Gymnasium Parsberg: Beim Speed-Dating zum Traumberuf – Elternbeirat bindet Ehemalige mit ein

Zwölf Referenten, 70 Schüler: Das sind die Eckdaten des Berufsinfotags der elften Jahrgangsstufe des Gymnasiums Parsberg. Doch es gibt eine Besonderheit: Damit die Veranstaltung nicht zu einem Vortragsmarathon ausartet, hat der Elternbeirat ein Konzept ausgearbeitet, dass man sonst zur Anbahnung romantischer Beziehungen nutzt.
Ort des Geschehens ist die Mensa des Gymnasiums. Auf der Theke stehen Kaffee und Kuchen, die Schüler verteilen sich in Gruppen auf die zwölf nummerierten Tische, im Neun-Minuten-Takt wechseln die Gesprächspartner.
Gespräche in Kleingruppen
Nur dass es nicht wie beim Speed-Dating darum geht, einen Partner zu finden, sondern darum, Informationen über Berufe und Lebenswege zu sammeln. „Es ist ein ganz wichtiger Tag für die Schüler“, sagt dazu Klaudia Kolbeck. Die Gymnasiallehrerin ist Koordinatorin der beruflichen Orientierung (KBO) und als solche von Schulseite für den vom Elternbeirat organisierten Berufsorientierungstag verantwortlich. „Es ist eine einmalige Gelegenheit, Informationen über Berufswege aus erster Hand zu bekommen“, sagt sie. Besonders wichtig sei in diesem Zusammenhang das „Dating-Prinzip in Kleingruppen“.
Kolbeck: „Wenn wir Vorträge im großen Plenum haben, ist das zwar für die Referenten weniger anstrengend und geht insgesamt schneller, es traut sich aber auch keiner Fragen zu stellen und so herauszufinden, ob er selbst für einen vorgestellten Beruf geeignet ist oder nicht.“ Damit dies leichter funktioniert, habe sie die Schüler im Vorfeld mit Reflexionsbögen ausgestattet, damit sie sich gezielt Notizen machen und das erlebte hinterher Revue passieren lassen können.
Denn das berufliche Spektrum der zwölf Referenten ist groß: Hauptmann, Elektroniker, Betriebswirt, Journalist, Lehrer, Erzieher, Coach. Alle haben gemeinsam, dass ihr Berufsweg mit dem Abitur begann, bei rund der Hälfte sogar am Gymnasium Parsberg.
Wie der von Katharina Meyer, die 2006 fertig wurde und danach an der Technischen Universität München den Diplomstudiengang „Maschinenwesen“ abschloss. Mit ihren Fachrichtungen „Kunststoffe und medizinische Implantate“ sowie „Fertigungsplanung“ hat sie inzwischen mehrere berufliche Stationen hinter sich gebracht. Aktuell arbeitet sie bei Cetto, einem Hersteller von Kunststoffteilen für die Automobilindustrie.
Doch es gibt nicht nur solche gradlinigen Berufswege, von denen die Schüler erfahren. „Wir zeigen ihnen auch, dass es keine Schande ist zu scheitern. Wichtig ist nur, dass man danach wieder aufsteht“, sagt Christoph Florian Pöppl-Neufert vom Elternbeirat. Auch Schüler, die einmal „sitzengeblieben sind“ könnten später im Beruf erfolgreich sein.
So wie der Parsberger Fabian Metschl. Der hat sich schon mit 15 Jahren mit dem Filmen und Fotografieren beschäftigt, mit 17 das erste Gewerbe angemeldet und 2018 dann Abitur gemacht. Während er an der OTH Amberg/Weiden Medientechnik und Medienproduktion studierte, baute er in Parsberg erfolgreich eine Marketingagentur auf. Inzwischen hat er zwei Mitarbeiter und ein florierendes Unternehmen, nur der Studienabschluss lässt noch auf sich warten.
Schüler sammeln viele Infos
Die Schüler sind von der Form der Berufsberatung begeistert. „Ich finde gut, dass die Schule so eine Veranstaltung anbietet“, sagt Luisa Zeitler und erzählt, dass sie sich vorstellen könnte, Sportjournalistin zu werden. Deshalb sei es gut, hier auch mit Menschen zu sprechen, die im Journalismus arbeiten. Die Gespräche mit den Referenten seien viel ergiebiger, als wenn nur ein Lehrer oder Berufsberater verschiedene Berufsbilder darstelle. Ihre Mitschülerin Janina Hertel, die noch keinen konkreten Berufswunsch hat, ergänzt: „Ich will mir das einfach alles anhören und möglichst viel mitnehmen.“
Dafür biete der Tag mit der großen Vielfalt bei den Referenten beste Voraussetzungen. „Es sind ganz viele verschiedene Leute, auch viele ehemalige Schüler. Das kriegt man sonst doch gar nicht so mit“, sagt sie.
