesen
Mit der elektronischen Patientenakte erhalten Versicherte einen digitalen Ordner, in dem ihre Gesundheitsdaten abgelegt werden – ob Arztbriefe oder Befunde wie vom letzten Besuch beim Hausarzt oder Orthopäden, Entlassbriefe aus dem Krankenhaus oder eine Liste der verordneten Medikamente. Ein Vorteil: Daheim kann man sich alles in Ruhe anschauen. Die Versicherten können auch selbst Daten einstellen – etwa aus Fitness-Apps. Sie allein entscheiden, welche Daten in der ePA landen und wer Einsicht nehmen darf.
Ärzte und Praxen haben nur dann Zugriff auf die Informationen, falls der Versicherte dem nicht widersprochen oder bestimmte Dokumente verborgen hat. Patienten können einem Arzt auch jederzeit den Zugriff auf die ePA entziehen. Es lässt sich einstellen, wer welche Befunde sehen darf: Wenn jemand beispielsweise nicht will, dass der Orthopäde den Bericht über einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik sieht. Oder über einen Schwangerschaftsabbruch.
Der Arzt hatte auch alles auf dem Schirm
Ansonsten gilt künftig: Mit dem Stecken der Versichertenkarte erhält eine Praxis automatisch für 90 Tage Zugriff auf die ePA. Ärzte haben so alle Daten auf dem Schirm: Das soll beispielsweise helfen, Doppeluntersuchungen oder ungewollte Wechselwirkungen von Medikamenten zu verhindern.
Arzt: Sinnvoll für ältere, kranke oder gefährdete Menschen
Aber was sagt der Arzt zu den Risiken und Nebenwirkungen der ePA? Anton Böhm, der in Ingolstadt ein Hausarztzentrum mit mehreren Praxen betreibt, erklärt, an sich sei die ePA eine sehr gute Sache. Sein Rat: Ältere, kranke oder gefährdete Menschen sollten keinen Widerspruch einlegen, sondern sich die digitale Patientenakte anlegen lassen. „Dann habe ich als Arzt alles da − auch im Notfall, falls der Patient bewusstlos ist. Für mich als Arzt ist es aber ein Problem, dass ich nicht sicher weiß, ob wirklich alles drin ist, denn der Versicherte könnte ja etwas gelöscht haben. Und bei einem jungen, gesunden Menschen kann eh nicht viel in der ePA stehen.“
Trotz seiner „an sich“ positiven Haltung sieht Böhm erst einmal mehr Arbeit auf die Praxen zukommen: „Der Übergang, bevor es richtig läuft, bedeutet für uns absoluten Stress.“
Daten unterliegen strengen Sicherheitsstandards
Und wie sicher sind die gespeicherten Informationen? „Innerhalb der elektronischen Patientenakte unterliegen die Daten den höchstmöglichen Sicherheitsstandards“, betont Förstl von der Audi-BKK. „Jede Übertragung erfolgt verschlüsselt.“ Die Schlüssel werden nicht die Krankenkassen haben, sondern das liegt bei zwei verschiedenen Schlüsseldienstleistern in der Telematik-Infrastruktur. Die Server befinden sich laut Förstl in Deutschland und unterliegen europäischen und deutschen Datenschutzanforderungen. „Wir als Audi-BKK und unsere IT-Dienstleister, welche das ePA-Aktenkonto technisch betreiben, haben keine Möglichkeit, auf die Schlüssel zuzugreifen.“
Audi BKK: Wichtig, sich für Digitalisierung zu öffnen
Die Telematik-Expertin setzt auf Aufgeschlossenheit der Versicherten: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es wichtig ist, sich im Mindset der Digitalisierung zu öffnen“, so Förstl. „Digitalisierung wird dann erfolgreich sein, wenn alle es wollen und dazu beitragen. Dem Grunde nach führt kein Weg daran vorbei. Das Wichtigste ist die Art und Weise, wie wir damit umgehen.“