Veranstaltungs-Pingpong: Orgelverein kündigt Konzert an, Pfarrer fordert Absage

Seit die Kirchenstiftung Mariä Himmelfahrt dem Kelheimer Orgelverein im Mai das Nutzungsrecht der Franziskanerkirche gekündigt hat, kommt es zu einer Art Veranstaltungs-Pingpong: Der Verein – der die Kündigung nicht akzeptiert – kündigt Veranstaltungen an, die dann aus unterschiedlichen Gründen nicht stattfinden oder verlegt werden müssen.
Eine solche Situation deutet sich nun erneut an: am Tag des offenen Denkmals am 8. September will der Verein ein Konzert und eine Museumsführung anbieten. Das teilt der erste Vorsitzende Christian Hopfner mit. Stadtpfarrer Reinhard Röhrner forderte Hopfner daraufhin am Donnerstag auf, die Veranstaltung abzusagen, auch „um weitere Folgen für den Verein zu vermeiden“. Der E-Mail-Verkehr liegt unserer Redaktion vor. Röhrner: „Dieses Konzert kann nicht stattfinden.“ Die Kirche sei zu dieser Zeit nicht frei. Eine Genehmigung sei weder erbeten noch erteilt worden. Das Nutzungsverhältnis sei gekündigt. Hopfners Antwort erfolgte am Freitag: „Das Konzert wird stattfinden!“ Hopfner wirft Röhrner mit Verweis auf Vorfälle aus der jüngeren Vergangenheit vor, den Verein „aushungern“ zu wollen.
Brandschutz weiter Thema
Rückblick: Seit Juni hat der Orgelverein einen „Notbetrieb“ aufgenommen. Ein Konzert fand in der Franziskanerkirche statt. Ein zweites musste Ende Juni verlegt werden. Der Verein spricht von „Aussperrung“. Die beiden elektronischen Schlüssel hätten nicht funktioniert, was nur durch Sperrung der Zugangsberechtigung durch die Kirchenstiftung zu erklären sei. Wie berichtet, widersprach Röhrner dieser Darstellung: „Der Zugang wurde nicht gesperrt. Anderslautende Aussagen sind schlicht falsch und sollen wohl nur dazu dienen, die Pfarrkirchenstiftung in der Öffentlichkeit in Misskredit zu bringen.“
Kürzlich gab es einen weiteren Fall: Ein am 3. August geplantes Konzert sagte der Verein wieder ab, da dem Kirchenanzeiger entnommen werden konnte, dass zeitgleich ein Gottesdienst angesetzt war. Wie berichtet, kann das Orgelmuseum außerdem wie im Vorjahr nicht an der Kunst- und Kulturnacht (KuKuK) am 30. August teilnehmen. Die Organisatoren führen das auf Streitigkeiten zwischen Orgelverein und Kirchenstiftung zurück.
Pfarrer Röhrner spricht in diesem Zusammenhang von einer „Falschmeldung“. Der Grund für die Nicht-Teilnahme sei nicht der Streit – „Hintergrund sind einzig die Brandschutzauflagen, die trotz intensiver Bemühungen bis heute immer noch nicht gelöst werden konnten. Die Auflagen betreffen nicht die Gottesdienste, sondern müssen für andere Veranstaltungen wie Konzerte erfüllt werden.“
Räumungsklage anhängig
Bei Gottesdiensten gelte Bestandsschutz, diese könnten ohne Teilnehmergrenze stattfinden, so Röhrner weiter. Alles andere sei stark reglementiert. Diese Auflagen habe nicht die Pfarrei gemacht, sondern die Genehmigungsbehörden. Die Kirchenstiftung stehe hinter der KuKuK. Gerne würde man die Franziskanerkirche weiter zur Verfügung stellen, dafür müsse aber erst die Thematik mit der Brandmeldeanlage geklärt werden. Im Vorjahr habe der Orgelverein von sich aus die Teilnahme abgesagt und ein Angebot, auf die Stadtpfarrkirche auszuweichen, abgelehnt.
Hopfner hingegen wirft Röhrner in seiner Antwort-Mail eine „Blockadehaltung“ vor: „Die von Ihnen einseitig aufgekündigte, über mehr als 20 Jahre gelebte Vereinbarung über die Nutzung gilt nach wie vor fort. Entgegen Ihrer Vorstellung berechtigt Sie die ausgesprochene Kündigung nicht dazu, den Förderverein Orgelmuseum Franziskanerkirche Kelheim bei der satzungsgemäßen Erfüllung seiner Aufgaben zu behindern.“
Auch sei unklar, ob die Kündigung das Nutzungsverhältnis „rechtswirksam beende“, so Hopfner weiter. Derzeit läuft eine Räumungsklage gegen den Verein am Landgericht Regensburg. Eine Frist zur Klageerwiderung läuft laut Gericht bis 10. September.
Kommentar von Etienne Nückel: Unwürdiges Theater
Für Außenstehende war der Streit um das Kelheimer Orgelmuseum bereits seit vergangenem Herbst zum Fremdschämen. Nun ist er vollends zu einem unwürdigen Kasperletheater verkommen. Das wird vor allem auf dem Rücken von Konzert-Interessierten ausgetragen: Veranstaltungen werden angekündigt und kurz darauf wieder abgesagt oder verlegt. Das ist vor dem Hintergrund von Kündigung und Räumungsklage absehbar – und daher gegenüber Gästen und Musikern nicht fair.
Die Gründer des Orgelmuseums haben eine beispielhafte Institution mit hohem kulturellen Wert in Kelheim geschaffen und der historisch bedeutsamen Franziskanerkirche neues Leben eingehaucht. Diese Errungenschaft droht nun in einer peinlichen Provinzposse zu enden.