Schwandorfer Tafel fährt bald auch Lebensmittel für bedürftige Kunden aus

Von Hubert Heinzl · 5. September 2024 um 19:00

Die Schwandorfer Tafel hat jeweils eine Ausgabestelle in der Großen Kreisstadt und in Maxhütte-Haidhof. Doch in Bälde werden besonders bedürftige Kunden mit Lebensmitteln auch direkt beliefert. Im Oktober soll der Service starten. Zurzeit werden dafür aber noch Ehrenamtliche gesucht.

Aufgenommen wurde das mobile Angebot erstmals in der Corona-Zeit, als die Tafeln teilweise über Monate geschlossen blieben. Aber der Service war punktuell und auf das Städtedreieck beschränkt. Aus der Not von damals will man nun eine Tugend machen. Denn der Bedarf ist gegeben, wie Tafel-Koordinator Christoph Imbach berichtet.

Etliche Rentner bleiben aus

Das hängt nach seinen Erfahrungen damit zusammen, dass sich vor allem ältere und gesundheitlich eingeschränkte Menschen an den Ausgabestellen seltener blicken lassen. Die Gründe seien vielfältig. „Schon immer nutzen viele Rentner das Angebot der Tafeln nicht, weil sie sich einfach wegen ihrer Armut schämen“, weiß Wolfgang Reiner, geschäftsführender Vorstandschef im Caritas-Kreisverband.

Und für etliche Kunden aus weiter entfernten Orten wie Nittenau oder Bruck seien die Wege einfach zu lang. „Wenn sie dann nicht mehr von Bekannten mitgenommen werden, weil die zu alt sind, dann schaffen die das nicht mehr“, so Imbach.

Kein flächendeckender Lieferdienst

Einen flächendeckenden Lieferdienst im Einzugsbereich der Schwandorfer Tafel – also von Ponholz bis Schwarzenfeld, von Nittenau bis Schwandorf – können die Ehrenamtlichen nicht leisten.

Geliefert werden soll im Oktober deshalb zunächst an 19Haushalte, zu denen bereits Kontakt besteht. Ausgewählt wurden sie nach festgelegten Kriterien – von der Lebenssituation über psychische oder andere Erkrankungen bis hin zur Dauer der bisherigen Kundenbeziehung. Aber auch weitere Interessenten sind grundsätzlich willkommen. Für den neuen Service hat die Schwandorfer Tafel inzwischen einen gebrauchten Lieferwagen mit Kühlung erworben. Finanziert wird die Anschaffung von den drei Trägern Caritas, BRK-Kreisverband und Arbeiterwohlfahrt. „Aber natürlich wollen wir möglichst viel von den Kosten über Spenden wieder hereinbekommen“, sagt Koordinator Imbach.

Türen öffnen für die Sozialberatung

Er verspricht sich von dem neuen Angebot auch Unterstützung bei seiner Tätigkeit als Sozialberater: „Das ist ein kleiner Türöffner und schafft die Möglichkeit, niederschwellig Kontakte herzustellen.“

Um die Kunden durch den neuen Service nicht ins Rampenlicht zu rücken, verzichtet die Tafel beim Lieferwagen ganz auf das typische Logo. „Und wir legen Wert auf Nachhaltigkeit und wollen mit möglichst wenig Verpackungsmaterial auskommen“, sagt Imbach. Geliefert wird in handelsüblichen Lebensmittelkisten, für die zehn Euro Pfand zu entrichten sind. Falls das Angebot nicht mehr gewünscht wird, gibt es den Betrag zurück. Die Essenspakete selbst kosten vier statt der üblichen drei Euro bei Selbstabholung. „Aber auch das ist natürlich nur ein symbolischer Beitrag“, wie Caritas-Chef Reiner hervorhebt.

Um das Angebot stemmen zu können, sind laut Imbach noch weitere Helfer erforderlich. Vor allem für Maxhütte-Haidhof und Umland werden noch ehrenamtliche Fahrer und Mitarbeiter in der Lebensmittelausgabe gesucht. Aber auch die Zentrale in Schwandorf könnte noch Entlastung gebrauchen – nicht nur beim Transport, sondern beispielsweise auch in der Verwaltung. Denn hinter der Ladentheke fällt immer auch jede Menge Büroarbeit an, die die Verantwortlichen gerne auf mehrere Schultern verteilen würden. Etwa 100 Ehrenamtliche sind zurzeit für die Schwandorfer Tafel im Einsatz.

Momentan 1500 Kunden in der Kartei

Die Zahl der Klienten hat sich nach einer deutlichen Steigerung durch den Ukraine-Krieg inzwischen stabilisiert – allerdings auf hohem Niveau. In der Kundenkartei sind aktuell rund 1500 Menschen aus 900 Haushalten erfasst, berichtet Imbach. Das Allzeithoch lag nach seinen Worten sogar bei etwa 1700. Weil die Lebensmittelspenden nicht üppiger geworden sind, wurden die Essensrationen abgespeckt, sank die Zahl der Ausgabetage in Schwandorf von drei auf zwei. Von einem Aufnahmestopp hat man abgesehen.

Kunden, die beliefert werden wollen oder weitere ehrenamtliche Helfer können sich bei den Ausgabestellen der Tafel melden – in Schwandorf unter Telefon (09431) 7588942 (Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 12 Uhr), in Maxhütte-Haidhof unter der Nummer (09471) 6055816 (montags von 11 bis 13 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 Uhr).

Sie informierten über das neue Angebot: Tafel-Koordinator Christoph Imbach (r.) und Wolfgang Reiner, geschäftsführender Vorsitzender des Vorstands im Caritas-Kreisverband Schwandorf. Foto: Hubert Heinzl