Neue Leerstände in Burglengenfeld

Von Thomas Riekeund Friedrich Gluth · 13. Oktober 2024 um 21:30

Burglengenfeld. Steht Burglengenfeld vor einer neuen Welle des Ladensterbens? Fast sieht es so aus. In mehreren Fällen ist das Aus bereits Tatsache, in anderen deutet es sich an, in wieder anderen wird dementiert.

Beschlossene Sache ist das Ende von Burglengenfelds einzigem Fotofachgeschäft: Bei Foto-Optik Wach, gegründet 1946, wurden Ende September die letzten Kameras und Bilderrahmen verpackt und abtransportiert. Seitdem sind die Rollläden geschlossen.

Der letzte Inhaber, der nicht Wach heißt, möchte seinen Namen an dieser Stelle keinesfalls in der Zeitung lesen, obwohl ihn die meisten Burglengenfelder kennen dürften. Auch nennt das langjährige Mitglied des Wirtschaftsforums (Wifo) keine Gründe, die zur Aufgabe führten.

Eine Rolle könnte der Verkauf des Anwesens am Marktplatz 29 gespielt haben. Neuer Eigentümer ist dem Vernehmen nach der Betreiber eines größeren ambulanten Pflegedienstes, der das Gebäude angeblich für Tagespflege umbauen möchte. Der Fotograf hat unterdessen in der Stadtkirche Burglengenfeld eine Teilzeitstelle angenommen. Sehr zur Freude von Pfarrer Michael Hirmer, denn dadurch konnten einige nicht unwesentliche Aufgaben wieder fest vergeben werden.

Mietvertrag nicht verlängert

Die Tage gezählt sind nach rund zehn Jahren auch für Hermann Andreas Ollert in der Kirchenstraße 9. Der gelernte Gerber und Lederfachmann, der einst auch Geschäftsbeziehungen zu BMW gehabt hat, hatte sich auf zahlreiche Pflege- und Reinigungsprodukte spezialisiert. Mit „Mamsell“ warb er mit einem selbst entwickelten Produkt, das die Lebensdauer von Waschmaschinen erhöhen soll, indem es vor Kalkablagerungen schützt.

Kürzlich musste Ollert zur Kenntnis nehmen, dass sein Mietvertrag nicht verlängert wurde. Ende August hätte er das Feld räumen sollen. Das hat der über 80-Jährige nicht ganz geschafft, Ende Oktober will er aber die Schlüssel zurückgeben.

Was aus den Räumlichkeiten werden wird? Hauseigentümer Ludwig Metschl berichtete, er trage sich mit dem Gedanken, das Anwesen, das eine 300-jährige Geschichte habe, zu verkaufen. Der Unterhalt sei ihm zu beschwerlich geworden. Von einem Verkauf wäre auch der Club Mixx betroffen, der sich im selben Gebäude befindet. Über den Gewerbeeinheiten befinden sich noch zwei Wohnungen.

Hinter einem weiteren Fachgeschäft, das viele Burglengenfelder für seinen Service und sein breites Warensortiment im Elektro-Bereich schätzen, scheint ein Fragezeichen zu stehen. Es befindet sich allerdings nicht in der Altstadt, sondern im Naabtalcenter (NAC). Seit vielen Tagen ist der Eingang zugesperrt. Der Hinweis „Bis auf weiteres geschlossen“ hat schon so manchen Kunden irritiert. Eine Telefonnummer oder andere Kontaktmöglichkeit ist nicht angegeben.

Vielfache Versuche der Redaktion, mit dem Inhaber ins Gespräch zu kommen, sind gescheitert. Auf Bitten um Rückruf reagierte der Mann nicht. Gerüchteweise ist zu hören, das Hauptproblem sei, dass kein fachkundiges Personal mehr für einen dauerhaften Betrieb zu finden sei. Solches sei aber für Kundenberatung, die diese Bezeichnung verdienen würde, unerlässlich.

Darüber hinaus ist es ein offenes Geheimnis, dass mehrere Läden im älteren Teil des NAC in den vergangenen Jahren unter dem Umzug des Baumarkts gelitten haben. Ein Ankermieter direkt vor ihren Pforten ging verloren, das geräumte Gebäude wurde über viele Monate hinweg als Außenstelle des Ankerzentrums Regensburg genutzt. Flüchtlingsquartier sind die Hallen zwar nicht mehr, doch die Perspektiven sind trotzdem schwierig: Bevor im geplanten Neubau attraktive Fachläden angesiedelt werden können, wird es ab 2025 eine Großbaustelle geben.

In einem vierten Fall kann Entwarnung gegeben: Bei der Metzgerei von Peter Schmidt geht es weiter. Entschieden widerspricht der 57-Jährige dem Gerücht, bei ihm bliebe der Wurstkessel bald kalt. Spekulationen seien nicht neu, merkt er an. Schon seit zehn Jahren werde „immer wieder mal viel g’redt’“.

Metzger passt sich an

Fakt ist, dass Schmidt schon vor längerer Zeit sukzessive seine Öffnungszeiten reduziert hat. Montags ist komplett geschlossen, dienstags und mittwochs jeweils am Nachmittag.

Das sei, so berichtet der Metzgermeister ganz unaufgeregt, nicht nur dem personellen Engpass geschuldet. Auch das Verbraucherverhalten habe sich geändert. Die Nachfrage nach Fleisch und Wurst gehe langsam zurück. Das Angebot passe er entsprechend an. Auf die beliebten Blut- und Leberwürste bräuchten die Kunden aber auch künftig genau so wenig zu verzichten wie auf den warmen Leberkäse und die geräucherte Forellen.

Gegründet 1946, ist jetzt Schluss: Foto-Optik Wach im Herzen der Altstadt gibt es nicht mehr.