Ehrenamtliche bei der Tafel: „Gebraucht zu werden, ist ein schönes Gefühl“

Von Martina Groh-Schad · 19. August 2024 um 17:38

Die Regensburger Tafel nimmt die neue Helferin Stefanie Brückner mit offenen Armen auf. Die junge Frau sitzt im Rollstuhl.

Wie viel Joghurt, Käse und Butter sind noch da? Am Stand für Milchprodukte behält Stefanie Brückner den Überblick. Seit vier Monaten hilft sie bei der Tafel Regensburg aus und verteilt Lebensmittel an Bedürftige. Die 39-Jährige sitzt im Rollstuhl, doch das kann sie nicht ausbremsen.

„Ich bekomme im Alltag so viel Hilfe, da wollte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt sie. Da sie aufgrund ihrer Behinderung Erwerbsminderungsrente erhält und bisher keinen passenden Mini-Job gefunden hat, suchte sie nach einer ehrenamtlichen Alternative. Nach einem Besuch beim Tag der offenen Tür bei der Tafel stand für sie fest: „Da will ich mich engagieren.“

Fahrer dringend gesucht

Helfer braucht die Tafel immer. Aktuell verteilen 150 Ehrenamtliche die Lebensmittel an Bedürftige. „Das klingt nach vielen Unterstützern, aber wir brauchen eine Menge Leute, um den Ansturm zu bewältigen“, sagt Vorsitzende Jonah Lindinger. „Wir können jeden brauchen, der helfen will.“Doch vor allem hat die Tafel zu wenig Fahrer, die die Lebensmittel abholen.

Als Stefanie Brückner ihre Unterstützung anbot, war es für Lindinger keine Frage. „Das probieren wir aus.“ Zunächst half Brückner dabei, Klammern einzusammeln, die die Bedürftigen vor der Ausgabe erhalten, um den Ablauf schneller zu gestalten. Die Farbe der Klammer zeigt an, wie viele Personen im Haushalt versorgt werden.

„Alle waren richtig nett zu mir“, betont Stefanie Brückner. Im direkten Kontakt mit den Tafelkunden erlebte sie, dass ihre Mitarbeit sehr positiv aufgenommen wird. Jeden Dienstag von 10 bis 14 Uhr hilft sie nun mit und hat als neues Aufgabenfeld den Stand für Milchprodukte für sich entdeckt.

Gemeinsam mit einer Kollegin organisiert sie die Ausgabe. Die Kollegin unterstützt, wenn aus dem Regal von oben Produkte heruntergeholt werden müssen. „Da kämen kleinere Helfer ohne Behinderung auch nicht ran“, sagt Brückner.

Zudem hilft sie gerne beim Sortieren der Lebensmittel und ist insgesamt menschlich im Dienstags-Team der Tafel gut angekommen. „Mal miteinander zu quatschen und in der Gruppe Spaß zu haben, tun mir gut.“ Auch Feste genießt sie. Allein zuhause langweilt sich die 39-Jährige oft. An manchen Tagen kommt nur eine Assistenz vorbei, die ihr bei den Einkäufen und beim Saubermachen hilft. „Bei der Tafel habe ich eine sinnvolle Aufgabe und kann anderen helfen“, betont sie. „Gebraucht zu werden, ist ein schönes Gefühl.“

Jonah Lindinger ist als stellvertretende Vorsitzende auch bei der Tafel Deutschland engagiert und kann für die gesamte Einrichtung sprechen. „Inklusion ist für uns eine Aufgabe, die ganz oben steht“, betont sie. Als Stefanie Brückner fragte, ob sie mitarbeiten kann, war sie sofort bereit, das auszuprobieren. Die Voraussetzungen in Regensburg seien günstig. Es gibt eine Rampe ins Gebäude und die Räume sind groß, so dass man sich mit einem Rollstuhl problemlos bewegen kann. Zwar könne Stefanie Brückner keine Kartoffel-Kisten heben, aber das falle anderen auch schwer. Bei der Tafel müsse man nicht alles können, sondern es wird zusammengeholfen.

„Armut geht uns alle an“

„Wir stehen für die Botschaft, dass alle Menschen gleich sind“, erklärt Lindinger. Menschen mit Handicap seien bei der Tafel als Helfer genauso willkommen wie jeder andere. „Armut geht uns alle an.“