Lidl macht’s möglich: Kuchlbauer und Schneider Weisse sind jetzt Oktoberfest-Biere

Von Benjamin Neumaier · 20. Oktober 2024 um 05:00

Am Oktoberfest gibt es nur Münchner Bier. Logisch. Weiß jeder. Nein! Im britischen Lidl-Prospekt findet man aktuell das „Wiesn-Tragerl“ mit „10 Bayerischen Bierspezialitäten“ – beworben als Octoberfest Beers. Und so werden Kuchlbauer oder Schneider Weisse ruckzuck zum Oktoberfest-Bier.

Dass sich Discounter vor allem rund ums Oktoberfest mit angeblichen urbayerischen Schmankerln überbieten – die dann im Netz zerrissen werden – das ist nicht neu. Neben einer Weißwurstpizza findet sich dort unter anderem auch regelmäßig ein Schweinebraten mit Nudeln als Beilage, die Alpen-Salami oder sächsisches Pils.

In Großbritannien freuen sich die Lidl-Kunden seit dem 17. Oktober auf „Flavour of the Week – Alps“. Angeboten werden Currywurst, Kartoffelgratin, Mozartkugeln, „Salted Mini Pretzels“ in Schokohülle oder Manner-Waffeln.

Wiesn-Tragerl der „Top-Pick“ bei Lidl

Der „Top-Pick“ der Woche ist jedoch das Wiesn-Tragerl für 24,99 Pfund (ca. 30 Euro). Angepriesen als „Octoberfest Beers“. Nun weiß der Bayer – und nicht nur der – dass die Wiesn das Oktoberfest ist. Was wird also drin sein, im Wiesn-Tragerl? Oktoberfestbier? Nicht unbedingt.

Nicht nur ein echter Wiesn-Fan weiß, dass nur Münchner Brauereien, die einen Zugang zum Grundwasser haben, ihr Bier auf der Theresienwiese ausschenken dürfen. Aktuell werden dort Biere von Paulaner, Löwenbräu, Augustiner, Hofbräu, Spaten und Hacker-Pschorr in den Zelten und drumherum kredenzt. Nun hat das britische Lidl-Wiesn-Tragerl aber zehn Biere. Klappt also schon rein zahlenmäßig nicht. Als echtes Oktoberfest-Bier findet sich nur der Hofbräu aus München.

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Was überrascht: Hinter dem dicken Wiesn-Tragerl-Schriftzug versteckt sich auch ein Gillamoosbier. Das der Brauerei Kuchlbauer. Und auch Schneider Weisse ist mit der Festweisse vertreten. Georg VI. Schneider lacht herzlich, als er am Telefon von seinem „Octoberfest Beer“ erfährt. „Das Leben schreibt so schöne Geschichten“, sagt er. „Dem Engländer wird’s wurscht sein. Und eine Wiesn-Vergangenheit hat Schneider Weisse ja durchaus“, sagt er.

Denn bis 1945 hatte die Kelheimer Brauerei ihren Sitz in München – und bis 1933 auch ein Weißbierzelt auf dem Oktoberfest. „Mein Opa hat mir davon noch oft erzählt. Dass es eigentlich gar nicht so gut gelaufen ist, weil oft schlechtes Wetter und die Wiesn an sich ja noch nicht so prominent war und er ganz froh gewesen sei, nicht mehr auf die Wiesn zu müssen.“

Rezept stammt aus Oktoberfest-Zeiten

Allerdings stammt das Rezept der Festweisse noch aus dieser Zeit, ist nur mündlich überliefert. „Die Festweisse hatte damals eine zitronige Note. Die entstand, wenn der Hopfen lange gelagert werden musste. Das war für das Oktoberfestbier so“, sagt Schneider. Als er vor einigen Jahren in Australien einen Hopfen mit Zitronennote entdeckte, ließ er die Festweisse wieder aufleben. Ambitionen, damit auf die Wiesn zu kommen, hat er nicht. „Die Kriterien sind viel zu hoch für uns. Wir müssten ja ein Brauhaus in München bauen. Alleine das geht nicht.“

Auch für Kuchlbauer-Chef Jacob Horsch hegt dahingehend keine Ambitionen: „In 100 Jahren nicht, nein. Unser Fest des Herzens ist und bleibt der Gillamoos.“ Von der Lidl-Aktion habe er nichts mitbekommen, kommentiert sie trocken mit: „Octoberfest Beer – aha. Die trauen sich was!“

Weitere Biere aus der Region dabei

Die restlichen Biere im Tragerl stammen von den Brauereien Wildbräu (Grafing), Ettl (Landkreis Regen), Irlbach (Landkreis Straubing Bogen), Bischofshof (Regensburg), Falter (Landkreis Regen), Hohenthanner (Landkreis Landshut) und Erl (Landkreis Straubing Bogen).

Entwickelt und vertrieben werden die Wiesn-Tragerl von der Firma Kalea, einem Bier-Souvenir-Anbieter aus Österreich. Der bewirbt es selbst auch völlig passend: „10 echte Festbiere aus Bayern, abgefüllt in 0,5 l Flaschen – eine Besonderheit, die es in unseren Paketen sonst nicht gibt.“ Zum Octoberfest Beer werden Kuchlbauer, Schneider & Co. erst im Lidl-Prospekt.