Der Sparkassler aus der Grundschule in Cham wird am 30. Oktober 100 Jahre alt

Erinnern Sie sich noch an diesen Mann von der Sparkasse, der jedes Jahr im Anzug in die Grundschule kam und unsere Sparkassenschweinchen ausleerte? Ja, genau der. Der wird am 30. Oktober 100 Jahre alt.
Geboren wurde er 1924 auf dem Internationalen Sparkassenkongress in Mailand. Seitdem ist er alle Grundschulen abgelaufen. Er war total beliebt. Zum Einen, weil alles besser ist als Unterricht und zum anderen, weil er so spannend war. Irgendwie wusste man ja nie, wie viel man eingeworfen hatte. Sonst hätte man die Sau ja im Vorfeld schlachten müssen. Die hatte aber unten am Bauch ein total vertracktes Schloss, das niemand aufgebracht hätte, ohne der Sau richtig weh zu tun. Das fiel immer auf. Ich weiß das. Man konnte aber mit einem dünnen Messer oben durch den Schlitz... Wenn man Glück hatte erwischte man genau die Mark vom Opa.
Das Problem mit der Sparsau
Ein bisserl hatte der Mann Ähnlichkeit mit dem Nikolaus. Er hatte immer ganz viele wirklich begehrenswerte Sachen dabei: Farbige Lineale, die durchsichtig waren und aus einem Kunststoff, der den Radiergummi in erstaunlichen Geschwindigkeiten ziemlich treffsicher quer durch das Klassenzimmer katapultieren konnte. Oder Buntstifte in Übergangsfarben – total in! Oder echt große Sparschweine. Die waren zwar erstaunlich, aber die kriegte man nie voll. Bei der kleineren Version schaffte man das schon. Die Freude daran hat der Banknachbar allerdings durch eine einzigen Schein von seinem Opa vernichtet. Im Andenken an die spannenden Stunden in unserer Grundschulzeit feiern wir den Mann tatsächlich.
Das waren noch Zeiten, als die Sparkasse zu ihren Kunden kam. Heute kommt der Bankvorstand nicht einmal mehr, wenn man eine Million unter dem Bett liegen hat. Es gab sogar Zeiten, da wollte er die Million gar nicht, weil an den Zinsen nur der Bettbesitzer verdient hätte.
Ein bisserl dreht sich der Wind aber wieder, sagt Sparkassen-Vorstandsmitglied Theo Schneidhuber. Es kommen wieder mehr Menschen an den Schalter, besonders, wenn es um ausgefallenere Dinge geht wie eine Auslandsüberweisung oder viel Geld. Ansonsten bleiben die Kunden lieber digital Die meisten jedenfalls. Das ist der Sparkasse in einem gewissen Umfang auch nicht unrecht, weil man dann nicht so viel Personal braucht, das derzeit sowieso überall Mangelware ist.
Aber die kleinsten Kunden werden zum 100. Geburtstag besonders gelockt. Celina Vogl und Selina Völkel haben ein Winterwunderland in das Sparkassen-Foyer dekoriert und dahinter ist der Kinderschalter. Wenn die beiden die schönste Deko geschafft haben von allen 22 Filialen, dann muss Filialdirektor Richard Heigl alle Mitarbeiter zum Weihnachtsessen ausführen.
Unter den Geschenken befinden sich auch ein paar besondere Dinge. Ein weicher Halloween-Kopf zum Beispiel, den man drücken kann, und aus dem es dann bunte Flummiblasen rausdrückt. Vorstand Schneidhuber hat’s ausprobiert. Sein Kommentar: „Uiiih!“ – muss man anscheinend mögen.
Die Pleite mit dem Goldesel
Auch einen plüschigen Goldesel kann man sich aussuchen. Wir haben in der Redaktion den Dukatentest mit ihm gemacht: Nichts! Aber Kuscheln geht super. Vielleicht liegt es auch am Sparkassen-Halstuch, das er trägt. Vielleicht rückt er deswegen nicht so leicht was raus... Das testen wir noch.
So ist auch das rote Sparbuch eingegangen. Das hatten damals viele von uns. Und es war ein echtes Wunder, wenn man als Kind wieder einmal an den Schalter kam und die nette Dame gesagt hat: „Da hast Du aber schön gespart!“ Und dann hatte man anschließend fünf Mark mehr drauf, als man eingezahlt hatte. Erstaunlich.
Behalten Sie ihre Million!
Später haben wir erfahren, dass man das Zinsen nannte und dass man das heute aber nicht mehr kriegt. Jedenfalls nicht mehr auf das Sparbuch. Das, sagt Theo Schneidhuber, ist heutzutage so ähnlich, als wenn man das Geld unter das Kopfkissen steckt. Da legt auch keiner was dazu.
Aber zur Feier des Tages hat die Sparkasse 2,75 Prozent Zinsen angeboten, wenn man sein Geld für neun Monate in einem Brief anlegt. Das ist schon was in diesen Tagen. Immerhin knapp über der Inflation. Aber bringen Sie nicht die Million unter dem Bett mit, weil das nichts nützt. Sie dürfen nämlich nur 20 000 Euro pro Kopf anlegen, weil die Sparkasse sonst arm wird.
Der alte Mann und das Sparen
Das Risiko geht die Sparkasse in geringem Umfang ein, falls alle Kunden kommen und ihre 20 000 Euro bringen. Das macht aber nichts, sagt die Sparkasse, weil es wichtig ist, dass die Leute – insbesondere die jungen – den Spargedanken wieder mehr in die Köpfe bekommen. Falls mal die Waschmaschine kaputt geht (aber das hatten wir ja schon).
Es hilft aber auch bei der Zukunftsplanung und macht unabhängig, falls der Papa mal das Auto mit den 450 PS nicht kaufen will. Und wenn später einmal jemand Unternehmer wird, dann hat er früh gelernt, dass Eigenkapital Investitionsspielräume schafft. Dann hätte der 100-jährige Sparkassler aus der Grundschule tatsächlich rübergebracht, wofür er bezahlt wurde.
