Leichtathletik-Talent in den USA: Luisa Fischer aus Miltach lebt ihren Traum weiter

Vor dreieinhalb Jahren hat uns Luisa Fischer ihre Geschichte schon einmal erzählt. Damals war sie ihr erstes Jahr in den USA, um an der „University of Nevada“ in Reno professionellen Sport und Studium zu verbinden. Für vier Jahre hatte sie ein Sportstipendium erhalten, doch hatte sie damals noch damit geliebäugelt, nach dem ersten Jahr ihre Zelte in den Staaten wieder abzubrechen und die Zeit als wertvolle Erfahrung zu verbuchen.
Doch seitdem ist viel passiert im sportlichen und privaten Leben der 22-jährigen Miltacherin: Und so ist die Leichtathletik-Mehrkämpferin immer noch in den USA, wo sie weiterhin ihren Traum leben darf. Zumindest noch ein Jahr lang, denn im kommenden Jahr – die Sportförderung wurde aufgrund einer Verletzung um ein Jahr verlängert – läuft das Stipendium und damit auch das Visum aus.
Training unter Weitsprung-Legende Mike Powell
Seit drei Jahren studiert und trainiert Luisa Fischer an der Azusa Pacific University (APU) in der Nähe von Los Angeles – ein Glücksfall. Ihren Bachelor in Kinesiologie hat die 22-Jährige seit Mai in der Tasche, nun setzt sie noch den Master in der Disziplin Leadership obendrauf.
Auch sportlich sollte sich der Wechsel der Uni lohnen: Nicht nur, weil sie unter anderem unter den Fittichen von Weitsprung-Legende Mike Powell an ihrer Sportkarriere arbeitet, sondern auch, weil sie voriges Jahr Teil des Teams war, das bei den „Nationals“, den nationalen College-Meisterschaften, überraschend den Titel gewonnen hat.
Doch zurück zu Mike Powell: Der inzwischen 60-Jährige, zu seinen aktiven Zeiten der große Widersacher von Carl Lewis, hält nach wie vor den Weitsprung-Weltrekord von 8,95 Metern, aufgestellt 1991. Luisa Fischer muss sich immer noch kneifen, Tag für Tag mit so einem Trainer arbeiten zu dürfen. „Für mich ist das noch nicht normal, sondern immer noch etwas Besonderes. Dafür bin ich sehr dankbar. Es war einfach Glück, dass ich an der Uni gelandet bin, an der er arbeitet. Von so jemandem zu lernen, davon kannst du nur profitieren. Nicht nur, was die Technik betrifft, sondern auch, wie man mental rangeht.“
Sieg bei den „Nationals“
Die sportlichen Rahmenbedingungen an der APU, eine relativ kleine Privat-Uni, ordnet Luisa Fischer als sehr leistungsfördernd ein, sowohl das Trainerteam als auch die Athleten insgesamt seien auf einem sehr hohen Niveau.
Mit dem Ziel „Top drei“ sei man voriges Jahr dann auch zu den College-Meisterschaften gefahren, die in den USA einen sehr hohen Stellenwert haben und eine entsprechende Aufmerksamkeit genießen. Der Titel als bestes College-Team sei aber dennoch nicht unbedingt zu erwarten gewesen: „Es sind einige über sich hinausgewachsen, das war einzigartig, ein Riesenerlebnis. Das mit allen anderen zusammen zu schaffen, ist für einen Einzelsportler nochmal etwas ganz Besonderes.“ Bei jenen „Nationals“ galt es für Luisa Fischer, in neun Disziplinen an drei Tagen Flagge zu zeigen: Siebenkampf, Hochsprung und Speerwurf. Auf die vielleicht höchste Auszeichnung aber musste das Miltacher Leichtathletik-Juwel verzichten: Das erfolgreiche Team wurde nach der Saison ins Weiße Haus eingeladen, „da war ich aber schon in Deutschland.“
Trotz des großen Mannschaftserfolgs räumt Luisa Fischer jedoch ein, dass 2023 für sie keine einfache Saison war. Man könnte auch sagen: „Eine Katastrophe.“ Erst ein Ermüdungsbruch im Herbst 2022, nicht ihr erster, bis Januar kaum spezifisches Training, dann auch noch das Pfeiffersche Drüsenfieber im Frühjahr 2023. Um für die Freiluftsaison mit Wettkämpfen an beinahe jedem Wochenende in Form zu kommen, blieb kaum Zeit.
Luisa wünscht sich endlich eine verletzungsfreie Saison
Mit alternativem Training auf dem Rad, im Fitnessstudio oder im Schwimmbad hielt sich Luisa Fischer bestmöglich fit – nach etlichen ähnlichen Verletzungen in der Vergangenheit habe sie hier zumindest schon eine gewisse Routine entwickelt und „gelernt, mich durchzubeißen und nicht aufzugeben. Vor allem mental war es aber dennoch eine schwierige Zeit“, erzählt die 22-Jährige, die nach ihrer jahrelangen Verletzungs-Odyssee aber nun mit Zuversicht in die nähere Zukunft blickt. Denn am Institut für Osteologie und Biomechanik in Hamburg – die medizinische Versorgung sei in Deutschland wesentlich besser – sei nun endlich die Ursache für die Ermüdungsbrüche gefunden worden, was durch gezielte Nahrungsergänzung angegangen werden könne.
„Es wäre schön, endlich einmal eine gesunde und verletzungsfreie Saison zu haben, um zu sehen, wie gut ich wirklich bin“, sagt Luisa Fischer, die hofft, dass sich die etwa 25 Trainingsstunden pro Woche dann auch auf ihrer persönlichen Mehrkampf-Punkteausbeute merklich niederschlagen.
Magische Grenze 6000 Punkte
„Aktuell liegt meine Bestleistung bei 5250 Punkten. Die hatte ich aber auch schon mit 17. Wenn ich gesund bin, sind 5700 Punkte drin. Mein Trainer sagt, dass ich das schaffen kann.“ Der Horizont freilich geht durchaus etwas weiter: „6000 Punkte wären eine magische Grenze, auch, um Aufmerksamkeit zu bekommen – aber für das nächste Jahr sind 5700 ein realistisches Ziel.“ Wie es anschließend sportlich weitergeht? Profisportlerin wäre Luisas Fischers Traum, doch ob sich der im Fußball-Land Deutschland verwirklichen lasse, stehe auf einem anderen Blatt. Die Miltacherin ist sich deshalb bewusst, beruflich einen Plan B zu brauchen.
Egal, was komme, werde sie auf die dann fünf Jahre USA mit Stolz und Dankbarkeit zurückblicken können: „Sport war schon immer meine Leidenschaft. Es ist einfach cool, das dort so ausleben zu können. Ich hatte nie den Plan oder es überhaupt für möglich gehalten, einmal dort leben zu können. Das war eine meiner besten Entscheidungen bisher, auch, dass ich mir mit dem Wechsel der Uni noch eine zweite Chance gegeben habe.“ Auch enge Freundschaften und private Verbindungen hätten sich in ihrer Trainingsgruppe entwickelt, erzählt Luisa Fischer strahlend. Ihre amerikanischen Freunde seien sehr interessiert an Luisas Heimat und hätten sie auch schon in Miltach besucht, wo sie Landschaft, Kultur und das Leben hierzulande förmlich aufgesogen hätten.
Enger Kontakt zu TV-Trainer
Engen Kontakt hält die Vollblutsportlerin aber natürlich auch „zu meinen Leuten daheim“: Zur Familie oder auch zu Alois Brandl und Christian Hofmaier, ihren Trainern beim TV Bad Kötzting. „Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Der Alois möchte immer meine Trainingspläne sehen“, schmunzelt sein langjähriger Schützling. Das trainingsmethodische Know-how bei ihrem Heimatverein stuft Luisa Fischer auch jetzt mit ihrer US-Erfahrung als sehr hoch ein: „Im Amateurbereich gibt es kaum Besseres.“

