Drei Influencer aus Mittelfranken geben auf Instagram und Facebook Hobby-Handwerkern Tipps

Von Nikolas Pelke · 28. August 2024 um 11:00

Mara, Vanessa und Julian sind Handwerker und Influencer. Auf Instagram & Co. geben die drei Mittelfranken neben praktischen Tipps auch die Begeisterung für das Handwerk an das wachsende Publikum weiter.

Die einen fliegen ans letzte Ende der Welt, um mit exotischen Fotos in den Sozialen Netzwerken zu glänzen. Andere wie Mara Pischl, Vanessa Pfister und Julian Dittrich posten einfach Bilder vom wilden Handwerker-Leben zwischen Baustelle und Werkstatt. Und damit sorgen sie im Internet bei tausenden Followern für wachsende Begeisterung. Die Drei haben verschiedene Berufe, aber ein gemeinsam Ziel: das Handwerk unter Jugendlichen beliebter zu machen.

Informationen und Witz

„Das Handwerk braucht einfach mehr Anerkennung. Deswegen mache ich echten Content, der nicht gestellt ist“, sagt Mara Pischl aus Nürnberg. Die gelernte Bauschreinerin hat schon während der Ausbildung damit angefangen, genauso informative wie unterhaltsame Videos ins Netz zu stellen. In einem Post erklärt Mara ihren Followern, wie Gartentore am besten montiert oder Rollogurte am einfachsten ausgetauscht werden.

In anderen Beiträgen nimmt die junge Bauschreinerin durchaus selbstironisch das Handwerk auf die Schippe und erstellt zum Beispiel eine persönliche Hitliste der besten Baustellensprüche. Auf Platz eins landet bei ihr „Wenn’s knallt, noch ‚n Meter.“ Oder auf Platz zwei: „Kaffee beim Kunden? Immer blond und süß.“

In der dramatischen Überspitzung der üblichen Klischees scheint überhaupt eines der Erfolgsgeheimnisse der fränkischen Handwerk-Influencer zu liegen. In einem Video zeigt Pischl zum Beispiel mit einer gehörigen Portion Selbstironie, wie sie die elegant manikürten Fingernägel als Schraubenzieher und Silikonspachtel prima auf der Baustelle verwenden kann. Besonders den weiblichen Fans will sie damit mehr Lust auf handwerkliche Berufe machen.

Arbeit wächst, Zeit zum Filmen schrumpft

Gegen mehr Kolleginnen im Handwerk hätte Julian Dittrich auch nichts einzuwenden. Der Elektrotechnikmeister aus Herzogenaurach zeigt seinen Fans im Internet am liebsten, wie komplette Festivals mit Glasfaserleitungen und Netzwerkkabeln fachmännisch versorgt oder Wechselrichter von Solaranlagen professionell getauscht werden können. Auch die Meisterfeier in der Frankenhalle hat der stolze Handwerker mit seiner Kamera dokumentiert. Manchmal fehle ihm zwischen der wachsenden Arbeit aber die Zeit zum Filmen, gibt der erfolgreiche Handwerker offen zu.

Dagegen versucht sich Vanessa Pfister aus Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt bewusst, die Zeit zu nehmen, um im Netz vom süßen Leben als Handwerkerin zu schwärmen. Neben praktischen Tipps – wie dem richtigen Anbringen von großen Spiegeln im Home-Gym – gewährt sie ihren knapp 2000 Followern Einblicke in den Alltag einer modernen Handwerkerin. Selbst aus ihrem Herzen macht Pfister dabei keine Mördergrube: „Bin ehrlich, habe gerade echt lange überlegt, ob ich das Bild überhaupt hochlade“, postete die Glaserin unter ein Partyfoto in Discoklamotten. Mit blöden Kommentaren habe sie schnell gelernt umzugehen, sagt die Glaserin selbstbewusst.

Neuen Podcast gestartet

Auch Mara Pischl hat allen Grund, stolz zu sein. Die Beiträge der Bauschreinerin unter Hashtags wie „Handwerk rockt“ schauen sich mittlerweile über 20.000 Abonnenten regelmäßig an. Jetzt hat sie zusätzlich unter dem Titel „Baustellen-Beichten“ einen Podcast gestartet, um noch mehr junge Menschen für einen Beruf jenseits von Bürotristesse und Computerlangeweile zu begeistern. Hauptberufliche Influencer wollen alle Drei aber nicht werden. „Handwerk hat immer noch goldenen Boden – besonders, wenn man die Chancen im Internet richtig nutzt“, sind sich die selbstbewussten Fürsprecher der Handwerkskunst einig.

Mara Pischl hat als Bauschreinerin inzwischen über 20 000 Follower. Foto: Mara Pischl
Elektrotechnikmeister Julian Dittrich stammt aus Herzogenaurach. Foto: HWK Mittelfranken
„Das Handwerk braucht einfach mehr Anerkennung“, sagt Mara Pischl. Foto: Katja Pischl