Probleme im Köferinger Graf-Lerchenfeld-Quartier: Das lange Warten auf den Einzug

78 Keller im Graf-Lerchenfeld-Quartier in Köfering, Landkreis Regensburg, weisen schwere Mängel auf. Die Bauherren machen die Vorgängerfirma Liaton dafür verantwortlich. Doch einige verlieren wegen der Verzögerungen die Geduld.
Ein junges Paar stapft am Donnerstag um ein Einfamilienhaus herum, das von einem Gerüst umgeben ist. Die Frau tritt durch die Tür, schaut sich in den Innenräumen um. „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir nicht gekauft“, sagt ihr Mann. Der vereinbarte Einzugstermin vom April 2023 ist längst verstrichen. Die Urban Green Wohnbau GmbH, die nach den Pleiten der Vorgängerfirmen Liaton I und II erst Anfang dieses Jahres den Weiterbau im Köferinger Graf-Lerchenfeld-Quartier übernommen hat, nennt nun den Dezember 2024 als neuen Termin. „Aber das wird ja nichts“, befürchtet der Ingenieur. „Der Fehler liegt nicht bei Urban Green, sondern bei Liaton.“
Es gibt Probleme mit Feuchtigkeit im Keller. Ein Verpresser soll alles abdichten. Dem jungen Vater geht es zu langsam. „Hier müssten 200 Leute herumwuseln, warum arbeitet nur eine Sanitärfirma?“ Verzögerungen kosten viel Geld, denn die Familie zahlt den Kredit und die Wohnungsmiete. „Das Baukindergeld ist flöten gegangen und die KfW-Förderung ist in Gefahr“, sagt der 35-Jährige.
Klage wegen Verzögerung
Nach der Insolvenz der Liaton II hat sich Urban Green vertraglich verpflichtet, 170 Häuser fertigzustellen. 78 Bauherren kämpften mit nassen Kellern, sagt Geschäftsführer Marc Herbst. Sieben davon sind eingezogen. Herbst betont beim Gespräch in seinem Büro im Regensburger Westen, er sei sich bewusst, dass es hier um Schicksale gehe.
Joachim Weinberger hat sein Haus vermietet. Er schickt der Mediengruppe Bayern eine Mängelliste. Das größte Problem: „Der Keller ist undicht, weil Baumängel da sind von der Liaton her.“ Die Photovoltaikanlage sei nicht komplett installiert, der Energiespeicher fehle, die Heizung weise Mängel auf, sagt der 46-Jährige. Er habe die Urban Green wegen der Verzögerung verklagt. Seinen richtigen Namen möchte er wegen des Rechtsstreits nicht in der Zeitung lesen. „Das Schlimmste: null Kommunikation“, sagt er. Übergabetermin wäre der 1. Juli gewesen. Die Mieter haben eine Mietminderung geltend gemacht.
Bei Johannes Lindner (Name geändert) und war der vereinbarte Einzugstermin in eine Doppelhaushälfte im März 2023, ein neues Datum gibt es noch nicht. „Außen ist es als Haus erkennbar, aber innen fehlt viel“, sagt der 34-Jährige. Ein Gutachter hat eine Mängelliste erstellt. Auch in Lindners Keller dringt Wasser ein. „Liaton hat gepfuscht“, sagt er. Das Ehepaar zahlt wie viele andere doppelt: Wohnungsmiete, Kredit und Bereitstellungszinsen. Es sei höchst ärgerlich, dass die Liaton-Geschäftsführer wegen der GmbH-Form nicht haftbar gemacht werden könnten.
Eine weitere Familie wohnt seit Sommer 2023 in ihrem Reihenhaus, ebenfalls mit vielen Mängeln. Sie zog in den unfertigen Bau, weil sie die Mietwohnung schon gekündigt hatte und wegen des Kitaplatzes in Köfering gemeldet sein musste.
Marc Herbst von Urban Green sagt, das Haus von Joachim Weinberger habe im November Liaton II abgenommen. „Es war fertig, es gab aber Restmängel. Uns war das nicht bewusst. Wir haben einen Vertrag geschlossen.“ Kommunikationsmitarbeiter Michael Fischer ergänzt: „Da wurden viele Sachen übernommen, die Murks sind.“ Auch bei anderen Häusern. Aber Weinberger sei „null gesprächsbereit gegenüber uns“. Die Geschäftsführung betont: „Wir versuchen gerade alles, um zu helfen.“ Laut Urban Green haben die beiden Liaton-Firmen die Keller aller Häuser in den ersten zwei Bauabschnitten falsch ausgeführt. Als Folge des Starkregens im Frühsommer hätten sich die Schäden gezeigt. Besonders schwierig sei die Lage, weil die Häuser auf durchgehenden Bodenplatten stehen. Auch diese seien zum Teil nicht fachgerecht erstellt worden.
Herbst sagt: „Der Baufortschritt muss von den Kunden bezahlt werden, die Baumängel werden nicht über die Kunden abgerechnet.“ Der Urban-Green-Geschäftsführer bedauert, es kursierten viele Fehlinformationen. „Wir haben keine finanziellen Probleme.“
Allerdings hätten die Bauherren rund zwei Millionen Euro noch nicht bezahlt. „Ein Kunde hat für 70000 Euro Fenster einbauen lassen. Da fehlt eine Scheibe – und er zahlt nicht.“ Weil die Urban Green Zweifel ausräumen und Gerüchten begegnen möchte, zurrt sie nun mit allen Betroffenen Gesprächstermine fest.
Der Bauherr Ludwig Rösl (Name geändert) bricht eine Lanze für die Firma. In Gesprächen mit Beteiligten – Mitarbeiter, Bauleiter, Subunternehmer – habe er den Eindruck gewonnen, dass Urban Green erhebliche Anstrengungen unternimmt, um trockene und bewohnbare Keller zu ermöglichen. In vielen Fällen seien schwierige Sanierungsmaßnahmen erforderlich, da die Altlasten von Liaton gravierender seien, als zunächst angenommen, und das brauche leider Zeit. Dass ausgebaute Keller jetzt teilweise komplett zurückgebaut werden müssten, um Undichtigkeiten in der Bodenplatte und den Fugen zu beheben, verdeutliche die schwierige Lage.
Viele im Baugebiet teilten die Auffassung, „dass wir weiterhin froh sein sollten, dass Urban Green übernommen hat. Andernfalls wäre es schwer gewesen, zu den alten Preisen weiterzubauen“. Er habe Vergleichsangebote eingeholt, bei denen eine Nachfinanzierung von 150000 bis 300000 Euro notwendig gewesen wäre. Was zweifellos besser laufen müsse, sei die Kommunikation.
Investor Markus Dirnberger von der Graf Lerchenfeld Quartier GmbH (GLQ) hält sich bedeckt: Diese sei lediglich Verkäuferin der Grundstücke. Als solche sei sie bereit, den vertraglich begründeten, gesetzlichen Gewährleistungspflichten bei etwaigen Mängeln, für die die GLQ verantwortlich sei, unverzüglich nachzukommen. Für Störungen aus dem mit den Kunden bestehenden BGB-Verbraucherbauvertrag sei alleiniger Vertragspartner die Urban Green.
Investor grenzt sich ab
Auf diese klare Trennung der Vertragsbeziehungen und den Ausschluss einer gesamtschuldnerischen Haftung sei in der Vorbemerkung des Notarvertrags ausdrücklich hingewiesen worden. „Versuche, uns in die Verantwortung mit einzubeziehen, müssen wir entschieden zurückweisen und werden, soweit erforderlich, auch gebotene klarstellende Maßnahmen einleiten.“
Die Frage, ob der im Januar von der GLQ angekündigte, auf einem Treuhandkonto liegende Sonderfonds für die Kellersanierungen verwendet werde, beantwortet Dirnberger nicht.
