Rekorde, Meisterschaften und Olympia: Drei Schwimm-Asse lehren nun in Wackersdorf

Früher haben sie selbst nach Bestzeiten gestrebt, heute bringen sie anderen das Schwimmen bei. Sonja Laemmler, ihre Schwester Nadine und Schwager Fabian Schwingenschlögl haben zusammen eine Schwimmschule gegründet. Seit Ende Mai bieten die drei im Wackersdorfer Panoramabad regelmäßig Kurse an – und haben sich für die Zukunft einiges auf die Agenda geschrieben.
Dem ein oder anderen Sportbegeisterten könnte der Name Schwingenschlögl ein Begriff sein. Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, als dieser beim größten Sportevent der Welt vertreten war. Denn Fabian Schwingenschlögl, ein gebürtiger Erlanger, ging für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 auf Medaillenjagd. Zusammen mit Lucas Matzerath startete er über 100 Meter Brust, wurde am Ende Zehnter. Auch wenn kein Platz auf dem Treppchen heraussprang, sei es der größte Moment seiner Karriere gewesen, wie er beim Pressetermin im Panoramabad erzählt.
Viele Rekorde und Titel gefeiert
Und dem Schwimmsport hat er noch mehr zu verdanken. Denn dadurch hat er auch seine Frau Nadine kennengelernt. Sie ist ebenfalls ehemalige Nationalschwimmerin, verpasste die Teilnahe an den Olympischen Spielen zweimal denkbar knapp. Mit einem Sportstipendium gingen beide in die USA, feierten Rekorde und Titel, nahmen bei Deutschen- und Europameisterschaften teil. Mittlerweile haben sie ihre Karrieren aber an den Nagel gehangen. Momentan wohnt das Pärchen, das im Dezember 2022 heiratete, in Lappersdorf. Fabian arbeitet Vollzeit als Projektmanager, Nadine ist im Marketing tätig. Beide planen aber in naher Zukunft wieder in Nadines Heimat Wackersdorf zu ziehen.
„Bei mir ist es nicht so krass“, sagt Nadines Schwester Sonja bescheiden. Doch auch sie konnte im kühlen Nass auf nationaler Ebene einige Erfolge feiern – unter anderem bei den Deutschen Meisterschaften im Monoflossen-Schwimmen. Sie sei es auch gewesen, die letztlich den Anstoß für die eigene Schwimmschule gegeben hatte. Der Gedanke schlummerte in allen drei Köpfen schon länger, Anfang des Jahres wurden die Vorstellungen dann von Sonja in die Tat umgesetzt.
Bürgermeister hatte Idee für den Namen
Nachdem sich das Trio von ehemaligen Sport-Kollegen, die in verschiedenen Regionen Deutschlands ebenfalls Schwimmschulen betreiben, Tipps eingeholt hatten, saß Laemmler schließlich im Wackersdorfer Rathaus. Sie kann sich noch gut daran erinnern, es sei der 3. Januar dieses Jahres gewesen. Bürgermeister Thomas Falter (CSU) sei von der Idee gleich begeistert gewesen. Er habe angeboten, die Kurse im örtlichen Panoramabad abhalten zu können. Und er hätte dann auch gleich den passenden Namen parat gehabt: „Schwimmschule Seenland“. Genau unter diesem haben die drei ehemaligen Leistungssportler nun ihre ersten Kurse angeboten.
Natürlich geschah das stets in Absprache mit Bäderleiter Michael Meinhardt. „Der reguläre Badebetrieb wird durch unsere Kurse nicht gestört“, betonen die drei Schwimmlehrer. Das bestätigt auch der Bademeister, der das neue Angebot befürwortet. „Es ist auf jeden Fall eine Bereicherung für unser Bad“, sagt Meinhardt.
Im Mai ging es los. Nadine und Fabian kümmern sich um die Jugendlichen und Erwachsenen. Hier geht es vor allem darum, sich zu verbessern. Prinzipiell hätten die beiden jede Technik im Portfolio, doch in den ersten Monaten kristallisierte sich vor allem der Bedarf an Kraulkursen heraus. „Häufig fragen Triathleten für Einzelstunden bei uns an“, sagt Fabian. Aber auch Gruppenkurse seien prinzipiell möglich.
Suche nach Hallenbad
Sonja hat sich als gelernte Erzieherin dagegen den jungen Wasserraten ab fünf Jahren verschrieben – egal ob Seepferdchen oder weiterführende Kurse. Die Nachfrage ist bisher hoch, auch weil die Flyer in vielen Kindergärten und Schulen aushangen. Mit diesen plant sie langfristig auch feste Kooperationen. Drei bis vier Kinder nehmen bisher zusammen an den Gruppenkursen teil. Ein Zehnerblock kostet je 250 Euro (Schwimmen lernen), der fünfstündige Aufbaukurs (sicher Schwimmen) 125 Euro. Es gibt aber auch die Möglichkeit auf Einzelstunden – für Kinder mit Handicap oder diejenigen, die einfach nicht in der Gruppe lernen möchten.
Mit der Resonanz sind die drei Lehrer, die ihre Schwimmschule nebenberuflich betreiben, bisher sehr zufrieden. Mit Blick auf die kalten Monate zeichnet sich aber noch eine große Hürde ab. Denn momentan haben Fabian, Nadine und Sonja noch keine Möglichkeit, ihre Kurse auch im Spätherbst oder Winter weiter anzubieten. Das Trio ist deshalb noch auf der Suche nach einem Hallenbad. Bisherige Anfragen in Schwandorf und Schwarzenfeld scheiterten wegen der Belegungssituation oder bevorstehenden Umbauten. Dabei wäre gerade eine solche Möglichkeit wichtig, sagt Fabian. „Die Kinder wollen ja im Sommer schwimmen können und müssten das dann über den Winter lernen.“
In Konkurrenz treten zu anderen Vereinen oder Organisationen wie die Wasserwacht, die ebenfalls Kurse anbieten, will das Trio mit der Schwimmschule Seenland indes nicht. Viel mehr soll es eine Ergänzung sein, von der beide Seiten profitieren können. „Ich habe bereits fünf meiner Schüler für einen Schwimmverein begeistern können“, sagt Sonja und Nadine ergänzt: „Wir wollen unsere Leidenschaft und Expertise weitergeben und dabei etwas Gutes tun. Das ist ein schönes Gefühl.“
Die Übungsleiter im Kurzporträt:
Nadine Schwingenschlögl: 30 Jahre alt; Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft 2017 bis 2021; 21 Medaillen bei nationalen und internationalen Meisterschaften: Universiade, Europameisterschaften, Welt Cups und Deutsche Meisterschaften.
Fabian Schwingenschlögl: 33 Jahre alt; Deutscher Rekordhalter über 50 Meter Brust und 100 Meter Brust, Zehnter bei den Olympischen Spielen in Tokio. Dritter bei den Europameisterschaften 2018, mehrfacher Medaillengewinner bei Deutschen Meisterschaften
Sonja Laemmler: 25 Jahre alt; Zehnte bei den Deutschen Meisterschaften über 50 Meter Brust, Deutsche Vizemeisterin mit der Monoflosse (50 Meter Apnoe), zahlreiche Medaillen bei Bezirksmeisterschaften, amtierende Bezirksmeisterin (50 Meter Brust)


