Viel Potenzial für Wasserstoff im Raum Regensburg?

Wie sehr die Zeit drängt, um die Ziele rund um den Klima- und Energiewandel global, bundesweit, aber auch in der Region zu bewältigen, hat der Technologie Campus Wörth-Wiesent bei einer Wasserstoff-Fachtagung unter Beweis gestellt. Jedenfalls haben die Initiatoren rund um das Forschungszentrum im Gewerbepark Wörth (Landkreis Regensburg) keineswegs zuerst ihren Campus auf Vordermann gebracht, um das mit sieben Millionen vom Staat geförderte Projekt dann feierlich einzuweihen. Vielmehr herrschte hier offenbar von Anfang an eine Aufbruchstimmung, und dies in enger Kooperation aller politischen Ebenen mit Wissenschaft und Wirtschaft.
„Es geht nur miteinander“ – von diesem Appell der Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) zeigte man sich speziell mit Blick auf Wasserstoff als den „Innovationsmotor für Logistik und Mobilität“ schon deshalb überzeugt, weil gerade wegen der vermeintlich unterschiedlichen Interessenlage aller Akteure Ziele wie Klimaneutralität nur gemeinsam erreicht werden können. Die Vielfalt kam bei der Fachtagung mit über 150 Teilnehmern nicht zuletzt durch die mehr als 20 Präsentationen international renommierter Unternehmen zum Ausdruck, die sich wie das Globe-Team aus Stuttgart mit der Brennstoffzelle, den verschiedenen Tankstellen-Modellen für Wasserstoff (Tyczka Hydrogen) oder weiteren Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette beschäftigen.
Der Vortrag von Katharina Radtke (BMW) und Tim Schultz (Greecon) über „Wasserstoff als Gamechanger“ in der Intralogistik von heute erinnerte daran, dass gerade BMW schon seit Ende der 70er Jahre eine führende Rolle bei der Forschung mit Wasserstoff einnimmt. Gleichzeitig plädierte man dafür, auf die Vorteile von Batterien und Brennstoffzellen, also von beiden Antriebstechnologien, im Schwerlastverkehr zu setzen. Wie Professor Otto Kreutzer, der Leiter des Technologie Campus, erläuterte, sei die Nutzung von Wasserstoff in Ostbayern schon deshalb sinnvoll, weil diese Region mit Windkraft, Photovoltaik und Biomasse über ein hohes Potenzial an erneuerbaren Energiequellen verfüge. Dass Wasserstoff nicht nur als Energieträger von Bedeutung sei, sondern durchaus als Treiber für die Transformation ganzer Wirtschaftssektoren, betonte Professor Michael Sterner von der OTH Regensburg. Mit Blick auf das Wasserstoff-Kernnetz, das zu 60 Prozent aus umgewidmeten Gasleitungen im Bundesgebiet bestehen werde, verweist Sterner auf die entscheidenden Aspekte für den Verlauf – beispielsweise große Industrieanlagen, die Vernetzung mit Nachbarländern oder auch die großen Erzeugungsanlagen. In diesem Zusammenhang appellierte Sterner an die Region Regensburg: „Wir müssen ausreichend Bedarf anmelden, sonst gibt es keinen Anschluss!“
Aus dem Wasserstoffatlas des Bundesforschungsministeriums, an dessen Entstehung Sterner maßgeblich mitgewirkt hat, gehe hervor, dass in der Region Regensburg für den Einsatz von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien durchaus Potenziale vorhanden sind. Gleichzeitig zeigt sich Sterner beeindruckt von den verschiedenen Projekten zur Wasserstoffmobilität in der Region, etwa in Pfeffenhausen (Lkr. Landshut) mit dem ersten „netzdienlichen“ Elektrolyseur in Bayern oder dem Wasserstoffwerk Pilsach (Lkr. Neumarkt) und dem Projekt H2-Mobility Pocking (Lkr. Passau). Große Hoffnungen setzt Sterner in das H2-Ökosystem Kreuther Forst im Kreis Regensburg, wo bis zu 19 Windkraftanlagen „grüne Energie“ an regionale Betriebe liefern könnten. „Jeder, der sich dagegen wendet“, so Sterner, „gefährdet unseren Wirtschaftsstandort und die Arbeitsplätze.“