Freie Fahrt nach der Flut: Wassersportler starten auf der Donau bei Regensburg durch

Von Benedikt Baumgartner · 1. September 2024 um 05:00

Ins kalte Wasser wollten Robert Gessendorfer und Bert Rauscher in diesem Sommer springen – indem sie ihr Geschäft „Bootsspaß und mehr“ gründeten. Nur war das Wasser Anfang Juni, als sie starten wollten, nicht kalt, sondern hoch. Gefährlich hoch. Die Donau überflutete die Ufer, an Wasserspaß war nicht zu denken.

Nach Flut und unbeständigem Wetter, sind Gessendorfer und sein Onkel Rauscher wieder regelmäßig auf der Donau zwischen Regensburg und der Schleuse Bad Abbach unterwegs. Zwei, drei Mal pro Woche versuchen sie in Sportboot und Speedboot aufs Wasser zu kommen. Ihr frisch gegründetes Unternehmen, mit dem sie neben dem Verleih von Motor-Schlauchbooten auch Wakeboard-, Wakefoil- und Wasserski-Kurse anbieten, ist da auch Mittel zum Zweck. Am Donnerstag starteten die beiden mit der MZ an Bord die Donau hinauf.

Ein Leben auf dem Wasser

„Für mich ist es immer schön, wenn ich jemanden hinter mir herziehen kann“, erzählt Rauscher von den ersten Wakeboard-Touren am Steuerrad seines Motorboots, „dann komme ich wenigstens zum Bootfahren.“ Und wenn der Wassersportler an der Leine ins kühle Nass plumpst, macht’s Rauscher umso mehr Spaß. „Dann kann ich schön enge Kurven drehen, um ihn wieder aufzusammeln.“

Seacat, Seekatze, heißt sein rot-weißes Sportboot. „Das ist dem Fahrstil geschuldet“, sagt Gessendorfer. Wenn Rauscher im Boot auf der Donau Haken schlägt, grinst er am breitesten. Die Leidenschaft zum Wasser teilen Onkel und Neffe. Mit neun Jahren hat Robert Gessendorfer, heute 26, mit dem Rudern beim Regensburger Ruderverein begonnen. Mit 15 hat er sich sein erstes Schlauchboot mit Motor gekauft. In den Semesterferien arbeitete der damalige Maschinenbau-Student am Gardasee als Segel- und Kitesurf-Lehrer. So entstand bei Gessendorfer die Idee, Wassersportkurse auch auf der Donau anzubieten.

Adrenalin und Entspannung

„Den 1. Juni haben wir als Starttag ausgeschrieben, dann kam das Hochwasser“, erzählt Gessendorfer an Deck der Seacat. Rauscher hat die Geschwindigkeit auf Höhe der Gierseilfähre bei Matting gedrosselt. „Das gehört sich so“, sagt er. Hier ankern die beiden bei ihren Bootstouren gerne. Auf Adrenalin und Geschwindigkeit folgen Ruhe und Entspannung, eine Runde Plantschen unter den Mattinger Felsen.

Hier startet Christian Weinzierl mit seinen Söhnen regelmäßig in die Donau – nicht in einem Boot, sondern auf einem Flightboard. Sie fahren eFoil, geben Kurse in der Trendsportart und verleihen ihre Bretter. „Wacklig angelaufen“ sei die Saison, berichtet Weinzierl. Im Mai waren sie schon selbst auf der Donau, „da war das Wasser noch sehr erfrischend“. 14, 15 Grad – das sei zu kalt, um Anfängern, die noch regelmäßig abgeworfen werden, das eFoilen beizubringen. Im Juni sollte die Saison mit einem großen Event ihres Board-Ausrüsters in Matting losgehen – Hochwasser, Absage.

Efoil-Verleih: „Es läuft bombastisch“

Nachdem das Treibgut weitergespült wurde, ging das eFoilen langsam los. Und wer sich mit dem Flightboard-Fieber infiziert habe, der komme immer wieder. „Jetzt läuft es bombastisch“, sagt Weinzierl, der seit vergangenem Sommer Kurse anbietet. „Die Buchungen drücken rein.“ Die Flightboards sind ausgereifte Geräte, zieht Weinzierl zufrieden Bilanz, alles sei gut in Schuss. Bis auf ein paar blaue Flecken sei es zudem zu keinen Verletzungen gekommen, die Rückmeldungen der Gäste seien durchweg positiv.

So weit sind Robert Gessendorfer und Bert Rauscher noch nicht. Sie haben im Juli einen Schnupperkurs angeboten. Erste Touren mit Gästen haben sie auf ihren Booten durchgeführt, die Schlauchboote haben sie ein paar Mal vermietet. Auch erste Bootsreparaturen haben sie gemacht, ein weiteres Standbein, das sie sich aufbauen wollen. Gessendorfer hat bis ins Frühjahr bei einer Kelheimer Bootswerkstatt gearbeitet. Jetzt will er sich ganz auf „Bootsspaß und mehr“ konzentrieren. Auch der Bau und der Handel von Booten spuken ihm als Ideen schon im Hinterkopf herum. Vorerst will er aber vor allem Kurse und Verleih aufbauen. Mitte September veranstalten Rauscher und er ein weiteres Kennenlern-Wochenende.

Donauspaß bis in den Herbst

Auch für Weinzierl ist die Saison noch lange nicht vorbei. „Wir haben Anfragen bis November, aber bis in den Winter rein machen wir nicht“, sagt er. „Mit Neopren geht alles, aber das Gefühl ist ein anderes.“ Im Herbst will er von Tag zu Tag schauen, wie sich Wetter und Wassertemperatur entwickeln. Auf ausgemachte Termine pocht er nicht, seine Kunden sollen vor allem Spaß haben. Ihm geht es ebenso wie Gessendorfer und Rauscher darum, den Spaß am Wassersport zu teilen, andere damit anzustecken. Jetzt, wo die Sonnenstrahlen auf der ruhigen Donau glitzern.

Zwischen Regensburg und der Schleuse Bad Abbach sind Robert Gessendorfer (l.) und sein Onkel Bert Rauscher mit Sport- oder Speedboot unterwegs.
Beim eFoilen fliegt man einen knappen Meter über dem Wasser – wenn man den Dreh raus hat, so wie Jonas, Max und Robert Weinzierl (v. l.).