Umzingelt von Windrädern: Mantlacher fühlen sich von Politikern im Stich gelassen

Mantlach (Landkreis Neumarkt) ist umzingelt von Windrädern, 17 Stück an der Zahl. Und es könnten noch mehr werden. Und deshalb fühlen sich viele Dorfbewohner – denen das einfach zu weit geht – inzwischen wie der Romanheld Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft und am Ende seine Machtlosigkeit erkennen muss.
Hintergrund: Der Windpark Zieger, der sich unmittelbar westlich von Mantlach auf dem Gemeindegebiet von Velburg, Deining und Seubersdorf befindet, besteht aktuell aus 17 Windkraftanlagen. Jetzt hat Seubersdorf im Teilflächennutzungsplan direkt an der Gemeindegrenze ein weiteres Vorranggebiet ausgewiesen, dazu wurden im Velburger Bereich bereits Grundstückseigentümer wegen einer Verdichtung des bestehenden Windparks angesprochen.
Sorge vor weiterer Belastung
Und auch wenn Bürgermeister Christian Schmid und das Landratsamt aktuell keine entsprechenden Bauanträge vorliegen haben, rechnen Norbert Schön und Ortssprecherin Sabine Kastner damit, dass mindestens drei weitere Windkraftanlagen gebaut werden könnten. Und damit wird aus ihrer Sicht eine Grenze überschritten. Denn schon die 17 Windräder würden in Mantlach eine deutliche Lärmbelastung verursachen. Dies müsse bei weiteren Vorhaben berücksichtigt werden, sind sich die Bürger vor Ort beim Gespräch mit unserem Medienhaus einig.
„Wir haben jetzt eine Vorrangfläche, auf der schon 17 Windräder stehen, alle in unserer unmittelbaren Nähe. Damit haben wir unsere Schuldigkeit getan. Der Beitrag zur Energiewende seitens Mantlach ist mehr als erfüllt“, sagt Kastner. Jetzt sei es an der Zeit, dass auch andere Orte – zum Beispiel das schöne Niederbayern als Heimat des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger – ihren Teil dazu beitragen würden. Diese Einschätzungen haben die Mantlacher diesem, wie auch dem Landrat und anderen hochrangigen Politikern geschrieben oder mitgeteilt. Die Antworten darauf seien aber entweder nichtssagend gewesen oder wie bei Landrat Willibald Gailler komplett ausgeblieben.
„Irgendwann ist für einen Ort die Belastung doch zu viel“
Das Problem aus Sicht von Norbert Schön: „Eigentlich gibt uns jeder recht, aber es versteckt sich auch jeder hinter irgendeinem Gesetz und schimpft auf die Chaoten der Ampel in Berlin. Aber irgendwann ist für einen Ort die Belastung doch zu viel“, sagt er. Und deswegen fühle er sich wie die anderen Bürger des Dorfes von allen Verantwortlichen im Stich gelassen. Keiner aus der Politik sei bereit gewesen, sich einer Diskussion zu stellen, auch der Landrat oder örtliche Politiker seien nicht nach Mantlach gekommen, um mit den Bürgern zu sprechen.
Ein Vorwurf, den Velburgs Bürgermeister Christian Schmid nicht auf sich beziehen will und zurückweist. „Wir haben alles, was möglich war, für Mantlach getan, und eine mögliche Erweiterung des Vorranggebiets im Rahmen des Teilflächennutzungsplanverfahrens im Stadtrat nicht weiterverfolgt“, sagt er. Man habe sogar sehr viel Geld in die veränderte Planung investiert, um weitere Windräder im Raum Mantlach abzuwenden.
Denn auch er vertrete die Meinung, dass es mit der aktuellen Zahl genug sein sollte. Trotzdem könne er Vorhaben innerhalb der Vorrangzone nicht beeinflussen. Schmid stellt auch klar, dass er mehrfach in Mantlach vor Ort gewesen sei und zudem mit vielen Mantlachern stetig in Kontakt stehe. Nach Rücksprache mit diesen Personen und mit der Ortssprecherin war ein Termin vor Ort nicht notwendig.
Bisher keine Bauanträge
Er habe gegenüber Norbert Schön lediglich den Wunsch abgelehnt, das Antwortschreiben des Bayerischen Wirtschaftsministers vor Ort zu erklären. Schmid: „Ich bin der Meinung, das sollte der Autor selber machen.“
Außerdem gebe es Stand Mittwochabend weder Bauanträge für Windräder bei Mantlach noch sonstige Neuigkeiten. „Wenn es etwas Aktuelles zu besprechen gibt, werde ich selbstverständlich den Dialog mit den Bürgern vor Ort suchen“, verspricht er. Zudem wolle die Stadt versuchen – sollte tatsächlich ein Bauantrag für weitere Windräder im Gemeindegebiet kommen – hier eine Beteiligungsmöglichkeit für die betroffenen Anwohner zu schaffen, damit sie zumindest finanziell davon profitieren könnten.
Auch Landrat Willibald Gailler ließ über seinen Pressesprecher Michael Gottschalk mitteilen, dass der Landkreis beim Regionalen Planungsverband dafür eintritt, dass Neumarkt nicht über Gebühr Flächen einbringen muss. Trotzdem sei auch klar: Das Baurecht erlaube keine Ermessensentscheidung. Wenn eine Anlage genehmigungsfähig ist, dann müsse die Behörde diese auch erteilen.