1000 Euro Kaltmiete für 100 Quadratmeter: Wohnen in Neumarkt wird noch teurer

Von Katrin Böhm · 29. August 2024 um 19:00

Zur Miete in Neumarkt zu wohnen, bleibt teuer. Zwar sind aktuell 120 neue Mietwohnungen im Deininger Weg geplant, doch bis die fertig sind, wird es noch etwa drei Jahre dauern. Bis dahin gibt es in Neumarkt auch weiterhin nur einen Preistrend: nach oben. Zu den bekannten Gründen kommt jetzt ein neuer hinzu.

Die Stadt hat am Donnerstag den neuen Mietspiegel für 2024 veröffentlicht. Quintessenz daraus: Egal welche Wohnung man mietet: Sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit teurer sein als noch 2022, als die Stadt den letzten Mietspiegel herausgegeben hat. Ob klein oder groß, ob alt oder neu: Die Preise steigen in allen Segmenten, besonders aber im Bereich der kleinere Wohnungen. Je größer hingegen die Wohnung ist, desto geringer fällt die Preissteigerung häufig aus.

Zahlte man im Jahr 2022 für eine relativ neue Wohnung mit 35 Quadratmetern um die 370 Euro, so sind es im Jahr 2024 im Mittelwert etwa 455 Euro – also 23 Prozent mehr. Eine ältere Wohnung dieser Größe gab es 2022 für gut 300 Euro, 2024 sind es im Schnitt 30 Euro mehr.

Willi Kirsch: Situation wird sich noch mehr verschärfen

Für eine 65-Quadratmeter-Wohnung neueren Baujahrs zahlte man 2022 um die 610 Euro – für das Jahr 2024 listet der Mietspiegel eine durchschnittliche Kaltmiete von 656 Euro auf. Bei einer neueren 100-Quadratmeter-Wohnung wurde 2022 eine Durchschnittsmiete von 927 Euro fällig, im Jahr 2024 sind es 950 bis 1000.

Für den Neumarkter Immobilienexperten Willi Kirsch ist die Entwicklung in Neumarkt keine große Überraschung. „Die Lage auf dem Mietmarkt bleibt angespannt und das wird sich in Zukunft auch noch mehr verschärfen“, sagt Kirsch. Das hat zum einen mit den bekannten Tatsachen zu tun – die Stadt gilt als attraktiv, mit optimaler Lage zwischen Nürnberg, Regensburg und Ingolstadt. Jetzt kommt obendrein hinzu, dass zunehmend Menschen, die eigentlich kaufen wollten, auf den Mietmarkt drängen, weil sie es sich nicht mehr leisten können, eine Immobilie zu kaufen – wegen der hohen Baukosten, der stark verschärften Finanzierungskriterien und der allgemeinen Unsicherheit, so Kirsch. „Das macht sich drastisch bemerkbar.“

Druck bei kleinen Wohnungen sehr hoch

Dass der Druck gerade bei kleineren Wohnungen so hoch ist, hängt mit dem Prinzip von Angebot und Nachfrage zusammen: Während immer mehr Menschen eine kleine Wohnung suchten – etwa Studenten oder Menschen nach Scheidung –, seien traditionell eher wenig kleine Wohnungen gebaut worden.

Auch bei den Bauunternehmen ist der Neubau „drastisch zurückgegangen“, sagt Kirsch – wegen der wirtschaftlichen Lage und der Gesetzgebung, was etwa Brandschutz und energetische Ausstattung betrifft. „Das ist für viele nicht leistbar“, so Kirsch. „Wir müssen von diesen verschärften Kriterien zurück, damit wir wieder einfacher bauen können.“

Bauprojekt im Deininger Weg: Entlastung in Aussicht

Nur wenn gravierende Anreize durch die Politik geschaffen würden, könne eine Umkehr ermöglicht werden. „Aber eine große schnelle Wende wird es nicht geben“, sagt Kirsch. Für ihn zählen vor allem zwei Dinge: „Wir müssen es schaffen, dass mehr gebaut und das Angebot auf dem Mietmarkt erhöht wird.“

Werden die geplanten 120 neuen Wohnungen am Deininger Weg dann die große Entlastung auf dem Mietmarkt bringen? „Jede Wohnung trägt dazu bei, dass sich die Lage am Mietmarkt entspannt“, sagt Kirch. „Und 120 Wohnungen sind für Neumarkt relativ viel – das wird etwas bringen.“

Bei dem Großprojekt will Bayernheim bis zum Jahr 2027 120 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern bauen. Die Wohnungen werden laut Bayernheim einkommensorientiert gefördert, dadurch sollen je nach Einkommen Mieten von 5,50 bis 8,50 Euro pro Quadratmeter ermöglicht werden. Potenzielle Mieter brauchen laut Bayernheim zwar einen Wohnberechtigungsschein, aber auf geförderte Wohnungen hätten mehr Menschen Anspruch als gemeinhin gedacht werde.

Der Mietspiegel:

Ermittlung der Zahlen: Der Mietspiegel listet unter anderem die durchschnittliche monatliche Basis-Nettomiete von Wohnungen in Neumarkt in Abhängigkeit von Wohnfläche und Baualter auf. Er setzt aber keine Preise fest, sondern dient der Orientierung und soll Streitigkeiten um die Miete vermeiden. Hier einige Beispiele für die Nettomieten.

Baujahr 1985 bis 1994: 30 bis 40 Quadratmeter: 9,09 bis 9,58 Euro (Mietspiegel 2022: 8,63 Euro). 60 bis 70 Quadratmeter: 7,96 bis 8,04 Euro (2022: 7,67 Euro). 80 bis 110 Quadratmeter: 7,78 bis 7,80 Euro (2022: 7,56 Euro).

Baujahr 2016 bis 2024: 30 bis 40 Quadratmeter: 12,62 bis 14,47 Euro (2022: 10,65 Euro). 60 bis 70 Quadratmeter: 9,90 bis 10,57 Euro (2022: 9,38 Euro). 80 bis 110 Quadratmeter: 9,09 bis 9,71 Euro (2022: 9,27 Euro).

Besonderheiten: Ein wichtiger Aspekt bei der Berechnung der Miete sind jedoch auch Parameter, die die Miete schmälern oder steigern können – etwa besondere Ausstattung, besonders gute oder schlechte Lage oder der Bodenbelag. Je nachdem gibt es Abschläge oder Zuschläge.

Garagen und Stellplätze: Für eine Garage zahlt man monatlich im Schnitt 48 Euro, für einen Stellplatz 32 Euro.

Willi Kirsch ist Geschäftsführer von Kirsch & Haubner Immobilien in Neumarkt. Foto: Thorsten Drenkard