„Die Rolle ist ein großer Glücksfall“: Harald Krassnitzer über 25 Jahre als „Tatort“-Kommissar

Von Martin Weber · 11. September 2024 um 21:00

Er ist ein Kommissar mit Ecken und Kanten: Seit 25 Jahren ermittelt Harald Krassnitzer als Moritz Eisner im „Tatort“ aus Österreich. Im neuen „Tatort: Deine Mutter“ (15. September, ARD) bekommen es Eisner und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zum Start in die Krimisaison mit einem Mord im Gangsterrapper-Milieu zu tun.

Krassnitzer kam 1960 in der Nähe von Salzburg zur Welt, er ist gelernter Speditionskaufmann und machte eine Schauspielausbildung in Salzburg. Bekannt wurde er 1997 mit der Titelrolle in der Serie „Der Bergdoktor“.

Das Interview im Wortlaut:

Herr Krassnitzer, seit 25 Jahren spielen Sie den Wiener „Tatort“-Kommissar Moritz Eisner. Ein Vierteljahrhundert ist ein ganz schönes Pfund, oder?

Harald Krassnitzer: Kann ich so nicht sagen, weil mir solche Größenordnungen gar nicht wichtig sind. Ich habe die Rolle damals ja nicht deshalb angenommen, um sie möglichst oft zu spielen und eine Art Meisterschaft zu gewinnen (lacht). Im Wesentlichen ging es darum, dass mir die Konstellation Spaß gemacht hat – und das tut sie bis heute. Ich glaube, es gelingt uns noch immer, gute Geschichten zu erzählen, und das ist nach wie vor der wichtigste Antrieb für mich.

Wundert es Sie gar nicht, dass es schon so lange geht?

Krassnitzer: Doch, in gewisser Weise wundert mich das schon. Aber für mich ist es immer noch so, als hätten wir gerade gestern angefangen, da ist noch viel Lebendigkeit drin. Deshalb tue ich mich mit der Zahl 25 auch so schwer, das löst keine Resonanz in mir aus, um es mal so zu sagen. Der eigentliche Antrieb ist immer der nächste Film, das nächste Projekt – und nie die Tatsache, dass wir schon gefühlt 180 000 „Tatorte“ gedreht haben (lacht).

Sind Sie stolz, dass Sie zu den dienstältesten Kommissaren der Krimireihe zählen?

Krassnitzer: Mit dem Stolz ist das so eine Sache, weil man ja nie weiß, ob das alles auch wirklich so gelungen ist, was man da gemacht hat. Ich bin jemand, der gerne mit einem Film hadert, auch wenn andere sagen, dass das gut und ein Erfolg war. Also stolz bin ich nicht, dankbar aber schon. Dafür, dass ich damals die Möglichkeit bekommen habe, den Eisner zu spielen, und dafür, dass mir das immer noch Spaß macht. Die Rolle ist ein großer Glücksfall.

Als Sie 1999 angefangen haben, hat man in Österreich noch mit dem Schilling bezahlt, in Deutschland mit der Mark, und Sie waren ein noch vergleichsweise junger Mann. Denken Sie gerne an diese Zeit zurück?

Krassnitzer: Nein, und zwar nicht, weil es keine schöne Zeit war. Sondern, weil ich keinerlei sentimentalen Gefühle habe, was die sogenannten alten Zeiten betrifft. Wenn man anfängt von alten Zeiten zu schwärmen, dann schwingt da immer mit, dass man mit der Zeit, in der man gerade lebt, nichts anfangen kann.

Auf der halben der bisherigen Strecke als Kommissar ist Adele Neuhauser als Kommissarin Bibi Fellner dazugestoßen. Wie wichtig ist sie für den Wiener „Tatort“?

Krassnitzer: Sie ist existenziell wichtig. Als die Adele dazukam, wurde das ein richtiges Team, eine Beziehung ist entstanden, und das hat natürlich ganz neue Möglichkeiten des Erzählens geschaffen. Eisner war vorher ja ein Lonesome Cowboy, und seit Bibi Fellner dabei ist, muss er sich permanent mit jemandem auseinandersetzen. Das tut ihm gut und mir auch. Die Adele ist für den „Tatort“ ein ganz großes Geschenk.

Die beiden führen eine rein platonische Beziehung. Geht irgendwann noch einmal was zwischen den beiden?

Krassnitzer: Ganz klares Nein. Erstens ist es nicht relevant, und zweitens würde es ganz viel von dem wegnehmen, was wir erzählen wollen. Es würde keinen Sinn machen, wenn die beiden ein Liebespaar bildeten, und es würde diese wunderbare Freundschaft mit all ihren Ambivalenzen und dieser ganz besonderen Spannung zerstören. Das darf nicht sein. Ist ja auch schön, wenn der Zuschauer denkt: Jetzt könnte es passieren.

Sind Sie auch privat miteinander befreundet?

Krassnitzer: Sind wir, aber ganz anders als der Moritz Eisner mit der Bibi Fellner. Das wäre auch fatal, weil das ziemlich anstrengend für uns beide wäre (lacht). Wir sind schon eng miteinander befreundet, und in gewisser Weise ist jeder von uns eine sichere Bank für den anderen. Also jemand, bei dem man anrufen kann, wenn es mal nicht so gut läuft, und der dann ein offenes Ohr für einen hat.

• „Tatort: Deine Mutter“, Sonntag, 15. September, ARD, 20.15 Uhr