Hochzeiten, Scheidungen und „Ehe für alle“ in Deutschland, Bayern und der Region

Von Passauer Neue Presse · 15. Oktober 2025 um 11:00

Die Anzahl der Eheschließungen in Deutschland hat über die Jahre hinweg erhebliche Schwankungen erlebt. Der absolute Höchststand seit Erfassung der Statistik liegt laut Statistischem Bundesamt im Premierenjahr der Erhebung.

1950 gaben sich demnach 750.452 Paare in Deutschland das Jawort. Das sind elf Eheschließungen pro 1000 Einwohner – ebenfalls der Höchstwert seit Datenerfassung. Beide Werte sanken bzw. schwankten schnell. 1960 waren es noch 689.028 (9,5 pro 1000 Einwohner) Eheschließungen. 1970 gaben sich 575.238 (7,4) Paare das Jawort. 1980 heirateten 496.603 (6,3) Paare.

Nach der deutschen Vereinigung 1991 lag die Anzahl der Eheschließungen bei etwa 454.000 (5,7). Diese Zahl sank bis 2007 auf etwa 369.000 und schwankte danach weiter. Ein Zwischenhoch gab es 2019 mit 449.466 Eheschließungen. Allerdings bedeutet das eine Quote von 5,4 pro 1000 Einwohner.

Zahlen während und nach der Pandemie

Im Jahr 2022 wurden 390.743 Ehen geschlossen, was einen Anstieg im Vergleich zu den Pandemiejahren 2020 und 2021 darstellt, in denen die Zahlen aufgrund von Einschränkungen und Unsicherheiten zwischen rund 20.000 bzw. 40.000 niedriger lagen. Im Jahr 2023 wurden vorläufigen Angaben zufolge 360.992 Ehen geschlossen, was laut Statistischem Bundesamt einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Gleichgeschlechtliche Ehe: Männerpaare schreiten öfter zum Altar

Seit der Einführung der „Ehe für alle“ im Oktober 2017 haben gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland die Möglichkeit, die Ehe zu schließen. Hier sind die spezifischen Zahlen für die Jahre 2019 bis 2023:

Im Jahr 2019 wurden insgesamt 10.123 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen. Davon entfielen 5.823 auf Männer- und 4.300 auf Frauenpaare. Darüber hinaus wurden 700 eingetragene Lebenspartnerschaften in Ehen umgewandelt.

Im Jahr 2020, stark beeinflusst durch die Covid-19-Pandemie, sank die Zahl der gleichgeschlechtlichen Eheschließungen auf 8.153. Davon entfielen 4.650 auf Männerpaare und 3.303 auf Frauenpaare, wobei 200 eingetragene Lebenspartnerschaften umgewandelt wurden.

Im Jahr 2021 stieg die Zahl wieder leicht an, mit insgesamt 8.800 gleichgeschlechtlichen Eheschließungen. Männerpaare machten 4.870 dieser Eheschließungen aus, Frauenpaare 3.930, und 400 Lebenspartnerschaften wurden in Ehen umgewandelt.

Im Jahr 2022 wurden 10.043 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen. Davon entfielen 4.664 auf Männerpaare und 5.379 auf Frauenpaare. Insgesamt 855 eingetragene Lebenspartnerschaften wurden in Ehen umgewandelt. Für das Jahr 2023 liegen vorläufige Zahlen vor, die eine ähnliche Anzahl wie im Vorjahr nahelegen, mit insgesamt 9.870 gleichgeschlechtlichen Eheschließungen.

Durchschnittliches Heiratsalter steigt immer weiter

Das durchschnittliche Heiratsalter in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig erhöht. Belastbare Zahlen liefern das Statistische Bundesamt sowie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ab den 1970er Jahren. In den 1970er Jahren waren ledige Männer bei der Hochzeit im Schnitt 25,1 und Frauen 22,7 Jahre alt. 1980 heirateten ledige Männer durchschnittlich mit etwa 25,5 Jahren, Frauen mit 22,7 Jahren. Diese Durchschnittswerte steigerten sich bis 1990 deutlich: Männer waren dann im Schnitt 27,9 Jahr alt, Frauen 25,5.

Dieser Trend setze sich fort. Im Jahr 2000 lag das durchschnittliche Heiratsalter für ledige Männer bei 31,2 Jahren und für Frauen bei 28,4 Jahren. Einen weiteren Alterssprung gab es im Jahr 2010: Hier lag das Durchschnittsalter für Männer bei 33,2 Jahren und für Frauen bei 30,3 Jahren.

Im Jahr 2022 lag das Durchschnittsalter für die erste Heirat bei Männern bei 35,1 Jahren und bei Frauen bei 32,6 Jahren. Diese Zahlen verdeutlichen den signifikanten Anstieg des Heiratsalters über die Jahrzehnte hinweg.

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Darum heiraten die Deutschen immer später

Diese Erhöhung des durchschnittlichen Heiratsalters kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden, wie beispielsweise längere Ausbildungszeiten, die Fokussierung auf Karriereentwicklung vor der Heirat sowie ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend zu späteren Eheschließungen.

Insgesamt zeigt sich, dass sowohl Männer als auch Frauen in Deutschland heute deutlich später heiraten als noch vor einigen Jahrzehnten. Im Durchschnitt sind die Männer bei der ersten Heirat zweieinhalb Jahre älter als die Frauen. Dieser Altersabstand ist über die Zeit nahezu konstant.

Der beliebteste Monat zum Heiraten

Die Anzahl der Eheschließungen variiert laut Statistischem Bundesamt stark je nach Monat. Im Sommer werden traditionell die meisten Ehen geschlossen, während im Winter weniger Hochzeiten stattfinden. Im Jahr 2023 war der Juni mit 47.851 Eheschließungen der Monat mit den meisten Hochzeiten. Im Januar 2024 wurden rund 8.300 Ehen geschlossen, was zeigt, dass der Winter weiterhin die weniger beliebte Jahreszeit für Hochzeiten bleibt.

Immer weniger Paare lassen sich kirchlich trauen

Traditionell war die kirchliche Trauung in Deutschland weit verbreitet. In den letzten Jahrzehnten hat jedoch die Zahl der standesamtlichen Trauungen zugenommen, während die Zahl der kirchlichen Trauungen abgenommen hat. Standesamtliche Trauungen sind gesetzlich vorgeschrieben, während die kirchliche Trauung optional ist und oft als religiöses oder traditionelles Ritual angesehen wird. Im Jahr 2022 wurden die meisten Ehen standesamtlich geschlossen, wobei kirchliche Trauungen einen deutlich geringeren Anteil ausmachten, so das Statistische Bundesamt.

Anzahl der Scheidungen im Jahr 2023 auf dem Höhepunkt

Im Jahr 2022 wurden insgesamt 137.353 Ehen in Deutschland geschieden. Die durchschnittliche Ehedauer bis zur Scheidung betrug 15,1 Jahre. Das sind etwa drei Jahre und sieben Monate mehr als noch 1990.

Über die Zeit gesehen nahm die Scheidungsneigung in Deutschland zunächst zu. Zum Vergleich: 1950 gab es 84.674 Scheidungen. 1960 waren es 48.873. Im Jahr 1970 stieg die Zahl der Scheidungen auf 76.520 und erhöhte sich bis 1980 auf 96.222. Bis zum Jahr 1990 steig die Zahl auf 122.869. Im Jahr 2003 erreichte die Anzahl der Scheidungen ihren vorläufigen Höhepunkt: Damals ließen deutschlandweit 213.975 Paare ihre Ehe annullieren.

Wäre das Scheidungsverhalten danach konstant geblieben, berechnet das Bundesamt, wären von 1000 in einem Jahr geschlossenen Ehen langfristig 425 wieder geschieden worden. Allerdings sinkt diese sogenannte zusammengefasste Scheidungsziffer seit 2005 tendenziell. Im Jahr 2022 betrug sie 293 Scheidungen von 1000 Ehen. Die oft bemühte Aussage, dass „jede zweite Ehe in Deutschland geschieden wird“, ist demnach ein Mythos. Keine Maßzahl der Scheidungsstatistik deutet laut Bundesamt bislang darauf hin.

Scheidungsalter, Scheidungsrate und Ehedauer in Deutschland

Auch das Durchschnittsalter bei Scheidungen ist gestiegen und hat mit 44,7 Jahren bei Frauen und 47,8 Jahren bei Männern 2022 einen neuen Höchststand erreicht. Binnen 20 Jahren ist es um 5,8 Jahre bei Frauen (2002: 38,9 Jahre) und um 6,2 Jahre bei Männern (2002: 41,6 Jahre) gestiegen. Zugleich stieg die Durchschnittsdauer einer Ehe bis zur Scheidung 2022 auf 15,1 Jahre, 2002 waren Ehepaare bis zur Scheidung im Schnitt noch 12,9 Jahre verheiratet. 2022 wurden rund 137.400 Ehen geschieden, mit Ausnahme des Jahres 2019 ist die Zahl der Scheidungen seit 2012 kontinuierlich gesunken.

Etwa 24.300 oder 17,7 Prozent aller geschiedenen Paare waren bereits mindestens im 25. Jahr verheiratet. Im Durchschnitt waren die im Jahr 2022 geschiedenen Ehepaare 15 Jahre und einen Monat verheiratet. Im Jahr 1997, also 25 Jahre zuvor, waren Ehen bereits nach durchschnittlich zwölf Jahren und vier Monaten geschieden worden. Mitverantwortlich hierfür war der vergleichsweise niedrige Anteil geschiedener Langzeitehen: 1997 wurden nur 19.100 oder 10,2 Prozent der geschiedenen Paare im Jahr ihrer Silberhochzeit oder danach geschieden.

Im Jahr 2022 betrug die Scheidungsrate von Ehen in Deutschland rund 35,15 Prozent. Auf drei Eheschließung kam damit rechnerisch etwa eine Scheidung. Die Scheidungsrate setzt die Zahl der Eheschließungen mit der Anzahl der Ehescheidungen im gleichen Betrachtungszeitraum in Relation. Die Scheidungsrate – auch als Scheidungsquote bezeichnet – gibt entsprechend keine Aussage über das „Scheidungsrisiko“ eines bestimmten Ehejahrgangs, da sich die Scheidungen nicht auf ein Eheschließungsjahr beziehen.

Zum Vergleich: 1960 lag die Quote laut Statista bei knapp über 10 Prozent. 1970 lag sie bei rund 18 Prozent, stieg 1980 auf 28 Prozent, lag 1995 bei knapp 40 Prozent und erreichte ihren Höchstwert 2005: satte 51,92 Prozent.

Eheschließungen in Bayern

Die Anzahl der Eheschließungen in Bayern hat in den vergangenen Jahren erhebliche Schwankungen erfahren, insbesondere durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Hier sind die spezifischen Zahlen für einige der letzten Jahre:

• 2015: 63.926 Eheschließungen

•2016: 64.500 Eheschließungen

•2017: 65.444 Eheschließungen

•2018: 66.169 Eheschließungen

•2019: 65.000 Eheschließungen

•2020: 55.594 Eheschließungen

•2021: 57.353 Eheschließungen

•2022: 65.057 Eheschließungen

Anzahl der Eheschließungen in bayerischen Landkreisen 2022 (Landesamt für Statistik):

• Regensburg (Stadt): 1039 Eheschließungen

•Regensburg (Landkreis): 824 Eheschließungen

•Passau (Stadt): 379 Eheschließungen

•Passau (Landkreis): 940 Eheschließungen

•Ingolstadt (Stadt): 567 Eheschließungen

•Schwandorf (Landkreis): 727 Eheschließungen

•Neumarkt (Landkreis): 706 Eheschließungen

•Kelheim (Landkreis): 630 Eheschließungen

•Cham (Landkreis): 660 Eheschließungen

•Altötting (Landkreis): 591 Eheschließungen

•Berchtesgadener Land (Landkreis): 675 Eheschließungen

•Deggendorf (Landkreis): 611 Eheschließungen

•Dingolfing-Landau (Landkreis): 462 Eheschließungen

•Freyung-Grafenau (Landkreis): 401 Eheschließungen

•Landshut (Landkreis): 752 Eheschließungen

•Regen (Landkreis): 565 Eheschließungen

•Rottal-Inn (Landkreis): 557 Eheschließungen

•Straubing-Bogen (Landkreis): 502 Eheschließungen

•Stadt Straubing: 230 Eheschließungen

•Traunstein (Landkreis): 1070 Eheschließungen

•Eichstätt (Landkreis): 682 Eheschließungen

•Neuburg-Schrobenhausen (Landkreis): 568 Eheschließungen

•Roth (Landkreis): 693 Eheschließungen

•Pfaffenhofen (Landkreis): 652 Eheschließungen

•Augsburg (Stadt): 1214 Eheschließungen

•Augsburg (Landkreis): 1326 Eheschließungen

•Aichach-Friedberg (Landkreis): 678 Eheschließungen

•Rosenheim (Stadt): 205 Eheschließungen

•Rosenheim (Landkreis): 1604 Eheschließungen