Er eilte Frauen zur Hilfe: Malle-Sänger in Regensburger Club zusammengeschlagen

Von Philip Hell · 9. September 2024 um 17:00

Es begann als schöner Abend unter Freunden und endete in einem Albtraum: Der Regensburger Nachwuchs-Mallesänger Marlon Stein wurde vorvergangene Woche in einer Regensburger Diskothek zusammengeschlagen. Nun will er seine Geschichte erzählen, um über Zivilcourage aufzuklären.

„Ich war mit einem befreundeten DJ im Club“, sagt Stein zur MZ. „Es war ein wirklich schöner Abend.“ Gegen halb vier seien ihm drei Frauen aufgefallen, die scheinbar von einem Mann bedroht wurden. „Ich bin dann einfach hin und hab ihn angesprochen“, sagt Stein. Der Mann habe ihn blöd angemacht, sagt der 20-Jährige, der als DJ Palma auf Mallorca unterwegs ist. Er sei auch geschubst worden. „Ich habe mir gedacht: Von dem muss ich mich nicht anfassen lassen.“ Er sei daraufhin zum Security-Mitarbeiter, der den Mann von den Frauen trennte.

Opfer will aufklären

Etwa eine halbe Stunde später habe der Club zugesperrt. Stein wollte gehen, doch der Mann lauerte ihm auf und ging auf ihn los. Stein sagt, er sei zu Boden gegangen und mit dem Rücken auf die Treppe geknallt. Dadurch habe er sich zahlreiche Verletzungen zugezogen – unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma. „Fünf Zentimeter weiter unten und ich wäre wahrscheinlich tot.“ Stein verlor das Bewusstsein, er kam erst im Krankenwagen wieder zu sich. Von Freunden erfuhr er später, dass auch die Polizei anrückte.

Die Beamten bestätigen den Fall auf MZ-Anfrage. Ein 21-Jähriger habe in der Diskothek drei Frauen angesprochen, die sich dadurch gestört gefühlt hätten. Auch die körperliche Auseinandersetzung bestätigen die Beamten. Die Polizei ermittle weiter.

Marlon Stein hat auch jetzt noch starke Schmerzen. „Ich werde meinen Unterarm wohl nie wieder komplett bewegen können.“ Zugleich sagt er aber auch: „Ich bin froh, dass ich den Frauen helfen konnte.“ Er sagt, er sei an die Öffentlichkeit gegangen, um mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Zivilcourage im Nachtleben zu lenken. Er sei als Nachwuchs-Schlagersänger viel unterwegs, immer wieder erlebe er brenzlige Situationen. „Am Ballermann gibt es immer wieder solche Situationen – aber auch in Regensburg.“

Für die Polizei sei Förderung von Zivilcourage ein wichtiger Bestandteil der Arbeit, schreiben die Beamten auf ihrer Webseite. Präsidiumssprecher Anna Beyer rät dazu, zu helfen, sich aber unter keinen Umständen selbst in Gefahr zu bringen. Ein wichtiger erster Schritt sei es, den Polizeinotruf 110 zu wählen. Zudem sollte man in Gefahrensituationen andere Menschen in der Nähe um Mithilfe bitten, um nicht alleine zu agieren. Es sei darüber hinaus wichtig, sich gewisse Tätermerkmale, also etwa das Aussehen oder die Kleidung, einzuprägen. Außerdem rät die Polizei dazu, sich um die Opfer zu kümmern und als Zeuge auszusagen.

Club bringt Gäste zum Auto

Der Geschäftsführer des Clubs erkundigt sich sofort nach dem Befinden von Marlon Stein, als ihn die MZ nach dem Vorfall anruft. Er bedauere die Ereignisse selbstverständlich. „Wir verurteilen das aufs Schärfste“, betont er.

Er empfiehlt Menschen, die unschöne Szenen im Nachtleben mitbekommen, umgehend zu einem der Security-Mitarbeiter zu gehen, wie es auch Marlon Stein getan hat. „Die stehen überall im Laden und sind immer ansprechbar“, betont der Geschäftsmann. „Sie sind für solche Vorfälle ausgebildet.“ Zunächst versuchten die Sicherheitskräfte, die Lage zu deeskalieren. „Die nehmen die Betroffenen zur Seite, um offen zu sprechen und die Situation zu klären.“ Das sei auch anonym möglich. Natürlich werfe man Störenfriede auch aus dem Club, wenn es notwendig ist. Man könne jedoch trotz strenger Kontrollen an der Eingangstür kaum verhindern, dass Aggressoren in den Club kommen. „Man hat 500 Besucher, die total cool sind, aber halt auch immer einen Idioten“, sagt der Geschäftsführer. In seinem Laden lege er sehr großen Wert auf die Sicherheit seiner Gäste. „Wenn es notwendig ist, bringen wir auch Leute zum Auto.“ Das gelte sowohl für Frauen, als auch für Männer, betont der Geschäftsmann.