Hohenbogen-Kaserne: Vor 20 Jahren sagten die Soldaten Kötzting „Servus“

Am Ende half alles nichts: weder die landkreisweite Unterschriftenaktion noch die Kundgebung mit Fackelmarsch in Kötzting oder die Anstrengungen der politischen Vertreter. Am 30. Juni 2004 wurde die Hohenbogen-Kaserne geschlossen. Durch den Fall des Eisernen Vorhangs und dem Abzug der ex-sowjetischen Streitkräfte gab es keinen Feind mehr, den die Kötztinger Soldaten abhören mussten. „Die Bedingungen hatten sich verändert – die Schließung des Standorts war logische Konsequenz“, sagt Hubert Wenzl, Vorsitzender des Traditionsverein Hohenbogen-Kaserne. Der Verein hält die Erinnerung an die Garnisonsgeschichte von Kötzting aufrecht. Auch wenn die Erinnerung manches verklärt: Dass die Kötztinger Kaserne einen besonderen Ruf genoss, sagt auch Wenzl.
Ein Spruch, der sich änderte
Als 1961 die ersten Soldaten des Fernmeldesektors F vom Regiment in Feuchtwangen nach Furth im Wald beordert wurden (in Kötzting begann der Bau der Kaserne erst 1962), gab es noch den Spruch: „Wer nicht spurt, kommt nach Furth“. Wenzl: „Die Leute kannten den Bayerischen Wald nicht. Als sie aber merkten, wie schön es hier – und später in Kötzting – ist, änderte sich er Spruch. Jetzt hieß es: Wer hier nicht spurt, kommt wieder furt.‘“ Nach dem Bezug der Kötztinger Kaserne wurden die Soldaten in Kötzting heimisch, gründeten Familien, engagierten sich in Vereinen, und auch Einheimische kamen als Wehrdienstleistende und Zeitsoldaten hinzu. „Ab Mitte der 1970er wurde der Sektor bayerisch.“
„Absolute Spezialisten“
Beim Sommerfest der Unteroffiziere bekam die Bevölkerung einen Eindruck von der familiären Atmosphäre. Und: „Kötzting war bei militärischen Besuchern sehr beliebt, weil sie sich gut aufgehoben fühlten.“ Für die Berufs- und Zeitsoldaten sowie vergleichbare zivile Mitarbeiter des Sektor F bricht der ehemalige Standortchef eine Lanze: „Das waren gut ausgebildete, motivierte Spezialisten, ob nun als Aufklärer, Techniker oder in unterstützenden Bereichen tätig.“ Übrigens waren nur in Kötzting/auf dem Hohenbogen Berufssoldaten eingesetzt, die Tschechisch sprachen – ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Bundesrepublik. Und ein Umstand, der diese Soldaten weitestgehend vor einer Versetzung bewahrte...
Eine Kaserne und ein Fernmeldeturm
Der Anfang: Entlang des Eisernen Vorhangs wurden in der damaligen Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren fünf sogenannte Fernmeldetürme der Luftwaffe gebaut. Mithilfe der Technik in und an diesen Türmen gewannen die Soldaten Informationen über die Truppen des Warschauer Paktes, indem sie den gegnerischen militärischen Funkverkehr abhörten und erfasste Radarsignale analysierten. Zu jedem Fernmeldeturm gehörte eine Kaserne. 1959 wurde der Antrag zum Bau einer ständigen Truppenunterkunft in Kötzting gestellt. Im Herbst 1962 begannen die Bauarbeiten, am 24. November 1965 wurde Kötzting Garnisonsstadt. Bis zum Bezug der Kaserne diente den Soldaten des Fernmeldesektor F ab Oktober 1961 ein früheres Durchgangslager für Heimatvertriebene in Furth im Wald als Truppenunterkunft. Die Aufklärungstätigkeiten auf dem Hohenbogen begannen ebenfalls 1961 – zunächst im Rahmen einer zeitlich begrenzten Übung an der Forstdiensthütte, ab 1962 in einer ersten Einsatzstellung von der Eckwiese aus, im Dauerbetrieb rund um die Uhr, an jedem Tag des Jahres. Die Bauarbeiten des Fernmeldeturms auf dem benachbarten Schwarzriegel dauerten von 1964 bis 1967.
Die Blütezeit: Ab 1967 waren in Kötzting neben den Soldaten der Luftwaffe auch Heeressoldaten stationiert. 1975 wurde die Kaserne vergrößert, ab 25. April 1978 hieß sie Hohenbogen-Kaserne. Mitte der 1970er Jahre bis zum Ende des Kalten Kriegs war die personelle Blütezeit der Einheit: Hubert Wenzl spricht von 320 Dienstposten bei der Luftwaffe – die meisten davon Berufs- und Zeitsoldaten, dazu etwa 40 zivile Mitarbeiter und 50 Wehrdienstleistende – sowie etwa 90 Soldaten und zivile Mitarbeiter des Heeres.
Das Ende: Nach der Wiedervereinigung 1990 gab es bei der Bundeswehr Truppenreduzierungen und Standortschließungen. In Kötzting wurde die Einheit personell verkleinert und der Auftrag änderte sich: Mit mobilen Gerätesystemen wurde bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr nun Fernmelde- und elektronische Aufklärung betrieben. Der Fernmeldeturm diente dem Sektor F nur noch zur Ausbildung und Inübunghaltung seines Personals. 2000/2001 gab es eine umfangreiche Reorganisation der Bundeswehr. Im Zuge dessen wurde der Standort Kötzting 2004 geschlossen.




