Barrierefreiheit in Rötz bei Inklusionsspaziergang durch die Stadt unter die Lupe genommen

Obwohl in Rötz mit dem Bau der Ortsdurchfahrt in Bezug auf die Barrierefreiheit schon einiges getan wurde, gibt es noch die eine oder andere Stolperfalle. Diese aufzudecken, hat sich der Behindertenbeauftragte der Stadt Rötz, Matthias Riederer, zur Aufgabe gemacht.
Wie barrierefrei Rötz wirklich ist, dieser Frage sind am Freitag auf Riederers Initiative die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Renate Hecht, die Leiterin der Offenen Behindertenarbeit, Tamara Kager, Simon Pux, Vertreter der Barmherzigen Brüder Reichenbach, Treffelsteins Behindertenbeauftragter Manuela Bindl und die Rötzer Seniorenbeauftragte Anni Bittner nachgegangen.
Die Hauptpersonen bei dem Inklusionsspaziergang durch die Stadt waren jedoch die behinderten Menschen. Nur sie können sagen, wo es hapert und was noch getan werden muss.
Noch Handlungsbedarf
Und um es gleich vorwegzunehmen: Obwohl die Stadt schon einiges für den Abbau von Stolperstellen getan hat, gibt es noch Handlungsbedarf. Hier und da müsste nachgebessert werden. Die größte Barriere zeigte sich gleich beim Rathaus, wo sich die Gruppe traf. Das denkmalgeschützte Gebäude, das ehemalige Schulhaus, ist nur über fünf Stufen zu erreichen. Für Behinderte und Rollstuhlfahrer ist das ein unüberwindliches Hindernis. Wie Riederer informierte, sei das größte Problem in Rötz die denkmalgeschützte Innenstadt. Bei baulichen Veränderungen seien immer die Auflagen des Amtes für Denkmalpflege zu beachten. Das mache die Sache oft schwierig.
Bürgerbüro für Rollstuhlfahrer unerreichbar
Auch die Pflastersteine vor dem Rathaus machten den Zugang beschwerlich. Hat man es dann doch hinein geschafft, warten mit den Treppen weitere Hürden – nicht nur für gehbehinderte Menschen, sondern auch für Senioren. Vor allem das Bürgerbüro sei für Rollstuhlfahrer unerreichbar. Aus diesem Grund hat sich die Stadt entschlossen, dieses in den Fürstenkasten zu verlegen, in dem sich bereits das Tourismusbüro befindet. Dort ist ein barrierefreier Zugang gewährleistet, informierte Riederer. Nachdem man die Rathausstraße mit dem unebenen Kopfsteinpflaster „bezwungen“ hatte, ging es Richtung Marktplatz. Dort ist zwar der Bürgersteig mit gesägten Pflastersteinen belegt. Doch das nächste Problem wartete bereits bei der Ampel am Marktplatz auf die Gruppe. Hier, so stellte eine sehbehinderte Frau fest, seien zwar Bodenmarkierungen für Blinde und Sehbehinderte angebracht, aber dieses Blindenleitsystem sei nicht ausreichend. Auch das akustische Signal sei nur schwer zu hören, da es vom Motorenlärm oft übertönt wird. Hilfreich für Blinde und Sehbehinderte wäre eine Ampel mit Sprachsignal.
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Wie sich der Marktplatz einmal präsentieren wird, sei derzeit noch in Planung, informierte Riederer. Fest steht jedoch, dass er barriere- und autofrei werden soll. Der Behindertenbeauftragte regte an, dass in dieser Planung trotzdem ein fester Parkplatz für behinderte Menschen berücksichtigt wird, da sich in unmittelbarer Nähe Arztpraxen und Kirche befinden und er daher eine große Notwendigkeit darin sieht. Weiter ging es zur Bushaltestelle beim Heimatfestplatz. Doch zuvor musste noch der Gehweg entlang der Brückenstraße passiert werden. Dieser stellt jedoch für Menschen mit Handicap eine große Herausforderung dar, da mitten auf dem Bürgersteig Bäume stehen. Ein Vorbeikommen ist nicht nur für Kinderwagen ein Problem. Vor allem für Menschen mit Sehbehinderung, Rollator und Rollstuhlfahrer stellen sie echte Stolpersteine dar.
Hindernis beim WC
Auf dem Rückweg ging es zum öffentlichen WC. Hier stieß auch Bürgermeister Dr. Stefan Spindler, der einen Zwischentermin hatte, zu der Gruppe. Beim Öffnen der Tür zeigte sich, dass dies für Rollstuhlfahrer sehr schwierig ist, da die Tür immer wieder zufällt. Dies konnte auch der Bürgermeister selbst testen, indem er sich in einen Rollstuhl setzte. Auf dem Weg zum Schulgelände wurden dann noch die Zugänge zur Apotheke und zu den Banken „getestet“, die alle barrierefrei zu erreichen sind.
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Nachdem man die Schule, die die Stadtbibliothek beherbergt und in der auch Mittagessen für Senioren angeboten wird, und die Turnhalle besichtigt hatte, traf man sich im „Retza Café“.
Im Gespräch merkte Spindler an, dass die Stadt alles dafür tut, um möglichst allen Menschen eine Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen. Als nichtbehinderter Mensch nimmt man oft gar nicht wahr, wo im Alltag überall Hürden auftreten. Wer gut zu Fuß ist, dem fallen diese gar nicht auf. Nur wer im Rollstuhl sitzt oder einen Rollator vor sich herschiebt, kennt diese Stolperfallen.
Riederer und er würden die Anregungen, Vorschläge und Verbesserungen erfassen. Im Stadtrat müsse das Thema Barrierefreiheit dann zeitnah behandelt werden.


