Neues Leben in Kelheims früherer Bahnhofsgaststätte – Diese Küche wird dort serviert

Von Beate Weigert · 14. September 2024 um 19:00

Erst im Sommer war ein Neustart in den früheren „Bürgerstub’n“ erfolgt. Jetzt eröffnete binnen kurzer Zeit das zweite Restaurant in dem Kelheimer Traditionshaus.

Nur wenige Meter vom früheren Bahnhof liegt Kelheims Bahnhofsgaststätte entfernt. Dort waren lange Zeit die „Bürgerstub’n“ zu finden. Dann standen die Räume leer. Im Sommer leuchtete ein neues Namensschild am Straßenrand. Das Lokal „Der Sultan“ war aber nach kurzer Zeit bereits wieder Geschichte. Nun wird eine ganz andere Küche geboten. Der neue Pächter ist gekommen, um (länger) zu bleiben, wie er sagt.

Der „Neue“ heißt Satvinder Hanjra. Der 48-Jährige stammt aus Nordindien. Dort ist er geboren und aufgewachsen. Seit knapp 30 Jahren lebt er aber in Bayern. Er arbeitete viele Jahre in der Gastronomie.

Auch Lokal in Ingolstadt

Kelheim ist ihm nicht neu. „Eine sehr schöne, kleine Stadt“, sagt der neue Gastronom. Vor 15 Jahren war er schon das ein oder andere Mal da, weil Verwandtschaft hier lebte.

„Ich bin gelernter Koch“, sagt Hanjra. Er habe in Lokalen mit deutscher, italienischer oder auch thailändischer Küche gearbeitet, bevor in ihm die Idee reifte, sich selbstständig zu machen, so der neue Pächter des „Bollywood“. Der Name sei so gewählt, dass die Leute gleich wüssten, welche Küche sich dahinter verbirgt.

Sein erstes, indisches Restaurant sei 2006 das „Ayurveda“ nahe der Theresienwiese in München gewesen, sagt er. Dieses hat inzwischen einen anderen Inhaber. 2017 kam das „Shiv“ in München-Aubing hinzu. Dieses führe seine Frau. In Ingolstadt führe man zudem das „Bombay Palace“. Und nun seit etwa zwei Wochen das „Bollywood“ in der Bahnhofstraße.

Gastraum erlebte eine Verwandlung

Wer den Gastraum von früher kennt, wird überrascht über die Verwandlung sein. Weiße Wände sind nun lila. Ein Kronleuchter, bunte Bilder und Tischdecken prägen den Gastraum. „Indien ist ein Land mit vielen Farben.“ Das müsse sich widerspiegeln. Hans Auer senior von der Brauerei Frischeisen zu der die Gaststätte – neben dem Stammhaus, dem Donaugarten/Holzwurm und dem Wirtshaus in Peterfecking – gehört, ist froh, über den neuen Pächter. Interessenten stünden heutzutage nicht mehr Schlange. Der Vorgänger („Der Sultan“) hatte sich auf Frühstück und Brunch spezialisieren wollen. Etwa einen Monat nach der Eröffnung im Sommer habe der Betreiber aber gesundheitliche Gründe angeführt und war ausgestiegen.

Lange Tradition

Dabei hatte die Brauerei nachdem der Vorpächter von der „Bürgerstub‘n“ aufgehört hatte, den Leerstand 2022/23 genutzt, um das Gebäude aus der Zeit um 1900 grundlegend zu renovieren. Das Dach ist neu, die Außenfassade, die Fenster. Die neue Küche vom Vorpächter Dietz wurde abgelöst. Die Gaststätte hat eine lange Tradition in Kelheim. „Das war über Jahrzehnte ein gut geführtes Haus.“ Lange Jahre kannten die Kelheimer die Pächter-Familien Huber und Kügel. Früher sei hier auch viel Bier getrunken worden. Schon am Vormittag hatten die „Frühschoppler“ Tradition. Dann gab es den Mittagstisch. Viele Gäste seien am Nachmittag oder Abend erneut ins Wirtshaus gekommen. Zuletzt führte Christian Dietz den Betrieb.

Wie lange die Gaststätte genau zur Brauerei Frischeisen gehört, vermag Hans Auer ad hoc nicht sagen. Aber in den 1930er und 1940er Jahren habe das Haus sicher schon dazu gehört.

Auch Mittagskarte wird angeboten

Satvinder Hanjra will die Tradition fortführen. „Ich liebe meine Gäste“, sagt der 48-Jährige, der das Gesicht im Restaurant sein wird. Auf der Karte stehen „viele Grillsachen, Tandoori-Gerichte, Gerichte mit Fleisch, aber auch vegetarische und vegane. Oder Thalis, das sind indische Platten auf denen man verschiedene Gerichte ausprobieren kann. Auch eine Mittagskarte wird angeboten. Zudem hat der Pavillon im Garten eine neue Bestimmung. Dort gibt es einen Straßenverkauf. Hanjra setzt dort auf Döner, Pommes und Co.

Im Garten zeigt ihm Hans Auer, wo einst das Gleis hinter dem Gebäude hinüber zur Zellstoff führte. Die Zeiten sind längst vorbei. Heute ist dort der Donaupark. Im Wirtshaus brechen nun neue Zeiten an.

Kelheims Bahnhof

Donautalbahn: 150 Jahre ist es her, dass die Donautalbahn gebaut worden ist. Weil der direkte Gleisanschluss Kelheims einen teuren Tunnel parallel zum Donaudurchbruch nötig gemacht hätte, erhielt die Stadt als Ausgleich nur einen 5,5 Kilometer langen Stichanschluss ab Saal, ist auf Wikipedia zu lesen. Diese wurde 1875 eingeweiht.

Verkehr: Bis in die 1960er war der Personenverkehr auf der Strecke Saal-Kelheim rege. Ab den 1970ern änderte sich das stark. 1988 fuhr der letzte Personenzug. Ein großer Güterkunde war lange Jahre das Zellstoffwerk. Mit dem Konkurs 1993 war der Güterkunde am Streckenende Geschichte. 1997 wurde die Fünf-Kilometer-Strecke gänzlich stillgelegt. Nur 500 Meter blieben als Anschlussgleis zum Faserwerk (heute Kelheim Fibres) und zum Hafen. 2015 wurde die Teilstrecke ab Fibres entwidmet.

Bahnhof: In das Empfangsgebäude des Kelheimer Bahnhofs zog 2002 die Polizeiinspektion.

Blick auf das markante Gebäude in der Bahnhofstraße 22