Kundgebung gegen Antisemitismus

Von Mittelbayerische Zeitung · 6. Oktober 2024 um 22:24

Regensburg. Anlässlich des heutigen Jahrestags des Hamas-Angriffs auf Israel versammelten sich gestern etwa hundert Demonstranten unter dem Motto „Antifa heißt: Gegen jeden Antisemitismus“ in der Altstadt. Organisiert wurde die Demonstration von dem zu diesem Zweck neu gegründeten Bündnis 0610rgb, das aus Vertretern linker und antifaschistischer Gruppen und Einzelpersonen aus Regensburg besteht.

In seinem Demonstrationsaufruf erklärte das Bündnis, dass seit dem Hamas-Angriff der Antisemitismus weltweit deutlich zugenommen habe und es in Deutschland zu antisemitischen Aufmärschen und Angriffen auf jüdische Menschen und Einrichtungen gekommen wäre. Auch in Regenburg würden bei pro-palästinensischen Protesten die Hamas verharmlost und antijüdische Erzählungen verbreitet. Zudem würden Graffiti in der Altstadt zur Vernichtung Israels aufrufen.

„Juden leben überall und sind überall gefährdet, so auch in Regensburg“, sagte Martin Oswald, Sprecher des Bündnisses. Man wolle der jüdischen Gemeinde in Regensburg signalisieren, dass man an ihrer Seite und derer der Juden weltweit stehe, sowie an die Opfer des Hamas-Anschlags und an die noch verschleppten Geiseln erinnern. „Wir stellen uns jeder Form des Antisemitismus entgegen“, betonte Oswald. Dabei sei es egal, ob dieser von islamistischer, extrem rechter oder linker Seite ausgehe. Er erklärte, dass Kritik an der israelischen Kriegsführung und Trauer über die Tausenden getöteten Zivilisten in Gaza auch möglich seien, ohne in antisemitische Rhetorik zu verfallen.

Die Reaktionen auf die mit lauten Sprechchören durch die Altstadt ziehenden Demonstranten waren gemischt: Während einige Passanten applaudierten, begleitete auch eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten mit Schildern wie „Free Palestine“ den Zug. Am Schwanenplatz, vor dem Alten Rathaus und am St.-Kassians-Platz gab es Redebeiträge. Verschiedene Sprecher der Kundgebung kritisierten zum Beispiel linke und pro-palästinensische Gruppen, die alles Leid auf Israel projizieren und ausblenden würden, dass auch die Hamas die palästinensische Bevölkerung unterdrücke. Die Gruppe eben.widerspruch betonte, dass es notwendig sei, sich „immer und grundsätzlich gegen menschenverachtende Ideologien zu positionieren, auch gegen die der Hamas und ihrer Unterstützer“.