Musik auf der Regensburger Dult: Pop aus der Oberpfalz kommt richtig gut an

Es ist der Dreiklang eines bayerischen Volksfests: Bier, Tracht – und gute Musik. Ohne eine Band, die den Besuchern von der Bühne aus einheizt, geht deswegen natürlich auch auf der Regensburger Dult nichts. Die Musiker haben allerdings jedes Jahr aufs Neue die Qual der Wahl: Welche Songs sind gefragt? Ein Patentrezept gibt es dabei nicht, wie die Mittelbayerische erfahren hat.
Kevin Düringer steht gerade auf der Bühne des Glöckl-Zelts und baut einen Mikroständer auf. Am Abend wird er hier mit seiner Band Wolke7 spielen. Die ist schon viel rumgekommen. Auch auf dem Oktoberfest spielt sie regelmäßig. Und natürlich hatten Wolke7 vergangenes Jahr auch den damaligen Wiesn-Hit „Sara Perche Ti Amo“ von Ricci e Poveri im Programm. Heuer gibt es zumindest bislang noch keinen klaren neuen Volksfest-Hit, findet Düringer. Einzig bei Hochzeiten habe er einen Trend festgestellt. Hier erlebe der Song „Unwritten“ von Natasha Bedingfield ein Revival. Der stammt eigentlich aus dem Jahr 2004, durch einen Kinofilm-Soundtrack stand er zuletzt auf einmal sogar wieder in den deutschen Singlecharts. „Wir spielen ihn heute auch auf der Dult. Mal schauen, wie er ankommt“, sagt Düringer.
„Ein Segen für die Dult“
Wolke7 werden an diesem Abend auf jeden Fall aber auch einen Song eines Oberpfälzer Sängers spielen. An dem kommt eine Band in einem der Festzelte in der Region derzeit nicht vorbei: „Mein Herz macht Bamm“ vom Schwandorfer Schlager-Rapper Tream. Und da passt es gut, dass Wolke7-Bassist Philipp Zimmermann auch Teil der Live-Band von Tream ist. Bald startet eine große Tour mit Auftritten in der Regensburger Donau-Arena und der Münchner Olympiahalle. „Der Erfolg von Tream ist für die Regensburger Dult und fürs Bierzelt allgemein doch ein Segen. Das ist der kommende Pop-Schlager-Star schlechthin“, findet Düringer.
Den Tream-Song wird am Abend auch Manuel Opitz mit den Stoapfälzer Spitzbuam spielen. Er baut gerade sein Schlagzeug auf der Bühne des Hahn-Zeltes auf. „Mein Herz macht Bamm“ sei einfach ein Hit, „das kennen hier alle“, erzählt Opitz. Tream selbst hat der Mittelbayerischen erzählt, dass er es mitbekommen hat, dass sein Song vielfach gecovert und auf bayerischen Volksfesten gespielt wird: „Da fühlt man sich natürlich geehrt“.
Das Gefühl, dass der eigene Song von tausenden Menschen gesungen wird, dürfte der Sänger Peter Schilling schon seit Jahrzehnten kennen. Sein großer Hit „Major Tom“ startete in den Achtziger Jahren durch. Manuel Opitz von den Spitzbuam erzählt, dass er bei den Volksfestbesuchern nun aufs Neue wieder sehr gefragt ist. „Major Tom war sowieso immer ein Hit und ist jetzt noch einmal richtig gekommen. Das war der Schub durch die Fußball-EM.“ Den neuen, ganz großen und alleinigen Volksfest-Hit sieht auch Opitz in diesem Jahr noch nicht. Dies wird sich wahrscheinlich erst in ein paar Wochen beim Münchner Oktoberfest, das hier stets die Messlatte ist, entscheiden.
Opitz ist dafür nach eigener Aussage zuletzt stark aufgefallen, dass immer mehr Lieder auf einem inoffiziellen Index landen. Festzelt-Bands müssen mittlerweile genau beobachten, was nicht mehr gespielt werden darf: „Ja, das wird quasi immer mehr“, erzählt Opitz. Nach dem Mini-Skandal um den Mallorca-Hit Layla im vergangenen Jahr hätten etwa heuer manche Veranstalter darum gebeten, das Lied „Bumsbar“ von Ikke Hüftgold nicht ins Programm zu nehmen.
Ein echtes Problem stellt so etwas für die Festzelt-Bands aber vermutlich nicht dar. Bekannte Songs gibt es schließlich in Hülle und Fülle. Jedes Jahr kommen neue Hits, und die alten bleiben erhalten. Die Auswahl wird somit immer größer. „Und jedem kannst du es dann sowieso nicht Recht machen“, sagt Düringer: „Spielst du mehr Klassiker, vermisst so mancher die aktuellen Hits, und andersrum genauso.“
Es gibt Materialschlachten
Beim Wettbewerb der Festzelt-Bands untereinander gibt es außerdem bisweilen eine regelrechte Materialschlacht. Manche Combos werben hier mit aufwendigen Bühnenshows. „Manche Bands versuchen sich regelrecht gegenseitig zu überbieten“, erzählt Düringer. Er selbst will da mit Wolke7 nicht ins Rennen um die aufwendigste Show miteinsteigen: „Ich mache es lieber über die Musik selbst und unser eigene Performance.“ Und viel wichtiger sei es ohnehin, „dass man fleißig spielt und nicht zu lange Pausen macht. Letztlich geht es doch einfach darum, mit den Leuten zu feiern“.
Auch Opitz kennt die Materialschlachten unter Festzelt-Bands. In Regensburg sei aber noch alles im Rahmen, findet er. Die Spitzbuam selbst etwa setzen in erster Linie auf die Musik. Und haben damit Erfolg. Ihr Terminkalender sei jedenfalls voll. „Wir sind super zufrieden“, sagt Opitz.
