Droht Regensburg schon die nächste Flut? Wasserwirtschaftsamt sieht gefährliche Gemengelage

Von Benedikt Baumgartner · 10. September 2024 um 14:27

Die Tonlage ist alarmierend. Das Wetter-Portal wetter.com warnt vor „massiven Regenmassen“, die sich auf den Südosten Deutschlands zubewegen. Ronald Porschke, Meteorologe des Portals, warnt dort: „Es könnte ein sehr großes Hochwasser im Südosten Deutschlands (...) bevorstehen.“ Akute Gefahr wird für Regensburg aber noch nicht prognostiziert.

Die Hochrechnungen vom Wochenstart würden zwar noch einige Unsicherheiten bergen, doch sollten sie zutreffen, geht Porschke grob von der dreifachen Regenmenge und in der Fläche von deutlich mehr Niederschlag aus, als Anfang Juni zum Hochwasser führte.

„Wachsamkeit ist Devise“

„Gemessen an bisherigen Hochwassern, würde das alles, wirklich alles in den Schatten stellen“, lautet die schrille Warnung auf wetter.com. Überregionale Medien stimmen in den alarmistischen Ton ein und prophezeien ein „sehr großes Hochwasser“ in Südostdeutschland. Doch wie verlässlich ist die frühzeitige Prognose? Und wird Regensburg erneut vom Hochwasser betroffen sein? „Wachsamkeit ist die Devise derzeit“, sagt Rainer Zimmermann, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Regensburg. Nach derzeitigem Wissensstand könne es aber gut sein, dass der Kelch diesmal an Regensburg vorbeigehe. Zimmermann sieht Teile Österreichs und Tschechiens aktuell stärker gefährdet.

Wassermassen kommen vom Mittelmeer

Auch Holger Ott, Sachgebietsleiter des Hochwassernachrichtendienstes am Wasserwirtschaftsamt, beobachtet die Entwicklung genau. „Die Gemengelage birgt ein Gefährdungspotenzial“, urteilt er mit Blick auf warme und feuchte Luftmassen, die sich vom Mittelmeer über Italien nach Südosteuropa bewegen. Durch die extrem hohen Temperaturen des Meeres stecke besonders viel Energie in den aufgestiegenen Wassermassen in der südeuropäischen Luft. „Die sind geneigt, hohe Niederschläge zu generieren, also Dauerregen“, sagt Ott. Nur seien Vorhersagen mit mehr als drei Tagen Vorlauf mit Vorsicht zu genießen. Bis zum Wochenende sei es noch eine Zeit lang hin, da seien Prognosen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

Auf drei Wettermodellen stützt Ott seine Vorhersage. Alle drei seien sich einig, dass es zum Ende der Woche in Südostbayern zu erheblichem Niederschlag komme. Allerdings sinke auch die Schneefallgrenze auf etwa 1300 Meter ab. Und Niederschlag, der als Schnee fällt, löse kein Hochwasser aus, sagt Ott.

„Man hat es am Schirm, aber Vorwarnung wäre mir zu früh“

Außerdem sei mit so viel Vorlauf schwer zu prognostizieren, wie weit sich das Tiefdruckgebiet, das den Niederschlag bringt, „reindreht“. 50 Kilometer seien ein Katzensprung, würden aber einen großen Unterschied ausmachen. Finde dauerhaft starker Regen etwa nicht im Gebiet der Donauzuflüsse Iller und Lech, sondern an Isar und Inn statt, könnte beispielsweise Passau gefährdet sein, Regensburg aber verschont bleiben, gibt Ott ein Beispiel. Entsprechend lautet sein Fazit: „Man hat es am Schirm, aber jetzt eine Vorwarnung rausgeben, wäre mir zu früh.“ Schließlich sollen solche Warnungen zu vorbereitenden Handlungen führen, daher fahre man einen eher konservativen Kurs bei Wasserstandsmeldungen.

Zwei Tage Vorlaufzeit

Außerdem sei man in Regensburg in der komfortablen Lage, dass man bei einer Flut, die von Lech und Iller auf die Donau zurollt, den „Aufbau der Hochwasserwelle“ beobachten könne. So habe man rund zwei Tage Vorlaufzeit, bis das Hochwasser in Regensburg ankäme.

Auch Zimmermann hält Vorkehrungen in Regensburg noch für verfrüht. „Die Hauptfrage ist: Wo trifft es ein?“ Kritisch für Regensburg würde das prognostizierte Starkregenereignis eben nur, wenn es sich im Allgäu an den Oberläufen der Donau oder im Bayerischen Wald entlade. Vollständige Entwarnung will Zimmermann aber ebenso wenig geben: „Grundsätzlich ist es eine sensible Wetterlage. Man muss das genau beobachten.“