Tierischer Gottesdienst: Stadtpfarrer Christian Kalis segnete in St. Jakob die Schwandorfer Vierbeiner

Mit dem Haustier in die Kirche – das war lange ein No-Go. Schwandorfs Stadtpfarrer Christian Kalis kümmert das nicht. Er hat gleich einen ganzen Gottesdienst samt Eucharistie mit den Vierbeinern gefeiert. Die Resonanz war derart positiv, dass nun eine Wiederholung diskutiert wird.
Hunde haben bekanntlich viele Gerüche in ihrer Nase. Doch die Kirchenluft dürfte den meisten Vierbeinern fremd sein. Am vergangenen Freitagnachmittag durften sie ihre Herrchen und Frauchen anlässlich des Welttierschutztages sowie des Gedenktages des Heiligen Franziskus von Assisi, dem eine besondere Beziehung zu Tieren nachgesagt wird, mit in den Gottesdienst in die Pfarrkirche St. Jakob begleiten. Auch andere Tiere, wie Katzen oder Meerschweinchen, wären willkommen gewesen. Doch irgendwie kamen nur Hunde.
Tiere waren bei der Segnung sehr diszipliniert
Und so entstand ein einmaliges Bild: Während die Gläubigen in der Kirchbank beteten und sangen, beobachteten die etwa 15 Hunde – die meisten von ihnen saßen im Kirchgang – alles ganz gespannt. Und das taten sie überaus diszipliniert. Nur vereinzelt bellten die Vierbeiner bei dem 40-minütigen Gottesdienst. Aber wer weiß: Vielleicht war das ja auch ihre Art, Amen zu sagen?
Eine der Gläubigen, die ihren Vierbeiner mitgebracht hatte, war Pfarrgemeinderätin und Pfarrsekretärin Sabine Walzer. Ihre Hundedame Lexie, ein Pudel-Puli-Mix, ist zwei Jahre alt. „So lange wir alleine sind, ist sie ein Engel. Aber wenn wir unter Leuten sind, ist sie ein Flegel“, verriet Walzer.
Umso begeisterter war die engagierte Katholikin, dass sich Lexie während des Gottesdienstes mustergültig verhalten hatte. Auch Pfarrer Kalis war angetan von seinen besonderen Kirchbesuchern. „Die Anwesenheit der Tiere hat nicht gestört. Sie waren sehr ruhig. Ich hatte da ein gutes Gefühl“, sagte der Seelsorger. Er sei überrascht gewesen, wie viele Gläubige mit ihrem Tier gekommen waren.
Und weil die Resonanz derart positiv war, überlegen Kalis und seine Pfarrsekretärin nun, den Tiergottesdienst zu wiederholen. „Ich kann mir diese Aktion regelmäßig vorstellen. Ich fände es schön, wenn wir das jährlich durchführen würden“, meinte Sabine Walzer. Sie will nun auch den anderen Pfarrgemeinderäten von der gelungenen Erstauflage berichten.
Pfarrer Kalis spricht sich für eine Wiederholung aus
An Pfarrer Kalis wird es jedenfalls nicht scheitern: „Ich habe das Gefühl, dass wir einen Gottesdienst dieser Art wiederholen können. Ich merke, dass es den Menschen wichtig ist, dass auch ihre Tiere unter den Schutz Gottes gestellt werden.“
Womöglich sind derartige Gottesdienste auch eine Chance für die Kirche. So sieht es zumindest Xenia Wilk aus Schwandorf. „Die Kirche will offener werden und kann dies durch solche Aktionen beweisen“, findet sie. Wilk war mit ihrem Border-Collie-Mischling Salomo am Freitag in die Jakobskirche gekommen. Sie stellte fest, dass ihrem Begleiter die Zeit in der Kirche auf keinen Fall geschadet hat. „Es war eine gute Erfahrung für ihn“, sagte die junge Schwandorferin.
Nur wenige Tage vor dem Tiergottesdienst in St. Jakob hatte in der Pfarrei Herz Jesu eine ähnliche Aktion stattgefunden. Pfarradministrator Andreas Schinko hatte vor der Kirche die Tiere der Gläubigen gesegnet und sie im Anschluss für ein Gruppenfoto in das Gotteshaus geholt. Auch dort gab es nur Beifall für die Idee.

