Regensburger Agentur vermittelt vietnamesische Azubis

„Eine Ausbildung ist der perfekte Einstieg in eine Kultur“, findet Son Pham, Gründer der Regensburger Auszubildendenvermittlung V-Unite. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, jungen Vietnamesen dabei zu helfen, sich in Deutschland ein Leben aufzubauen. Sein Vater ist selbst aus Vietnam eingewandert und hat vor über 30 Jahren ein Restaurant in Bayreuth eröffnet. Nachdem die beiden einen Cousin dabei unterstützten, eine Ausbildung in Deutschland zu finden, baten immer mehr Leute Son Pham um Hilfe bei diesem Prozess. 2022 gründete er V-Unite und fing an, mit Sprachschulen in Vietnam und deutschen Partnern wie dem Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern zusammenzuarbeiten. Mittlerweile haben der Betriebswirt und sein Team bereits über 400 junge Menschen vermittelt.
Zuverlässige Arbeitskräfte
Auch einige Regensburger Unternehmen haben bereits mit Hilfe der Agentur Auszubildende gefunden. Joachim Christian, Inhaber des Café Jolie, hatte erst beim zweiten Anlauf Glück: Die erste Mitarbeiterin, die er über V-Unite einstellte, brach die Ausbildung nach kurzer Zeit ab, um zu ihrem Freund nach Hannover zu ziehen. Der Gastronom ließ sich erneut eine Auszubildende vermitteln und diese sei die beste Arbeitskraft, die er je hatte. Er könnte sich durchaus vorstellen, dass sie in ein paar Jahren seine Geschäfte übernimmt. Auch die darauffolgenden vietnamesischen Azubis seien „alle top Arbeitskräfte“. Sie seien ehrgeizig, fleißig, und zudem kritikfähiger als Deutsche.
Quirin Erber vom Brauhaus am Schloss war ebenfalls mit einheimischen Azubis eher unzufrieden und betont, dass es schwer sei, Deutsche zu finden, die noch eine Ausbildung in der Gastronomie machen wollen. Insbesondere während der Pandemie habe die Branche Mitarbeiter verloren, was aber gleichzeitig eine Chance für junge Menschen aus dem Ausland biete, hier Fuß zu fassen.
So zum Beispiel Luong, der im Brauhaus seit zehn Monaten eine Ausbildung zum Koch macht. Er sei nach Deutschland gekommen, weil es ein schönes Land sei und es hier gute Arbeit gäbe. Der 23-Jährige ist zufrieden mit seiner Ausbildung und sagt, dass Deutsch zwar schwer sei, er aber immer Fragen stellen könne.
Erber hat insgesamt neun vietnamesische Azubis, die „extrem zuverlässig und sehr pflichtbewusst“ seien. V-Unite empfindet er als professionell und bei Problemen gäbe es immer einen Ansprechpartner. „Jederzeit wieder“ würde auch Christian sich von der Agentur einen Auszubildenden vermitteln lassen. Um nach Deutschland zu kommen, müssen die jungen Leute zuerst einen Sprachkurs bei einer Partnersprachschule der Agentur in Vietnam absolvieren. Im Anschluss daran können sie sich auf eine von einem Partnerbetrieb ausgeschriebene Stelle bewerben. Wenn sich Auszubildender und Arbeitgeber nach einem Online-Interview füreinander entscheiden, kümmert sich V-Unite um Formalitäten wie das Visum.
Eine teure Investition
Zwischen 5000 und 8000 Euro zahlen die Auszubildenden für den Prozess vom Sprache lernen bis zum Flug nach Deutschland. Pham sei wichtig, dass sich diese große Investition für die jungen Vietnamesen lohne, weshalb er eine hohe Messlatte bei Partnerbetrieben ansetze. Sie sollten übertarifliche Bezahlung und vergünstigte Wohnungen anbieten. So hätten die Auszubildenden am Ende des Monats genug Geld übrig, um zu sparen und sich ein Leben in Deutschland aufzubauen. Es gäbe durchaus auch dubiose Vermittlungsagenturen, die die Situation der jungen Vietnamesen ausnutzen und sie an Betriebe mit geringer Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen vermitteln würden.
„Wir wollen es richtig machen“, sagt Pham. Bei ihrer Ankunft werden die Auszubildenden mit einem „Welcome-Event“ begrüßt, bei dem sie nicht nur alle notwendigen Formalitäten kennenlernen, sondern auch eine Stadtführung in Regensburg erhalten und ein bayrisches Wirtshaus besuchen, bevor sie schließlich ihre Ausbildung starten.
Der größte kulturelle Unterschied zwischen Vietnam und Deutschland sei laut dem Gründer die Feedback-Kultur: Vietnamesen würden Probleme nicht direkt ansprechen. Komme es dadurch zu Missverständnissen zwischen Azubi und Arbeitgeber, versuche er zu vermitteln. Obwohl die Vietnamesen vor ihrer Ankunft Deutsch lernen würden, gäbe es auch sprachliche Barrieren. Diese würden manchmal zu lustigen Situationen führen, wie Christian erzählt: So habe ein Kunde im Jolie ein Pils bestellt, da die Auszubildende das Wort aber nicht kannte, habe sie „Pilz“ verstanden und dem Kunden statt dem gewünschten Getränk einen Champignon gebracht. Doch ist der Fehler einmal gemacht, würden sich die Vietnamesen das Wort aufschreiben und zuverlässig lernen.
Die Mitarbeiter von V-Unite haben zu einem großen Teil selbst Migrationshintergründe und eine Ausbildung absolviert, sodass sie die Probleme der jungen Vietnamesen nachvollziehen könnten und aus Überzeugung handeln würden, erklärt Pham. „Wir wollen eine Brücke bauen, für junge Menschen und Unternehmen“, fasst er das Ziel seines Start-Ups zusammen und freut sich darauf, bereits Ende Oktober die nächste Auszubildendengruppe aus Vietnam in Regensburg willkommen zu heißen.