Scheitert Katzen-Hilfe in Regensburg an der Bürokratie? Tierschützer schlagen Alarm

Von Marion Neumann · 22. August 2024 um 17:00

„Die Zahl der Katzen, die sich immer weiter unkontrolliert vermehren, hat Höchstgrenzen erreicht. Der Großteil der Tiere ist herrenlos, viele sind krank“, sagt Karlheinz Seidl von den Tierfreunden Regensburg. Von der Stadt fühlen sich Seidl und weitere Helfer alleingelassen.

Percya Schwarzer von der Streunerhilfe ist am Limit. Der Tierschützerin, die sich um herrenlose Katzen kümmert, gehen die Pflegeplätze aus. „Man sammelt eine Katze ein – und sieht sofort eine andere Katzenmama mit fünf Babys“, sagt sie. Besonders dramatisch sei die Lage derzeit am Regensburger Hafen. Etwa 50Katzen würden sich dort herumtreiben. „Man weiß überhaupt nicht mehr, wo man anfangen soll.“

Von der Stadt fühlen sich Schwarzer und weitere Helfer alleingelassen. Auch die Tierfreunde Regensburg, ein Verein, mit dem Schwarzer in engem Austausch steht, sprechen von alarmierenden Zuständen. „Die Zahl der Katzen, die sich immer weiter unkontrolliert vermehren, hat Höchstgrenzen erreicht. Der Großteil der Tiere ist herrenlos, viele davon sind krank und in einem elenden Zustand“, sagt Sprecher Karlheinz Seidl.

Katzenschutzverordnung: Zu viele Hürden?

Dringend notwendig sei deshalb eine sogenannte Katzenschutzverordnung, die eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht sowie eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen beinhaltet. In Bayern muss eine solche Verordnung nach Paragraf 13b des Tierschutzgesetzes von den Kommunen erlassen werden. Zuständig ist in diesem Fall also die Stadt Regensburg.

„In Bayern ist eine bestimmte Statistik vorgeschrieben, damit eine Katzenschutzverordnung erlassen werden kann. Es muss geprüft werden, ob es tatsächlich zu viele Katzen gibt“, erklärt Seidl. In Regensburg würden seit etwa einem Jahr Zahlen zu kranken und herrenlosen Katzen sowie zu Totfunden erfasst werden. „Das Veterinäramt gibt sich Mühe“, sagt er, „aber es dauert“. Trotz der Bemühungen, so befürchten die Tierfreunde, gebe es noch viele politische und bürokratische Hindernisse, bevor es zu einem Beschluss kommen könnte. „Wir beschweren uns nicht, dass nichts geschieht. Aber wir haben Angst, dass es zu lange dauert “, so Seidl.

Stadt bestätigt Prüfung

Von Seiten der Stadt wird bestätigt, dass der Erlass einer Katzenschutzverordnung geprüft wird. Dieser komme in Betracht, „wenn festgestellt und dokumentiert wurde, dass in einem auszuweisenden Gebiet eine hohe Anzahl an freilebenden Katzen vorhanden ist, welche erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden, die auf die hohe Anzahl dieser Tiere zurückzuführen sind, aufweisen“, teilt Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra auf MZ-Anfrage mit.

„Die Feststellung und Dokumentation der hohen Anzahl an freilebenden Katzen ist sehr aufwendig und herausfordernd – insbesondere da nicht ohne weiteres feststellbar ist, welche Katze freilebend und welche lediglich freilaufend ist, also ein Zuhause hat“, heißt es außerdem. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz empfehle die Dokumentation über einen längeren Zeitraum, etwa zwei bis drei Jahre.

Aufnahmestopp im Tierheim

Nicht nur die Tierfreunde, auch der Tierschutzverein Regensburg hoffen jedoch, dass möglichst rasch eine Lösung gefunden wird. „Auf Pflegestellen und im Tierheim befinden sich derzeit 85 Katzen. Die Hälfte davon sind Kitten, die noch nicht einmal vier Monate alt sind“, sagt Ariane Weckerle, Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Seit Anfang August musste das Tierheim sogar einen Aufnahmestopp für Katzen verhängen. „Unsere räumlichen und personellen Kapazitäten waren schon seit längerem am Limit, aber irgendwie konnten wir für Notfälle trotzdem immer eine Lösung finden. Aber jetzt geht wirklich gar nichts mehr“, so die Begründung.

„Gesund sind die wenigsten“

Eine Katzenschutzverordnung mit Registrierung und Kastrationspflicht würde enorm dabei helfen, die Katzen-Flut einzudämmen. „Früher hatte eine Katze zwei Würfe pro Jahr. Heute sind es drei oder vielleicht sogar vier – und ab fünf Monaten können sie sich selbst weiter vermehren. Gesund sind davon die wenigsten“, sagt Weckerle.

Karlheinz Seidl hofft, dass sich das Verfahren doch noch irgendwie beschleunigen lässt. Die Tierfreunde wollen das Thema vermehrt in die Öffentlichkeit bringen. Am Samstag will der Verein in der Innenstadt Unterschriften für die Einführung einer Katzenschutzverordnung sammeln. Auch die Stadtratsfraktionen hat Seidl dazu eingeladen. „Katzen sind keine Zahlen“, sagt er, „die Zeit drängt.“

Schutzverordnung: Tierfreunde sammeln Unterschriften

Aktion: Die Tierfreunde Regensburg sind am Samstag, 24. August, mit einem Stand in der Altstadt vor Ort. Von 12 bis 18 Uhr informiert der Verein bei Teehaus Bachfischer in der Schwarze-Bären-Straße über das Thema Katzenschutzverordnung. Für die baldmöglichste Einführung der Verordnung, verbunden mit einer Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Freigängerkatzen, werden bei diesem Termin Unterschriften gesammelt.

Fundkatzen: Wenn keine Zahlen vorliegen, wird sich nichts ändern – davon sind die Tierschützer überzeugt. Ganz wichtig sei deshalb auch, dass Bürger, die Katzen finden und selbst hochpäppeln, eine Meldung über die Tiere beim Fundbüro machen. „Die Fundmeldungen helfen bei der Statistik“, sagt Percya Schwarzer. Nur so könne belegt werden, dass die Zahlen von Jahr zu Jahr weiter zunehmen.

Auch die Kleinsten brauchen Hilfe. Foto: Tierschutzverein Regensburg