Kostenexplosion bei Tourismus-Werbetafeln an Autobahnen – Politik auf Lösungssuche

Noch stehen sie an der Autobahn A3: Die zwei Schilder, die auf den „Zoo Straubing“ hinweisen – mit Tiger und Tukan. Dabei war vor einem halben Jahr bekannt geworden, dass die braunen Hinweistafeln weg müssen, weil sie laut Autobahn GmbH nicht mehr verkehrssicher sind. Der Abriss sollte die Stadt 10.000 Euro kosten, die Schilder neu aufzustellen insgesamt 83.000 Euro.
2001 lag der Preis noch bei umgerechnet 6000 Euro. Der Stadtrat Straubing entschied sich im Februar gegen die Neuanschaffung, sie sei dem Steuerzahler bei knappen Kassen nicht zuzumuten. Seitdem wird nach Lösungen gesucht – auch auf höchster Ebene in Berlin.
3400 Hinweistafeln in ganz Deutschland
„Die Gesamtkosten für ein neues Schild liegen in der Regel zwischen 20.000 und 40.000 Euro“, sagte ein Sprecher der Autobahn GmbH, die dem Bundesverkehrsministerium unterstellt ist, unserer Zeitung. Darin enthalten seien die Kosten für Anschaffung, Montage, Wartung (u.a. die Kontrolle der Schilder auf Verkehrssicherheit oder das Mähen rund um die Tafeln), Demontage und Entsorgung des Schildes einschließlich der Aufstellvorrichtung, die einmalig erhoben würden. Allerdings: „Besondere Rahmenbedingungen, wie z.B. die Geländeverhältnisse am Aufstellungsort oder die aktuelle regionale Marktsituation, können jedoch zu teilweise erheblichen Abweichungen von diesen Werten führen.“
Diesen Zahlen zufolge liegt der Fall Straubing am oberen Ende der Kostenskala. Im sachsen-anhaltinischen Sangerhausen soll ein Schild laut „Mittelsächsischer Zeitung“ sogar 90.000 Euro kosten. Die Kritik: Die Schilder sind zu teuer, die Kosten zu intransparent. „Die Ursachen für die Kostenentwicklung sind vielfältig“, erklärte der Sprecher. „Die Autobahn GmbH unterzieht derzeit die Vergaben und Abläufe der touristischen Beschilderung einer kritischen Überprüfung mit dem Ziel, die Kosten im Sinne der Antragsteller zu optimieren.“ Man prüfe verschiedene Möglichkeiten.
Schätzungsweise 3400 der braunen Hinweisschilder gibt es an Deutschlands Autobahnen, die meisten in Bayern (etwa 800). Sie weisen auf Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Heidelberg, auf Museen wie das Deutsche Hopfenmuseum im oberbayerischen Wolznach oder Freizeiteinrichtungen wie das Tropical Island in Brandenburg hin und sollen Besucher anziehen. Einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2019 zufolge ist jeder Sechste schon mal wegen eines braunen Schilds von der Autobahn abgefahren.
Opposition kritisiert Intransparenz bei Kosten
Doch stehen Kosten und Nutzen gerade in Zeiten der Online-Werbung noch im Verhältnis? Denn der genaue finanzielle Vorteil für die Attraktionen lässt sich nur sehr schwer berechnen. Die tourismuspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Anja Karliczek, lobt die Hinweisschilder, sie seien gute Tradition und wirkten „positiv im Bewusstsein der Autofahrer“, wie sie unserer Zeitung sagte. Die CDU-Politikerin kritisiert das Bundesverkehrsministerium, das „längst für mehr Transparenz hätte sorgen müssen. Dann hätten die Städte und Kommunen auch nicht diese teuren Rechnungen bezahlen müssen.“ Das Ministerium hatte auf eine Frage von Karliczek geantwortet, dass die Möglichkeit geprüft werde, „künftig zentrale, bundesweite Rahmenverträge für die Lieferung, Montage und Demontage von touristischen Unterrichtungstafeln zu etablieren, um dadurch kostengünstigere Lösungen zu erreichen“. Bis wann das passieren soll, ist aber unklar.
Aus dem Landkreis: Hubschrauber stürzt in Feld bei Straßkirchen ab: Zwei Verletzte
Endgültige Entscheidung steht noch aus
In Straubing steht eine endgültige Entscheidung noch aus. Nach den Sommerferien würden die Tafeln wieder auf die Tagesordnung kommen, sagte ein Sprecher des Rathauses unserer Zeitung. Es habe auch einen Austausch mit der Autobahn GmbH gegeben, die der Stadt entgegenkommen möchte. Das Thema bewege die Menschen weiterhin, es seien etwa Firmen auf die Stadtverwaltung zugekommen, die die Aufstellung für einen Bruchteil vornehmen wollten, berichtete der Sprecher. Wegen geltender Regeln der Verkehrssicherheit ginge das natürlich nicht.
In Straubing wissen sie, dass sie ein Zeichen gesetzt haben – weit über ihre Stadt hinaus. Schließlich kommt jede Tafel mal an ihr Lebensende – und entsprechende Kosten auf die Kommunen zu, die diese tragen müssen. Von einer Kostensenkung würden alle profitieren, vor allem der Tourismusstandort Deutschland.