Liefern bald Drohnen Kelheimern Lebensmittel oder kaufen diese doch lieber vor Ort ein?

Wie der Handel 2035 aussehen könnte, war Thema beim Kelheimer Wirtschaftsforum im Einkaufscenter. Einige Teilnehmer verrieten, wie ihr aktuelles Einkaufsverhalten ist. Centermanager Rudi Studenik, was mittelfristig an der Schäfflerstraße zu erwarten ist. Ein Verkaufsleiter von Norma verriet, wie sich der Discounter für die Zukunft aufstellt.
In zwei Jahren feiert das Kelheimer Einkaufscenter 30-Jähriges. Bis dahin steht dem Handel einmal mehr eine „Zeitenwende“ bevor. Wie das Einkaufen in gut zehn Jahren aussehen könnte, war Thema beim Wirtschaftsforum von Stadt und Stadtmarketingverein „Zukunft Kelheim“. Lassen sich die Kelheimer Toilettenpapier oder Butter bald per Drohne liefern?
Die knapp 100 Gäste aus Wirtschaft, Institutionen und Kommunalpolitik erwarteten zwei Impulsvorträge zur Zukunft des stationären Handels. Von Peter Bock, dem Norma-Verkaufsleiter Ostbayern, und von der Geschäftsführung der Fussl Modestraße. Beide ansässig im Kelheimer Einkaufscenter.
Dieses managt seit 24 Jahren Rudi Studenik, sowie einige weitere in Niederbayern und der nördlichen Oberpfalz. Zudem engagiert sich Studenik im Vorstand von „Zukunft Kelheim“.
Studenik: Sechsstellige Summe für Unternehmen der Region
Studenik blickte zurück auf die Anfänge, als das Kelheimer Einkaufscenter 1996 eröffnete. Die Angst sei groß gewesen, dass die neuen Geschäfte viel Kaufkraft aus der Innenstadt abziehen. Das Gegenteil ist in Studeniks Augen der Fall. Die Kelheimer Standorte (Schäfflerstraße, Innenstadt, Donaupark) befruchteten sich gegenseitig. Zudem sei es dem Center wichtig, die Wirtschaft vor Ort zu fördern. 2023/24 habe man Aufträge in Höhe von 580.000 Euro an Firmen der Region vergeben.
280 Arbeitsplätze gibt es im Kelheimer Einkaufscenter
280 Mitarbeiter sind im Center beschäftigt. Es gibt 18.000 Quadratmeter Mietfläche, mit aktuell 20 Geschäften. Es waren schon einmal deutlich mehr. Doch die Zeiten seien „sehr schwierig“, so Studenik. Mit Blick auf vergangene Neuansiedlungen zahlten sich insbesondere „Frequenzbringer“ wie Edeka und dm aus.
Es sei nicht so, dass es keine neuen Anfragen für Ansiedlungen gebe. Jedoch seien die Zeiten herausfordernd. Viele Firmen, die in den vergangenen Jahren Interesse bekundeten, seien inzwischen insolvent. Insbesondere im Modesektor.
Corona habe nicht nur Mieter wie „Absolut Pogo“ zerlegt, sondern auch Interessenten, wie Gerry Weber, Esprit oder Depot. Ausgezahlt habe sich, dass das Center seit zwei Jahren einen Sicherheitsdienst beschäftigt.
Studenik: Das steht im Kelheimer Einkaufscenter an
Studenik sprach von zwei neuen Mietanfragen „mit 2000 Quadratmetern“ und dass die WC-Anlagen in nächster Zeit saniert werden sollen.
Bezüglich neuer Mieter wünscht sich der Centermanager auch Unterstützung von den Stadträten. An die anwesenden appellierte er, sie sollten bei künftigen Neuansiedlungen nicht auf in der Vergangenheit Festgeschriebenes im Einzelhandels-Entwicklungskonzept pochen. „Weil etwas vor zehn Jahren richtig war, muss es das heute nicht sein.“
Aktuell gebe es keine Anfrage, sagt Bürgermeister Christian Schweiger auf unsere Nachfrage. Wenn es soweit sei, müsse man diese prüfen und sehen, ob etwas gegen eine höhere Zahl an Quadratmetern für ein bestimmtes Segment spreche.
Landrat Martin Neumeyer war zu Gast
Landrat Martin Neumeyer brach in seinem Grußwort eine Lanze für den stationären Handel. Dieser sei ein wichtig für die Menschen. Jedoch müsse man ihn auch nutzen, um ihn zu erhalten. Kritisch merkte er an: „Erst gehen die Leute nicht zum Metzger und Bäcker vor Ort, dann gründen sie eine Bürgerinitiative für einen Dorfladen.“ Zudem sei der Personalmangel im Verkauf und an den Kassen ein Problem, das man nicht außer acht lassen dürfe. Einige Lebensmittelhändler testeten bereits Optionen, bei denen die Kunden selbst kassierten.
So rüstet sich Norma
Peter Bock ließ hinter die Kulissen des Discounters Norma blicken. Dieser stehe für das Einkaufen vor Ort. Die Märkte böten viel frische Lebensmittel, aber auch ein großes wechselndes Non-Food-Sortiment – vom Hammer bis zum Backblech. Zudem garantierten die Märkte Arbeitsplätze vor Ort. Der im Einkaufscenter zähle mit seinen 800 Quadratmetern zu den kleineren. Für die Zukunft wünschten sich die Norma-Kunden laut Bock aktuell keine Drohnenlieferung, sondern moderne, größere Märkte mit größerem Sortiment und breiteren Gängen. Zudem müsse man mit der Zeit gehen und etwa vegane Lebensmittel anbieten. Mitbewerber testeten „Click & Collect“ oder das Liefern von Lebensmitteln nach Hause. Bei Norma sei dies aktuell nicht geplant.
Wie Modehändler Fussl sich für die Zukunft rüstet, blieb unbeantwortet. Krankheitsbedingt fiel der Vortrag aus.
Wie resilient ist Kelheim? Trotz aller Schwierigkeiten – von Corona bis Inflation — in den Augen von Bürgermeister Christian Schweiger und „Zukunft Kelheim“-Vorsitzendem Thomas Wallner und Rudi Studenik ganz gut. Schweiger sieht eine „super Mischung“ im Einzelhandel. Dennoch brauche es „zukunftsorientierte Veränderung“, betonte Studenik. Potenzial und Kaufkraft habe Kelheim. Laut Kaufkraftindex sei nur der von Regensburg in der Region höher.
Bei jazzigen Klängen vom Duo „Vierhändig“, Asia-Nudeln, Baguettes und Gesprächen klang der Abend aus.
Umfrage: Wo kaufen Sie persönlich ein?
Centermanager Rudi Studenik: „Ich setze auch privat hauptsächlich auf stationären Handel in Kelheim und im Landkreis. Von der Waschmaschine bis zur Kleidung. Die Vorteile liegen für mich auf der Hand.“
Regina Hierl, Unternehmerin aus der Altstadt: „Ich kaufe meist stationär. Mode kann man sehr gut in der Altstadt shoppen. Das Tolle: Die Verkäuferinnen wissen, was ich suche. Auch Parkplätze findet man in der Altstadt. Gegebenenfalls muss man ein paar Schritte laufen.“
Cornelia Fleck, Leiterin der Kelheimer Agentur für Arbeit: „Lebensmittel kaufe ich vor Ort. Alles, was ich schnell brauche, inzwischen auch Medikamente, bestelle ich online. An Einkaufszentren schätze ich auch die Gastronomie für den Kaffee zwischendurch.“
Bürgermeister Christian Schweiger: „Ich arbeite in der Altstadt, da gibt es vieles zu kaufen, von Drogerieartikeln bis Kleidung. Lebensmittel besorge ich je nach Situation, mal hier, mal da. Schuhe kaufe ich online. Ich habe sehr große Füße und da gibt es nur im Netz eine richtige Auswahl.“







