Warum feiern so viele Freiwillige Feuerwehren ihr Jubiläum? – Ein Rückblick für den Landkreis Schwandorf

Von Mittelbayerische Zeitung · 6. August 2024 um 19:00

In den letzten Jahren standen viele Veranstaltungen im Landkreis unter dem Motto - „150 Jahre Freiwillige Feuerwehr“. Viele fragen sich, warum gerade in diesem Zeitraum so viele Feuerwehrvereine gegründet wurden oder warum die Vereine nicht schon länger bestehen?

Um die Entstehung der Feuerwehrvereine im Landkreis Schwandorf verstehen zu können, ist es wichtig den damaligen Zeitgeist zu verstehen unterstreicht in einer Pressemitteilung der Kreisbrandinspektion Schwandorf Thomas Forster vom Fachbereich Bevölkerungsinformation und Medienarbeit der Feuerwehren im Landkreis Schwandorf.

Denn die Wurzeln moderner Vereine im Allgemeinen ließen sich bis ins 17. und 18. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Ideen der Aufklärung und die gesellschaftlichen Veränderungen der frühen Neuzeit Raum für neue gesellschaftliche Organisationsformen schufen.

Vereine sei Märzrevolution

Mit der Industrialisierung und dem raschen Wachstum der Städte im 19. Jahrhundert nahm laut Mitteilung die Zahl der Vereine stark zu. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Arbeitervereine, Sportvereine und politische Vereine. Diese Vereine spielten eine wichtige Rolle bei der Organisation der Arbeiterbewegung und der Förderung des politischen Bewusstseins. Die von Friedrich Ludwig Jahn initiierte Turnerbewegung sei ein Beispiel für einen Sportverein, der sowohl sportliche als auch nationale Ziele verfolgte.

Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Vereine sei die Einführung des Vereinsrechts gewesen. In Deutschland wurde 1848 im Zuge der Märzrevolution das Recht auf Vereinsfreiheit eingeführt. Dieses Recht wurde in den folgenden Jahrzehnten ausgebaut und präzisiert. Das preußische Vereinsgesetz von 1850 wäre eines der ersten gewesen, das die Rechte und Pflichten von Vereinen regelte.

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehren in Bayern reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit verbunden. Die Entstehung und Verbreitung dieser Feuerwehren wäre ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des Brandschutzes und der öffentlichen Sicherheit gewesen.

Bereits im Mittelalter waren Brände eine ständige Bedrohung für Städte und Dörfer, heißt es in der Mitteilung. Die Brandbekämpfung erfolgte damals oft improvisiert durch die gesamte Bevölkerung. Organisierte Feuerwehrstrukturen gab es nicht. Ein Kuriosum aus der Oberpfalz sei hier erwähnt: 1407 wurde der Amberger Frauenwirt, also der Betreiber des unter städtischer Regie stehenden Bordells, verpflichtet, mit seinen „Töchtern“ zum Löschen zu eilen. Mit der Industrialisierung und dem Wachstum der Städte im 19. Jahrhundert wuchs die Notwendigkeit einer systematischeren und organisierten Brandbekämpfung.

Die erste Freiwillige Feuerwehr Bayerns wurde 1847 in Augsburg gegründet. Diese Gründung war stark von den Ideen der Freiheitsbewegungen und den gesellschaftlichen Veränderungen der damaligen Zeit geprägt. Nach dem Erfolg in Augsburg wurden in den folgenden Jahren auch in vielen anderen bayerischen Städten und Gemeinden Freiwillige Feuerwehren gegründet. 1868 erließ der bayerische Staat ein Gesetz zur Regelung des Feuerwehrwesens. Dieses Gesetz schuf einen rechtlichen Rahmen für die Organisation und den Betrieb der Freiwilligen Feuerwehren und legte die Grundlagen für deren Finanzierung und Ausrüstung. Es förderte die Gründung weiterer Feuerwehren und sorgte für die Vereinheitlichung von Standards und Ausbildungsinhalten. Bereits 1863 wurde die Feuerwehr Neunburg gegründet, die älteste Feuerwehr im Landkreis und eine der ältesten im Regierungsbezirk Oberpfalz.

Die Einführung von Dampfspritzen und später von motorisierten Löschfahrzeugen sowie die Entwicklung moderner Schutzausrüstungen verbesserten die Effizienz und Sicherheit der Einsätze erheblich. Auch die Ausbildung der Feuerwehrleute wurde kontinuierlich verbessert. Der Zweite Weltkrieg hatte erhebliche Auswirkungen auf die Freiwilligen Feuerwehren in Bayern. Viele Feuerwehrmänner wurden zum Kriegsdienst eingezogen und die Wehren mussten oft mit stark reduziertem Personal auskommen. Nach dem Krieg wurde der Wiederaufbau der Feuerwehren zu einer wichtigen Aufgabe.

Demografischer Wandel

Die Freiwilligen Feuerwehren in Bayern sind heute eine unverzichtbare Säule des Zivil- und Katastrophenschutzes, betont Kreisbrandrat Christian Demleitner, der allen Einsatzkräften für ihren Dienst am Bürger dankt. Sie sind hoch motivierte und gut ausgebildete Ehrenamtliche, die in ihrer Freizeit für die Sicherheit in ihren Gemeinden sorgen. „Die Feuerwehren sind nicht nur bei Bränden im Einsatz, sondern auch bei Verkehrsunfällen, Naturkatastrophen und vielen anderen Notlagen“, so Hans-Jürgen Schlosser, Kreisbrandmeister und zuständig für die Öffentlichkeits- und Medienarbeit im Landkreis Schwandorf. Die Freiwilligen Feuerwehren in Bayern stehen weiterhin vor Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und der Nachwuchssicherung.

Die Entstehung und Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Schwandorf sei eine Erfolgsgeschichte des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbstorganisation, heißt es in der Mitteilung abschließend. Ihre Geschichte zeige, wie durch Gemeinschaftssinn und den Willen zur gegenseitigen Hilfe große Fortschritte und Verbesserungen im Brandschutz erzielt werden konnten. „Ehrenamtliche Arbeit ist nicht bezahlt, aber unbezahlbar“, betont Schlosser abschließend.