Urlaubsgeld für Geringverdiener: Immer mehr Anträge auf Familienferien in Bayern

Von Jasmin Eiglmeier · 7. August 2024 um 19:00

Sommerferien heißt für viele Menschen in Bayern auch Urlaubszeit. Eine ruhige Umgebung, viel Zeit in der Natur, Abstand vom Alltag. Doch manche Familien können sich auch wenige Tage der Entspannung nicht leisten.

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Hier springt das Angebot der Familienerholung ein: Es greift Alleinerziehenden mit einem Nettoeinkommen unter 31000 Euro und Paaren mit unter 34.000 Euro Einkommen finanziell unter die Arme.

Gerade für die Ferienzeit beobachtet Maria Fürst, stellvertretende Hausleiterin der Evangelischen Familienerholung Sulzbürg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, eine besonders große Nachfrage. Die Familienferienstätte ist eine von elf in Bayern, für die es vom Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) einen Zuschuss gibt. Hinzu kommen 62 weitere in ganz Deutschland.

Gäste aus ganz Deutschland

In das „kleine Örtchen in ruhiger Lage“, wie sie die Ferienstätte mit 88 Betten auf einer Anhöhe beschreibt, kommen jedes Jahr viele Familien. „Bunt gemischt“ seien die Gäste – vom Paar mit zwei Kindern über Alleinerziehende bis hin zu gleichgeschlechtlichen Elternpaaren. Aus ganz Deutschland reisen sie an; besonders „Familien aus Großstädten wissen zu schätzen, dass es ruhig ist und sehr viel Platz für Kinder da ist“, bekommt Fürst an Rückmeldung von ihren Gästen. Im 13000 Quadratmeter großen Garten dürfen die jungen Feriengäste spielen und sich austoben.

Viele Angebote für Kinder jeden Alters

Es gibt einen Bolzplatz, man kann Volley- und Basketball spielen. Darüber hinaus „versuchen wir, den Familien ein pädagogisches Angebot zu machen“, erklärt Maria Fürst. Von den Obstbäumen darf bei der gemeinsamen Ernte genascht werden, anschließend wird Apfelsaft gepresst. Bei Imkerführungen lernen die Kinder Neues über Bienen, deren Honig dann auf dem Frühstückstisch steht. Auch Postkarten mit getrockneten Blüten bastelte die pädagogische Mitarbeiterin der Einrichtung schon mit den Mädchen und Buben. „Für die Kinder ist es interessant, mal wieder einen Brief zu schreiben“, erklärt Fürst. Mit solchen Angeboten wolle man „zurück zu den Wurzeln, es gibt so schöne einfache Sachen.“

Ziel: Familienklima verbessern

Ein pädagogisches Angebot der Eltern- und Familienbildung muss die Familie während ihres Aufenthaltes wahrnehmen, um den Aufenthalt mit knapp 20 Euro pro Tag und Person gefördert zu bekommen, erklärt eine ZBFS-Sprecherin. Ziel der Erholung sei grundsätzlich, Familien in wirtschaftlich prekären Situationen einmal jährlich einen Urlaub zu ermöglichen. „Denn ein gemeinsamer Familienurlaub kann neben der notwendigen gesundheitlichen Erholung wesentlich dazu beitragen, das Familienklima zu verbessern, die Beziehungen zwischen den Eltern, vor allem aber auch zwischen Eltern und Kindern zu stärken“, erklärt die Sprecherin.

Große Nachfrage in Ferienstätte

Diese Möglichkeit gibt es in Sulzbürg bereits seit 100 Jahren. Die Zimmer samt Vollpension kosten dort 81 Euro je Tag für Erwachsene und ab 32 Euro je Kind – für finanzschwache Familien gibt es Rabatte. Maria Fürst beobachtet in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage. „Wir sind gut ausgebucht“, sagt die stellvertretende Hausleiterin. Vor allem an den Wochenenden im nächsten Jahr sind die 40 Zimmer schon fast voll belegt.

Fürsts Wahrnehmung belegen auch Antragszahlen beim Zentrum Familie und Soziales in Bayreuth. Im vergangenen Jahr gingen dort 1451 Anträge ein, davon wurden 585 bewilligt und aus Mitteln des Bayerischen Ministeriums für Familie, Arbeit und Soziales rund 459.000 Euro ausgezahlt. 2022 waren es lediglich 849 Anträge gewesen, 349 davon wurden bewilligt. Die Gründe für den Anstieg sieht eine ZBFS-Pressesprecherin in erster Linie darin, dass seit 2023 höhere Einkommensgrenzen gelten.

Angebot der Förderung bekannter geworden

Bis April 2023 lag die Einkommenshöchstgrenze bei 21.000 Euro für alleinerziehende und bei 21.500 Euro für beide Elternteile. Zudem sei die Fördermöglichkeit insgesamt bekannter geworden – auch im Zusammenhang mit dem Bundesprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“. Ob Gründe wie gestiegene Lebenshaltungskosten eine Rolle spielen, kann die Sprecherin nicht belegen.

Im diesem Jahr seien bis Ende Juli 1322 Förderanträge eingegangen, so ein Sprecher des ZBFS. Das entspreche in etwa dem Stand von Juli 2023. Wie sich die Antragszahlen heuer noch entwickeln, bleibe abzuwarten. Der größte Teil der Anträge wird vor der Sommerferienzeit gestellt.