Filmperlen von heiter bis wolkig: Lichtblicke für die dunkle Zeit im Kino in Cham

Der Herbst kommt mal wieder dunkel daher. Wie gut, dass es in Cham die Lichtgestalten gibt, die für Aufhellung sorgen. Die Kinoreihe, die seit gut 20 Jahren zum Hinschauen einlädt und längst ein Stammpublikum gefunden hat, lockt ab 15. Oktober mit neuen Filmen. Das Motto lautet: „Filmperlen von heiter bis wolkig“.
In diesem Herbst sind es aktuelle Filme wie selten, die der Kulturverein Bayerischer Wald in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) und dem Kino Cham zeigen wird. Und es seien alles Spielfilme von 2023 und 2024, sagt Matthias Ketterl, der als Vertreter des Kulturvereins im Herbst die Filme zusammenstellt, während es im Frühjahr die KEB macht.
Es sind also keine Dokumentationen dabei, wie sonst oft. Etwa 20 Filme habe er zur Auswahl gehabt, die er etwa nach Kritiken oder Inhaltsangaben aussuche. Er habe fast keinen der Filme bisher angeschaut – und auch keiner sei bisher in Cham gelaufen.
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„Es sind ernste wie lustige Filme dabei. Und mancher bietet Überraschungen“, beschreibt er. Es sei eine gute Mischung für ein Programmkino, um das gewohnte Publikum zu erreichen, aber auch neue Besucher anzulocken, die schon länger nicht mehr im Kino waren. Er sei dankbar, das Chamer Kino mit Familie Wittmann mit im Boot zu haben, betont Ketterl.
Eine Favoriten unter den neun zu nennen, sei schwierig. Oft habe er sich gedacht, der Film werde wohl eher wenig Anklang finden, sei dann aber gut gelaufen und gelobt worden. Es sei nie sicher, wie etwas in Cham ankomme, „das ist eben Kunst, die im Auge des Betrachters liegt!“
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Wenn es auch ein Nischenprogramm darstelle, habe es schon ausverkaufte Filme der Reihe mit bis zu 170 Zuschauern gegeben. Der Durchschnitt liege bei etwa 50 bis 60 Gästen, in der Mehrheit Frauen. „Es gibt auch dieses Mal wieder viel zu entdecken“, lädt Ketterl ein. Also hinschauen und genießen!
• „A great place to call home“ (Dienstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr/Sonntag 20. Oktober, 18 Uhr, USA 2024, 87 Min., Regie: Marc Turtletaub)
In einer Kleinstadt irgendwo in Pennsylvania verbringt Milton (Sir Ben Kingsley) einen unaufgeregten Lebensabend. Weil der Witwer immer kauziger wird, werden seine Wortmeldungen bei den Gemeindeversammlungen selten ernst genommen. Als eines Nachts ein UFO in Miltons Blumenbeet bruchlandet, will niemand dem alten Mann glauben. Bald entdecken Miltons leicht schrullige Nachbarinnen Sandy (Harriet Harris) und Joyce (Jane Curtin) den ungewöhnlichen Mitbewohner und schließen ihn direkt ins Herz. Aus Komplizenschaft wird Gemeinschaft – und aus Nachbarn werden Freunde.
• „Morgen ist auch noch ein Tag“ (Dienstag, 22. Oktober, 19.30 Uhr/ Sonntag, 27. Oktober, 18 Uhr, Italien 2024, 118 Min., Regie: Paola Cortellesi)
Rom, 1946 nach der Befreiung vom Faschismus. Delia ist die Frau von Ivano und Mutter dreier Kinder. Zwei Rollen, in die sie sich voller Hingabe fügt. Obendrein bessert sie die Haushaltskasse mit vielen kleinen Hilfsarbeiten auf, um die Familie über Wasser zu halten. Ivano sieht sich als der Ernährer. Nicht nur mit Worten. Körperliche und psychische Gewalt gehören für Delia zum Alltag. Bis ein mysteriöser Brief eintrifft, der ihr den Mut gibt, alles über den Haufen zu werfen.
• „Perfect days“ (Dienstag, 29. Oktober, 19.30 Uhr/Sonntag, 3. November, 18 Uhr, Japan 2023, Regie: Wim Wenders)
Hirayama reinigt öffentliche Toiletten in Tokio. Er scheint mit seinem einfachen, zurückgezogenen Leben vollauf zufrieden zu sein und widmet sich abseits seines äußerst strukturierten Alltags seiner Leidenschaft für Musik, die er von Audiokassetten hört, und für Literatur, die er allabendlich in gebrauchten Taschenbüchern liest. Durch eine Reihe unerwarteter Begegnungen kommt nach und nach eine Vergangenheit ans Licht, die er längst hinter sich gelassen hat.
• „Fallende Blätter“ (Dienstag, 5. November, 19.30 Uhr /Sonntag, 10. November, 18 Uhr, Finnland 2023, 81 Min., Regie: Aki Kaurismäki)
Der Film erzählt von zwei einsamen Menschen, die zufällig in Helsinki aufeinandertreffen. Beide sind auf der Suche nach der ersten und endgültigen Liebe ihres Lebens. Der Weg zu diesem ehrenwerten Ziel wird erschwert durch die Alkoholsucht des Mannes, verlorene Telefonnummern – und nicht zuletzt durch die allgemeine Tendenz des Lebens, denjenigen, die ihr Glück suchen, Steine in den Weg zu legen.
• „Ein kleines Stück vom Kuchen“ (Dienstag, 12. November, 19.30 Uhr /Sonntag, 17. November, 18 Uhr, Iran, Frankreich, Schweden, Deutschland 2024, 97 Min., Regie: Maryam Moghaddam)
Die 70-jährige Mahin lebt seit dem Tod ihres Mannes und der Ausreise ihrer Tochter nach Europa allein in Teheran. Ein geselliger Nachmittagstee mit Freundinnen gibt den Anstoß dazu, ihren monotonen Alltag hinter sich zu lassen. In Mahin reift der Wunsch ihr Liebesleben wieder zu aktivieren. Auf der Suche nach einem neuen Partner, öffnet sie spontan ihr Herz für den gleichaltrigen Taxifahrer Faramarz.
• „Die Gleichung ihres Lebens“ (Dienstag, 19. November, 19.30 Uhr /Sonntag ,24. November, 18 Uhr, Frankreich, Schweiz 2023, 112 Min., Regie: Anna Novion)
Primzahlen sind Marguerites große Leidenschaft. Die brillante Mathematikstudentin ist die einzige Frau im Promotionsprogramm unter Professor Werner. Doch als sie vor einem Forschergremium mit einem gravierenden Fehler in ihrer Arbeit konfrontiert wird, lässt ihr Doktorvater sie fallen und widmet sich dem talentierten Promovenden Lucas. Tief erschüttert wirft Marguerite alles hin. Schnell muss sie erkennen, dass das Leben außerhalb der Universität Überraschendes bereithält und sich weder Mathematik noch Lucas aus ihrem Leben verbannen lassen.
• „Was will der Lama mit dem Gewehr“ (Dienstag, 26. November, 19.30 Uhr/Sonntag, 1. Dezember, 18 Uhr, Bhutan, Taiwan, Frankreich, USA 2023, 107 Min., Regie: Pawo Choyning Dorji)
Die ganze Welt erstickt in Chaos und Krieg. Die ganze Welt? Nein, in Bhutan, einem kleinen buddhistischen Königreich im Himalaya, ist die Welt noch in Ordnung. Bis der König auf die Idee kommt, sein Volk glücklich machen zu wollen, in dem er ihnen Internet und Fernsehen gibt und auch noch die Demokratie einführt. Dem alten, hochverehrten Lama reicht es. Er beauftragt einen jungen Mönch, ein Gewehr heranzuschaffen und kündigt eine wichtige Zeremonie an. Die Spannung im Dorf steigt.
• „Touch“ (Dienstag, 3. Dezember 19.30 Uhr/Sonntag, 8. Dezember, 18 Uhr, Island 2024, 121 Min., Regie: Baltasar Kormákur)
Als junger Mann verliebte sich der isländische Student Kristófer in London in die Japanerin Miko. Diese verschwand jedoch eines Tages. Rund fünfzig Jahre später lebt Kristófer wieder in Island. Als eine unheilbare Krankheit bei ihm diagnostiziert wird, lässt der Mann sein Leben Revue passieren. Nichts wünscht er sich mehr, als Miko wiederzufinden. Er reist nach London und weiter nach Japan, wo seine Suche zu einem überraschenden Abschluss kommt.
• „Goodbye Julia“ (Dienstag, 10. Dezember, 19.30 Uhr/ Sonntag, 15. Dezember, 18 Uhr, Sudan 2023, 120 Min., Regie: Mohamed Kordofani)
Die gut situierte Mona aus dem Nordsudan hat unter unglücklichen Umständen den Tod eines Mannes aus dem Süden verursacht. Um ihre Schuld wiedergutzumachen, nimmt sie die Witwe Julia und deren Sohn bei sich auf. Die beiden Frauen nähern sich einander sanft an. Mohamed Kordofani erzählt vor dem Hintergrund der Spaltung des Landes eine feinfühlige Geschichte über Schuld und Sühne.