Eigenes Bezahlsystem für Abensberg steckt in der Pipeline

In Abensberg (Landkreis Kelheim) steht die Einführung eines neuen Bezahlsystems vor der Tür. Wirtschaftskraft soll dabei in der Stadt gehalten werden, für teilnehmende Bürgerinnen und Bürger kündigt Bürgermeister Bernhard Resch ab November einen Mehrwert an.
„Wir wollen alles auf eine Karte setzen“, beschreibt Resch das Projekt, das mittlerweile vom städtischen Hauptausschuss abgesegnet worden sei. Bisher gebe es mehrere Bonus-Systeme: Es gibt beispielsweise die Babos, die von etlichen Unternehmen in Abensberg als Zahlungsmittel akzeptiert werden.
Im Einsatz ist die Aventinus Card, die etwa für verdiente Ehrenamtliche oder junge Familien gedacht ist. Mit ihr sind Vergünstigungen bei der Stadt und in der Abensberger Geschäftswelt zu erhalten.
All das soll ab November in der Abensberg Card zusammengefasst sein. Derzeit feile man noch am Aussehen dieser Karte, die man sich optisch wie eine Konto- oder Kreditkarte vorstellen könne. Die sei dann bei der Stadt zu erhalten, man könne ein Guthaben aufladen. Bei Einkäufen würde einerseits der Kaufpreis vom Geschäft abgebucht, aber ein kleiner Geldbetrag gleichzeitig über das System rückerstattet.
Lange Suche ist zu Ende
Die Idee zur Einführung kam laut Resch von der Abensberger Marketingchefin Carolin Wohlgemuth, die im Gespräch Gemeinsam mit dem Vorsitzenden von „Mia bewegt“, Walter Tuscher, sei man schon seit vielen Jahren auf der Suche nach einem Bezahlsystem für die Stadt. Bis voriges Jahr sei es schlichtweg so gewesen, dass alle gefundenen Systeme für die teilnehmenden Unternehmer zu teuer gewesen seien.
Bis Wohlgemuth bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer auf das jetzt eingesetzte System stieß. Außerdem sei es möglich, das System außer durch Karte per App im eigenen Handy zu benutzen.
Bei teilnehmenden Geschäften könne man dann damit ganz normal einkaufen. Man bezahle aber nicht nur, beim Einkauf würde ein gewisser Geldbetrag aufgeladen. Der Vorteil im Vergleich zu einem klassischen Rabatt für den Nutzer sei, dass der eben dieses Geld bei allen teilnehmenden Geschäften nutzen könne – nicht nur in einem speziellen Geschäft. Mittlerweile gebe es viele Abensberger Unternehmen, die teilnehmen wollen. Resch und Wohlgemuth sprechen von mehreren Unterredungen mit hiesigen Unternehmern zu diesem Thema. Es sei möglich, dass Unternehmer die Karten als Zahlungsmittel akzeptieren, das Projekt sponsern oder ihre Belegschaft mit Karten ausstatten.
Guter Tipp für ein Geschenk
Geschenke, etwa bei der Sportlerehrung oder zur Geburt von Kindern, gab es in der Vergangenheit meist in Form von Babos. Jetzt will Resch hier die neue Karte mit einem entsprechend aufgeladenem Betrag in die Glückwunschkuverts stecken. Auch Ehrenamtliche könnten auf diesen Weg ausgezeichnet werden. Außerdem hofft Resch, dass etwa Abensberger Firmen auf diese Weise Geschenke an Mitarbeiter verteilen.
Unternehmer, die die neue Karte akzeptieren werden, müssen laut Resch ein wenig in neue Technik investieren. Der Bürgermeister spricht hier von einer dreistelligen Eurozahl im unteren Bereich. Die genauen Modalitäten rund um die Abensberg Card sollen nach den Worten des Rathauschefs in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.
Fest steht laut Marketingchefin Wohlgemuth, dass es eine große Auftaktveranstaltung in Abensberg geben werde, bei der nicht zuletzt die Sponsoren für das neue System ins rechte Licht gerückt werden sollen. Einen genauen Termin dafür gibt es nach ihren Worten aber noch nicht.
Das steckt hinter dem Projekt in Abensberg
Hinter dem System Abensberg Card steckt die Firma Trolleymaker aus Karlsruhe. Laut Carolin Wohlgemuth von der Stadt ist das System beispielsweise in Landshut im Einsatz. Auf der Internetseite der Karlsruher Firma steht zu lesen, dass weitere Kommunen und Regionen aus ganz Süddeutschland das System nutzen: etwa Bahlingen, Leinfelden-Echterdingen, das Würmtal und Kenzingen.
Viele Menschen würden nach Firmenangaben heutzutage Waren im Internet kaufen. Das sei schlecht für kleine Orte. Kleine Einzelhändler müssen schließen, weil sie der Konkurrenz von Amazon und Co nicht standhalten können. Leerstände und trostlose Innenstädte seien die Folge. Dem wolle man etwas entgegenstellen, damit Leben in den Innenstädten bleibt. Mit der Karte könne man an der Digitalisierung teilhaben und sich vernetzen. Kleine Geschäfte würden ein Kundenbindungssystem erhalten.
Die Firmengründer Ralph Friedrich und Dieter Deninger entwickelten ab 2019 eine Bonus- und Gutscheinkarte, die den Umsatz in der Region halten sollte. Bald nach der Einführung sei klar gewesen, dass diese beiden Funktionen nicht reichen. So kam es zur digitalen Lösung per App fürs Handy.